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Revival: Recolonization ist wie Civilization, nachdem Gandhi durchgedreht ist

In Civilization führen wir unsere Fraktion aus der Wiege der Menschheit, in Revival bauen wir unser Imperium stattdessen auf den Ruinen der Vergangenheit.

von Fabiano Uslenghi,
09.04.2022 15:10 Uhr

Es ist ein Jahrzehnte alter Running Gag. Ausgerechnet der friedfertige Gandhi gehört in der Civilization-Reihe zu den Fraktionsanführern, die in der Moderne ganz besonders leichtfertig mit Nuklearwaffen umgehen. Nun führt selbst in Civ ein solches Vorgehen selten zur kompletten atomaren Apokalypse.

Aber was wenn doch? Diese Frage wird Civiliaztion vermutlich niemals befriedigend beantworten. Doch glücklicherweise gibt es da draußen scharenweise Entwicklerinnen und Entwickler, die sich von diesem Urgestein der Globalstrategie inspiriert sehen und ihre ganz eigenen Ideen entwickeln.

So geschehen bei Revival: Recolonization. Einem neuen 4X-Strategiespiel, in dem die Welt bereits einmal unterging. Es ist zeigt also die zweite Blüte der Menschheit, die sich aufrafft, um aus den Ruinen wieder neue Imperien erwachsen zu lassen.

Na ob das dieses Mal besser ausgeht? Zumindest Gandhi hält sich in diesem Spiel wenigstens aus dem Weltgeschehen raus.

Revival: Recolonization trennt noch viel mehr von Civilization als die Apokalypse 3:50 Revival: Recolonization trennt noch viel mehr von Civilization als die Apokalypse

Das Ödland muss nicht öde sein

Glauben wir der Vorgeschichte von Revival, dann hat Gandhi zumindest offiziell mit der Apokalypse in dieser Welt gar nicht so viel zu tun. Denn Schuld am Untergang der Welt sind nicht die Menschen selbst - oder zumindest nur indirekt. Herbeigeführt wurde die Katastrophe nämlich von einer übermächtigen KI namens All-Mind.

Wie schon in Terminator oder I, Robot findet eine hyperintelligente KI einfach immer einen Grund, der Menschheit den Krieg zu erklären. So auch in Revival, wo das All-Mind die Menschheit als schwächlich und unterlegen erkannte. Grund genug, um ihre Zivilisation auszulöschen. Übrigens nicht nur mithilfe von Killermaschinen, sondern auch Zombies und globalem Terraforming.

Wüste im Süden, Schnee im Norden, das Meer im Westen, Sumpf und Dschungel in der Mitte, aber auch leuchtende Klüfte. Revival bietet auf jeden Fall mehr fürs Auge als trostloses Ödland. Wüste im Süden, Schnee im Norden, das Meer im Westen, Sumpf und Dschungel in der Mitte, aber auch leuchtende Klüfte. Revival bietet auf jeden Fall mehr fürs Auge als trostloses Ödland.

Da atomare Verseuchung nicht der einzige Grund für die Verheerung des Planeten ist, präsentiert sich Revival auch deutlich lebendiger, als man es vielleicht gewohnt ist. Hier gibt es eben mehr Facetten als braunes Ödland oder leuchtend grüne Seen.

Produzent Vasiliy Tedeev verrät uns im Interview, dass sich die Welt von Revival einerseits logisch anfühlen, andererseits nahezu wundersam wirken soll. Statt einer trostlosen Apokalypse strebte man eher nach einem lebendigen Setting in dem es nach wie vor viele Farben zu sehen gibt.

Was macht Revival: Recolonization besonders?

Das Setting hebt Revival natürlich schon einmal von Genre-Konkurrenten wie Civilization, Old World oder Humankind ab. Doch auch spielerisch haben sich die Entwicklerinnen und Entwickler nicht darauf ausgeruht, das bewährte 4X-Konzept nur in eine Welt voller Ruinen zu übertragen.

Revival hat beispielsweise eine ganz eigene Herangehensweise an die Fraktionsauswahl. Anstelle einer Nation wählen wir einen sogenannten Emissär. Das sind Menschen, die bereits vor tausend Jahren lebten und die Welt noch kannten, wie sie einst war. Im geplanten Early Access ist bislang nur ein Emissär geplant, doch später sollen noch mehr hinzukommen. Jeder Emissär hat dabei Einfluss darauf, wie wir mit unseren Ressourcen umgehen.

Der zentrale Kuttenträger ist unser Fraktionsanführer und kann hier sogar über die Karte laufen und Aufgaben erfüllen. Der zentrale Kuttenträger ist unser Fraktionsanführer und kann hier sogar über die Karte laufen und Aufgaben erfüllen.

Das klingt jetzt erst einmal nach so gut wie gar keiner Abwechslung. Aber über die Fraktion entscheidet nicht nur der Anführer. Die erste Aufgabe in einer neuen Runde Revival besteht darin, als Emissär einen Klan zu finden, den wir anführen wollen. Jeder Klan gehört zu einem der fünf Stämme, die wiederum alle individuelle Eigenschaften haben.

