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Adventskalender 2019

Seite 3: Saints Row 4 im Test - Ein Wahnsinnsspaß

Unschöne KI-K(r)ämpfe

Zwischengegnern fahren wir am Ende des Kampfes in den Leib. Zwischengegnern fahren wir am Ende des Kampfes in den Leib.

Schon in Saints Row: The Third haben wir bemängelt, dass Gegner teils untätig herumstanden und die Fahr- beziehungsweise Flug-KI mit Vorliebe dafür sorgte, dass sich Aliens wie Polizisten wie Passanten gerne mal gegenseitig über den Haufen fuhren. Saints Row 4 setzt da noch einen drauf - denn wir verspüren keine Besserung, sondern haben im Gegenteil den Eindruck, dass die Feinde noch dümmer geworden sind.

So verhaken sie sich gerne an Strommasten oder Zaunecken und lassen sich dann wehrlos abknallen, stehen bei wilden Feuergefechten ungerührt herum oder drehen sich gar von uns weg. Dazu knallen angreifende Raumgleiter schon mal im Flug zusammen und explodieren.

Zusammen mit dem Klonaussehen der menschlichen wie außerirdischen Bösewichter geht so ein Teil der Freude an den Superkraft-Kämpfen wieder verloren - auch wenn sie sich mit der Zeit ein Teil schön fließend steuern lassen, sowohl mit dem Gamepad oder mit Maus und Tastatur.

Ebenfalls nicht gebessert hat sich ein weiterer technischer Aspekt, nämlich die Grafik. So basiert Saints Row 4 nicht nur auf derselben Engine wie der dritte Serienableger, sondern bringt auch das Kunststück fertig, an einigen Stellen nochmal deutlich trister auszusehen. Wer bei der Hubschraubersequenz zum Beginn die »Bergwelt« im Hintergrund sieht, fürchtet fast, in der falschen Zeit gelandet zu sein.

In der 50er-Jahre-Welt erledigen wir die an Laternenmasten festhängenden Feindlaster mit der abgefahrenen Dubsteb-Kanone. In der 50er-Jahre-Welt erledigen wir die an Laternenmasten festhängenden Feindlaster mit der abgefahrenen Dubsteb-Kanone.

Nämlich im Jahr 2003 statt 2013. Ausgerechnet beim Spielbeginn eine der unansehnlichsten Landschaften der letzten Jahre zu präsentieren, zeugt entweder von Zeit- und Geldnot (was durch die zwischenzeitliche Pleite des ursprünglichen Publishers THQ nicht unwahrscheinlich ist) oder von Ignoranz gegenüber motivierendem Design.

Dazu sind wie schon beim Vorgänger die Texturschärfe sowie die Polygon- und Detailzahl bei Weitem nicht auf der Höhe aktuellen Schaffens - und Saints Row: The Third hat ja auch schon wieder knapp zwei Jahre auf dem Buckel. Saints Row 4 zeigt aber auch Stärken, darunter die Animationen, vor allem während der klasse inszenierten Zwischensequenzen, das halbwegs ordentlichen Schadensmodell der Autos und einige Explosionseffekte.

Lieber blind als taub

Kaum eine Blöße gibt sich der Titel hingegen beim Sound. Natürlich sind viele Klangeffekte ebenfalls wenig zeitgemäß, aber die ausgezeichneten Sprecher machen das wieder vergessen. Wenn sich Kinzie mit ihrem Hacker-Konkurrenten Matt Miller kabbelt, dann müssen wir ebenso genüsslich grinsen, wie wenn unsere KI-Drohne CID auf Partnersuche geht. Dazu kommt ein herrlich überheblicher Zinyak, der dem Alien-Zirkus eine erfrischende Persönlichkeit verleiht.

Wie in den Vorgängern erklingen allerdings sämtliche Stimmen ausschließlich auf Englisch, die deutsche Version bietet lediglich gut übersetzte Untertitel. Auf ähnlich hohem Niveau wie die Sprecher befindet sich auch wieder der grandiose Soundtrack.

Hier gibt´s Schießereien im Club zu »Insane in the Brain« von Cypress Hill, eine Raumschiff-Verfolgungsjagd zum beinahe peinlichen Eurodance-Hit »What Is Love« von Haddaway oder »Opposites Attract« von Choreographie-Ikone Paula Abdul. Dazu gesellen sich Klassiker von Blur, Thin Lizzy, Tchaikovsky oder Bizet.

Die Explosionen zählen noch zu den schöneren Effekten des Spiels. Die Explosionen zählen noch zu den schöneren Effekten des Spiels.

Zu nahezu jedem Song schillert entweder ein spielerischer Kommentar durch, so sieht die Raumschiffjagd wie billige Eurodance-Rendervideos der frühen 90er-Jahre aus, oder ein direktes Filmzitat herstellen, beispielsweise erinnert Beethovens Neunte an den Kubrick-Film Uhrwerk Orange).

