Meinung zum RTX-3000-Event: Nvidias heißestes Eisen im Feuer sind nicht die GPUs

Obwohl sich Redakteur Nils Raettig hauptsächlich um Hardware kümmert, erhofft er sich von Nvidias Ampere-Event vor allem eine Software-Neuheit.

von Nils Raettig,
27.08.2020 16:41 Uhr

Wenn Nvidia seine neuen RTX-3000-GPUs der Öffentlichkeit präsentiert, sind die Grafikkarten selbst vielleicht nicht das Spannendste am Vorstellungs-Event. Wenn Nvidia seine neuen RTX-3000-GPUs der Öffentlichkeit präsentiert, sind die Grafikkarten selbst vielleicht nicht das Spannendste am Vorstellungs-Event.

»Ich glaube, das wird die beste Saison aller Zeiten« - eine gewohnt zurückhaltende Äußerung von Nvidias CEO Jensen Huang. Getätigt hat er sie bei der Vorstellung der jüngsten Quartalszahlen in Bezug auf die Frage, was er von der zweiten Hälfte des Gaming-Jahres 2020 erwarte.

Überraschend kommt seine Aussage nicht. Einerseits ist sie genau das, was Investoren hören wollen, andererseits steht die Vorstellung der neuen Ampere-GPUs für Spieler kurz bevor: Am 1. September ist es soweit, den Stream könnt ihr live von unseren Experten kommentiert auf GameStar.de und in unserem Twitch-Kanal MAX verfolgen.

GameStar-Leser warten auf Ampere: Unserer jüngsten Umfrage zu kommender Hardware zufolge sind die neuen Nvidia-Grafikkarten auch für euch der spannendste Hardware-Release des Jahres. Der heimliche Star von Nvidia könnte aber eher Software-bezogen sein, und auf Raytracing ziele ich damit nicht ab.

Der Autor: Nils Raettig ist seit Oktober 2013 Hardware-Redakteur bei der GameStar. In all den Jahren sind bei AMD die Radeon-Reihen R200/R300, RX 400/RX 500, RX Vega und RX 5000 erschienen. Nvidia hat mit den Geforce-Modellen GTX 900, GTX 1000, GTX 1600 und RTX 2000 (Super) dagegen gehalten. Nils hofft, dass AMD mit RX 6000 beziehungsweise Big Navi trotz der kommenden RTX-3000-Modelle endlich wieder um den Grafikkarten-Thron mitkämpfen kann. Starke Konkurrenz belebt schließlich das Geschäft und niedrigere Preise für die absoluten High-End-Modelle wären sehr wünschenswert - wirklich daran glauben tut er momentan aber nicht.

Software-Schmankerl statt Hardware-Hamsterrad

Versteht mich nicht falsch: Ich finde neue Grafikkarten mit mehr Leistung super! Aber das »Höher, schneller, weiter«-Prinzip wird nach einigen Jahren ehrlich gesagt doch etwas langweilig.

Ich will zwar trotzdem wissen, wie viel schneller die RTX-3000-Grafikkarten genau sind, ob Kühlung und Effizienz unter der zusätzliche Leistung leiden müssen, was es Neues in Sachen Raytracing gibt - und vor allem, wie viel Geld wir dafür ausgeben müssen, wirklich packen könnte mich Nvidia aber nur mit einer ganz bestimmten Ankündigung.

Trumpfkarte DLSS: Damit meine ich Deep Learning Supersampling beziehungsweise DLSS in der bislang noch recht nebulösen Version 3.0. Dabei handelt es sich um eine per künstlicher Intelligenz gestützte Hochrechnung des Bildes.

Warum ich DLSS so spannend finde, zeigt Alexanders ausführliche Analyse der aktuellen Version 2.0 in Death Stranding, Control, Deliver Us The Moon und Wolfenstein: Youngblood sehr eindrücklich.

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Nicht weniger als eine Revolution

Eine kurze Zusammenfassung von Alex Ergebnissen: DLSS erhöht nicht nur die Bilder pro Sekunde in den getesteten Spielen meist klar, sondern sieht teilweise sogar besser aus als die native Darstellung ohne DLSS.

Bislang wird DLSS 2.0 allerdings nur von sehr wenigen Spielen unterstützt. Die große Hoffnung für DLSS 3.0 besteht darin, dass es sich bei ähnlichen guten Ergebnissen wie im Falle von DLSS 2.0 viel leichter implementieren lässt.

Deutlich mehr unterstützte Spiele dank DLSS 3.0? Gerüchte besagen, dass DLSS zwar weiterhin aktiv von den Entwicklern in ein Spiel eingebaut werden muss. Solange sich die Zahl der Titel mit einer guten DLSS-Implementierung durch eine schneller umsetzbare Version 3.0 klar erhöht, wäre das aber mehr als bemerkenswert.

Wesentlich höhere fps bei gleichbleibender oder sogar besserer Bildqualität - dazu kann man schließlich nicht nein sagen! Zudem würde es dabei helfen, den oft großen Performance-Nachteil durch Raytracing aufzufangen.

Hoffnung mit Haken

Es ist alles andere als gesichert, dass Nvidia am 1. September Infos zu DLSS 3.0 liefert oder es gar vorstellt. Für mich persönlich wäre das aber die weitaus spannendere Nachricht als Details zu den neuen RTX-Grafikkarten, zumal die Gerüchteküche ein immer klareres Bild davon zeichnet:

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Ein potenzielles Problem sehe ich außerdem in der Exklusivität von DLSS. Es ist völlig verständlich und nachvollziehbar, dass Nvidia einen selbst entwickelten Algorithmus zum eigenen Vorteil nutzt. Gleichzeitig bleibt aber fraglich, ob und wenn ja wie schnell AMD Vergleichbares bieten kann.

Ein bisschen Hoffnung gibt es aber: Auf der Hot Chips nannte Microsoft Details zur Xbox Series X respektive zur RDNA2-Architektur der RX 6000 und einer Funktion namens »Machine Learning Acceleration«. Was sich dahinter verbirgt ist zwar noch unklar, es ist aber denkbar, dass es sich dabei um ein DLSS-Pendant von AMD handelt.

Sollte DLSS zu einem großen Erfolg werden und AMD nicht nachziehen, könnte das dessen ohnehin schwierige Position auf dem Grafikkartenmarkt weiter schwächen. Dass Intel mit der kommenden Xe-Architektur als starker Konkurrent in die Bresche springen kann, halte ich gleichzeitig eher für unwahrscheinlich.

Vielleicht dauert es aber auch viel länger, bis DLSS 3.0 kommt oder der Durchbruch bleibt gänzlich aus - oder AMD liefert eine unerwartet starke Antwort darauf. Schreibt gerne in die Kommentare, welche dieser Entwicklungen ihr für die Wahrscheinlichste haltet und was ihr generell über DLSS denkt.

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