Die Cultists of Eternal Ice bevorzugen beispielsweise eisige Landschaften und sind wilde Krieger, während die Ash Commissaries in der Wüste leben und sich auf den Handel spezialisieren.

Insbesondere die Klimazonen und Landschaften des Planeten sollten wir gut kennen. Denn erstens beeinflussen sie das Wohlbefinden unserer Fraktion, zweitens können Emissäre mit Edikten die Landschaft verändern.

Sollte beispielsweise eine Feindliche Armee sich gerade auf dem Weg in unsere Hauptstadt befinden, gibt es mehr Möglichkeiten, als nur 4X-typisch den Gegenangriff zu starten, Verbündete zu rufen oder um Frieden zu betteln (haha, als ob).

Ein Emissär kann mit einem Edikt das gemäßigte Umland in eine Eislandschaft verwandeln. Das bremst die Armeen aus und schwächt Bogenschützen oder Gewehre. Gleichzeitig frieren Flüsse zu und können passiert werden. Wir müssen also genau abwägen, welches Edikt uns gerade wirklich hilft und welches nicht.

Edikte klingen nach Beschlüssen auf einem Stück Papier, es sind aber alte technologische Meisterwerke, die große Teile der Welt verändern.

Für wen eignet sich Revival Recolonization

Trotz seiner Besonderheiten bleibt Revival ganz tief in seiner Seele ein recht klassisches 4X-Strategiespiel, in dem sich Fans von Civilization sofort zuhause fühlen werden. Gerade die Anfangsphase unterscheidet sich dabei nicht großartig von den großen Vorbildern, zu denen übrigens auch Endless Legend und Alpha Centauri zählen.

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Euer frisch übernommener Klan lebt also anfänglich in ein paar einfachen Holzhütten und konzentriert sich aufs Wachstum. Sogar die Waffen erinnern eher an die Frühzeit, aber das wurde so ja ohnehin von Albert Einstein prognostiziert. Durch das Ansammeln von Ressourcen, der Ausbreitung über die Karte und das Eingliedern weiterer Klans wächst die eigene Fraktion.

Es ist zwar die Postapokalypse, trotzdem können wir uns auch ganz friedlich mit anderen Menschen an einen Tisch setzen und verhandeln. Es ist zwar die Postapokalypse, trotzdem können wir uns auch ganz friedlich mit anderen Menschen an einen Tisch setzen und verhandeln.

Dabei durchschreiten wir insgesamt vier unterschiedliche Epochen. Im Verlauf ändert sich der technologische Standard. Aus einfachen Hütten werden Großstädte und sogar futuristische Metropolen. Statt Bögen lassen wir irgendwann Panzer auffahren. Hier gibt es aber eine Besonderheit, denn in Revival können wir Einheiten sehr frei gestalten.

So dürfen wir Schützen mit unterschiedlicher Munition ausrüsten oder auch entscheiden, welche Waffe Kriegselefanten auf ihren Rücken tragen. Allgemein soll die Armeekomposition nochmal wichtiger sein als im typischen 4X-Strategiespiel. Hier kommen dann auch besondere Fähigkeiten wie Schilde zum Einsatz, die Gegner einige Felder nach hinten stoßen. So soll unter anderem verhindert werden, dass wir mit hochtechnologischen Armeen einfach über die Karte walzen, denn selbst unterentwickelte Streitkräfte werden gefährlich, wenn sie ein gutes Konzept verfolgen.

Sagt zumindest der Produzent Tedeev.

Das Einheitensystem von Revival ist etwas besonderes und soll dank verschiedener Ausrüstungsteile möglichst viel Abwechslung garantieren. Das Einheitensystem von Revival ist etwas besonderes und soll dank verschiedener Ausrüstungsteile möglichst viel Abwechslung garantieren.

Wann kommt das raus?

Auf der Steamseite von Revival: Recolonization ist es auf dem ersten Blick nicht zu erkennen, aber das Spiel wird vor seinem vollwertigen Release erst in eine Early-Access-Phase starten. Schon jetzt hat es einige spielbare Alpha-Phasen hinter sich. Aktuell plant das Team, gegen Ende 2022 mit dem Early Access loszulegen. Wie lang sie dann daran festhalten, steht noch offen.

Momentan ist das Team an einem Punkt angelangt, wo das Spiel im Grunde als voll funktionsfähig gilt. Die meiste Arbeit muss noch in die Lokalisierung und vor allem KI gesteckt werden. Bislang wurde das Verhalten der Computer-Gegner etwas stiefmütterlich bearbeitet, da schlicht noch Features gefehlt haben. Mit der Überarbeitung der Edikte soll die KI jetzt klug genug werden, um uns vor eine ansprechende Herausforderung zu stellen.

Na, ob das bei der Ausgangslage von Revival so eine gute Idee ist?

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