Überhaupt verschießt Saints Row 4 wieder eine herrliche Kaskade an Zitaten aus Popkultur, Filmen, Büchern, Geschichte und Gesellschaft. So erinnert die Drohne CID an Wheatley aus Portal 2 und zitiert nebenbei die 2001-Fortsetzung 2010 (»Es ist alles voller Sterne«). Ein Textadventure wiederum fasst in einem Bild die gesammelten Werke Edgar Allen Poes zusammen, nur um kurz darauf den Comic-im-Comic »Tales of the Black Freighter« aus Watchmen zu persiflieren.

Ungeschnitten und kontrovers

Besonders interessant sind die vielen Bezüge zum Film Sie leben! von John Carpenter, der auf die Paranoia der amerikanischen Gesellschaft in der Reagan-Ära (!) anspielte und die (Alien-)Unterwanderung des gesellschaftlichen Zusammenhalts durch ungebremsten Konsum, Kapitalgier und Fernsehen thematisierte.

Und wer hat da mitgespielt? Na klar, Keith David, der Vizepräsident! Wer will, kann da eine Absicht der Entwickler herauslesen, muss aber nicht - Saints Row 4 bleibt auch dann genießbar, wenn man auf Anspielungen pfeift und sich einfach dem abgedrehten Humor hingibt.

So muss jeder Spieler für sich selbst entscheiden, ob er in den Anspielungen einen hintergründigen und aktuellen Kommentar auf die (amerikanische) Gesellschaft verstehen möchte, oder alles für eine geschmacklose Witzesammlung hält, in der man »nackte« Waffengewalt schon mal wörtlich nehmen und im Adamskostüm rumballern darf.

Die Matrix lässt grüßen: Im Architekten-Raum stellt uns Zinyak vor eine bescheuerte Wahl. Die Matrix lässt grüßen: Im Architekten-Raum stellt uns Zinyak vor eine bescheuerte Wahl.

Aber dass diese Auseinandersetzung überhaupt funktioniert, zeichnet Saints Row 4 in unseren Augen bereits aus. Denn zu oft verschenken Spiele das in ihnen schlummernde Themen- und Parodiepotenzial achtlos.

Über die comichaft überzogene, zum Teil aber rüde Gewaltdarstellung sollte sich ebenfalls jeder seine Meinung selbst bilden; ebenso, ob man den erneut zahlreichen Sex-Anspielungen und verkrampft verpixelten Nacktsequenzen etwas abgewinnen kann oder nicht. Hier bewegt sich Saints Row 4 in dem aus deutscher Sicht typisch US-amerikanischen Spannungsfeld zwischen tabuloser Brutalität und dem befangenen Umgang mit Sex.

Immerhin erscheint das Spiel im Gegensatz zu sämtlichen Vorgängern in Deutschland ungeschnitten, so dass hiesigen Spieler nicht zur Importfassung greifen müssen, wenn sie das Original erleben wollen.

Die Collector's Edition von Saints Row 4. Die Collector's Edition von Saints Row 4.

Die Collector's Edition
Die reguläre Verkaufsversion von Saints Row 4 kostet rund 50 Euro, die Erstauflage erscheint als »Commander in Chief Edition«. Die erweitert das Spiel um den Screaming-Eagle-Kampfjet, der Raketen aus seinen Klauen verschießt. Außerdem darf man im Spiel eine blau-weiß-rote Uncle-Sam-Uniform tragen und auf das »Merica Guns«-Paket zurückgreifen, das allerlei Miniguns, Flammenwerfer, Maschinengewehre und Raketenwerfer bringt.

Außerdem erscheint Saints Row 4 als Collector's Edition für rund 100 Euro, die in Deutschland exklusiv bei Amazon erhältlich ist. Wer sie dort nicht kaufen möchte, kann sie auch importieren, im Ausland heißt die Sammlerausgabe »Super Dangerous Wub Wub Collector's Edition«. Da Saints Row in Deutschland ungeschnitten erscheint, gehen wir davon aus, dass man auch internationale Versionen über einen deutschen Steam-Account aktivieren kann – ausprobiert haben wir das aber nicht. Der Inhalt der deutschen und der internationalen Collector's Edition ist gleich, neben allen Inhalten der »Commander in Chief Edition« enthält sie zusätzlich einen Nachbau der Dubstep Gun und eine Statue von Johnny Gat (den »Doomsday Button«).

Und dann wäre da noch die auf ein Exemplar limitierte »Super Dangerous Wad Wad Edition«, die unter anderem einen Weltraumflug und einen Toyota Primus enthalten soll. Wer die haben möchte, darf aber erst mal sparen, der Wert liegt bei einer Million US-Dollar. Uns würde ja mal interessieren, was passiert, wenn da tatsächlich jemand zugreift. Vermutlich kann man das Knallen der Sektkorken bei Publisher und Entwickler bis nach Feuerland hören.

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