Anfang der 60er Jahre steckte die Computertechnik noch in den Kinderschuhen. Der erste Raumflug von Juri Gagarin (1961) und auch die erste bemannte Mondlandung (1969) wurden mit Computern realisiert, die weniger Rechenpower hatten als jeder moderne Taschenrechner. Während heute fast jeder Haushalt über einen eigenen PC verfügt, waren solche Heimrechner damals noch Zukunftsmusik.
Die riesigen, tonnenschweren Rechner dieser Ära waren fast ausschließlich für Forscher und das Militär gedacht. Dass jemand darauf ein Spiel zu Unterhaltungszwecken entwickelte, war damals ein gänzlich neues Phänomen. Das erste Spiel dieser Art war Tennis for Two aus dem Jahr 1958.
Mit Spacewar! von 1962 machten die Videospiele dann einen weiteren wichtigen Fortschritt. Denn mit der Weltraum-Kampfsimulation schufen Software-Entwickler der amerikanischen Eliteuni MIT erstmals ein Spiel, das auch außerhalb einer einzelnen Forschungseinrichtung verfügbar war und weiterverteilt wurde. Allerdings war zum Spielen von Spacewar! ein Rechner nötig, dessen Preis nach heutigen Maßstäben astronomisch ist.
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Der PDP-1 (Programmed Data Processor-1) der amerikanischen Firma Digital Equipment Corporation war einer der ersten Minicomputer, der Anfang der 60er am Massachusetts Institute of Technology (MIT) installiert wurde. Nach heutigen Maßstäben war er zwar alles andere als mini; der Computerschrank brachte stolze 730 kg auf die Waage. Gegenüber den vorherigen Großrechnern stellte er jedoch eine enorme Verbesserung dar.
Angesichts der damals beachtlichen Leistung – 9,2 KB Arbeitsspeicher und CPU-Takt von 187 kHz – und beweglicher Grafik dank Oszilloskop-Anzeige kamen Studenten und Wissenschaftler schnell ins Staunen, was man mit diesem mächtigen neuen Spielzeug so alles anstellen könnte. Einer von ihnen, Steve Russell, nahm sich zuvor gelesene Science-Fiction-Romane zum Vorbild und begann Ende 1961 mit der Programmierung.
Ausflüchte, dass ihm wichtige Code-Zeilen für die Flugbahnen fehlten, ließen seine Kollegen nicht gelten und besorgten kurzerhand die nötigen Routinen. In rund 200 Arbeitsstunden stampfte Russell das Grundgerüst aus dem Boden, während andere Studenten das Spiel in echter Open-Source-Manier erweiterten.
So programmierte Peter Samson etwa einen realistischen Sternenhimmel, während Dan Edwards die physikalisch korrekte Gravitation einbaute. Einen Einblick in das Gameplay von Spacewar! und die damalige Grafik gibt euch das folgende Video:
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Das Spielprinzip von Spacewar! ist so simpel wie genial: Zwei Spieler steuern jeweils ein Raumschiff – »die Nadel« und »den Keil« – über einen zweidimensionalen Bildschirm. In der Mitte zieht die Schwerkraft eines Sterns die Schiffe unerbittlich an. Ihr müsst also nicht nur dem gegnerischen Beschuss ausweichen und eure begrenzten Torpedos und Treibstoffreserven klug einsetzen, sondern auch der Sonne fernbleiben.
Zur Steuerung bastelte Mitentwickler Bob Saunders sogar extra ein frühes Gamepad, da die Schalter am teuren Großrechner auf Dauer zu unhandlich waren. Wenn es brenzlig wurde, konnten Spieler per Knopfdruck in den »Hyperraum« springen – ein riskanter Zufallsteleporter, der das eigene Schiff bei zu häufiger Nutzung zerstörte.
Da Russell und sein Team an eine kommerzielle Vermarktung gar nicht dachten, gaben sie den Code kostenlos an jeden weiter, der danach fragte. Spacewar! ging in der Folge quasi viral. Selbst der Rechner-Hersteller DEC lieferte das Spiel bald mit jedem neuen PDP-1 als eine Art Hardware-Auslastungstest aus.
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An der Stanford University wurde der Titel so beliebt, dass er während der Arbeitszeiten verboten werden musste. Und an der Universität von Utah verbrachte ein junger Student namens Nolan Bushnell unzählige Stunden mit Spacewar!, bevor er später Atari gründete und Videospiele in die Wohnzimmer von Millionen Menschen brachte.
Um Spacewar! selbst zu spielen, hättet ihr damals allerdings ebenfalls einen PDP-1 gebraucht – und der war schon in den 60er Jahren keine billige Anschaffung. Rund 120.000 US-Dollar kostete der Computer damals; inflationsbereinigt entspräche das heute einem astronomischen Preis von 1,3 Millionen Dollar.
Die Anschaffung des Rechners für das MIT wurde damals vom US-Verteidigungsministerium unterstützt, da man den gefühlten technologischen Rückstand gegenüber der Sowjetunion im Wettlauf ins All aufholen wollte und daher massiv in die Entwicklung neuer Technologien investierte.
Wenn ihr auch einen PC für 1,3 Millionen Dollar haben wollt, dann fragt vielleicht einfach mal bei eurer Regierung an, ob sie euch das Teil sponsert ...
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