Star Wars gehört zu meinem Leben dazu, solange ich mich erinnern kann. Als Jahrgang '97er haben die Kino-Releases der Prequel-Trilogie meine Kindheit entscheidend geprägt. Und obwohl ich vor allem die Episoden 1 und 2 heute in einem deutlich kritischeren Licht sehe, haben mir die Prequels mit Darth Maul einen meiner absoluten Lieblingsschurken gegeben.
Zwar hat der geheimnisvolle Sith-Schüler in Episode 1 nur genau drei Dialogzeilen, doch das furiose Lichtschwertduell mit den beiden Jedi Obi-Wan Kenobi und Qui-Gon Jinn zu den Klängen von Duel of the Fates hat ausgereicht, um Maul zu einer festen Größe im Gedächtnis vieler Fans zu machen und selbst nach dessen Bildschirmtod die Fantasie der Fans zu beflügeln.
So gab es schon lange vor Mauls offizieller Rückkehr in den Star-Wars-Kanon mit der Animationsserie The Clone Wars Versuche, den wortkarge Schurken mit dem Doppellichtschwert in andere Settings und Epochen des Star-Wars-Universums zu verfrachten.
Ein Comic von 2001 ging nur zwei Jahre nach dem Kinostart von Die Dunkle Bedrohung der Frage nach, wer wohl gewinnen würde, wenn Darth Maul gegen Darth Vader antreten würde.
Der hypothetische Kräftevergleich zwischen den beiden beliebten Sith-Schülern beschäftigte Fans seit Jahren. Dank der brandneuen Animationsserie Maul: Shadow Lord gibt es auf diese Frage nun endlich eine Antwort; denn das Staffelfinale macht das Duell der beiden Sith zur kanonischen Realität. Und klärt dabei auch eindrucksvoll die Frage, wer der mächtigere Schurke ist.
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Maul: Shadow Lord - Im Finale der neuen Star-Wars-Serie legt sich der Sith im Alleingang mit einem AT-ST an
Doch obwohl die Fans im Netz begeistert auf das Staffelfinale reagieren, komme ich nicht umhin, mich zu fragen, ob dieses Duell wirklich nötig gewesen wäre.
Falls ihr die Serie bislang noch nicht gesehen habt, erfahrt ihr hier, worum es in Maul: Shadow Lord inhaltlich geht. Ich springe an dieser Stelle direkt zum großen Finale und das bedeutet für euch: Achtung, verschärfte Spoiler-Gefahr!
Was passiert im Staffelfinale?
Nachdem ihm die imperialen Inquisitoren auf Janix zunehmend auf die Pelle rücken, beschließt Maul (Sam Witwer), mithilfe des Verbrecherlords Dryden Vos vom Planeten zu fliehen. Um aus der vom Imperium abgeriegelten Hauptstadt zu entkommen, schließt sich der ehemalige Sith-Lord sogar mit den beiden untergetauchten Jedi Eeko-Dio Daki (Dennis Haysbert) und Devon Izara (Gideon Adlon) zusammen. Doch bei ihrem Fluchtversuch stellt sich dem ungleichen Trio mit Darth Vader ein mächtiger Feind in den Weg.
Nach einem filmreifen Intro des röchelnden Umhangträgers entspinnt sich im Staffelfinale ein erbarmungsloses Duell zwischen den Flüchtenden und Vader samt seinen Inquisitoren. Dabei zeigt sich schnell, dass Vader der deutlich mächtigere Krieger ist; er nimmt es mühelos mit Devon, Meister Daki und Maul gleichzeitig auf. Maul gerät während des Kampfes regelrecht in Angst und kann letztendlich nur entkommen, weil er Vader den älteren Daki regelrecht vor die Füße schubst.
Mit dem Duell der beiden ikonischen Schurken erfüllt Star-Wars-Boss Dave Filoni eine Prophezeiung aus dem gefeierten Serienfinale von The Clone Wars. Auf Mandalore sagte Ahsoka Tano Maul einst voraus, dass Anakin mit ihm kurzen Prozess machen würde. Eine Vorhersage, die sich nun in beeindruckender Weise erfüllt. Schon damals fürchtete Maul, was dank der Manipulation des Imperators aus dem jungen Skywalker werden würde - zu Recht, wie sich nun zeigt.
Ein unglaublich starkes Finale
Das Internet ist nach dem Staffelfinale voll des Lobes für die Verantwortlichen bei Lucasfilm. Mit dem Duell Maul vs. Vader haben die Star-Wars-Götter nicht nur einen lang gehegten Fan-Wunsch erhört; sie haben ihn obendrein auch noch verdammt gut umgesetzt. Vader wirkt in der Serie wie eine unaufhaltsame Bedrohung und sorgt sogar für einen regelrechten Jump-Scare wie in einem Horrorfilm.
Fans vergleichen seine Darstellung in Shadow Lord mit Vaders Auftritt im Spiel Jedi: Fallen Order. Auch hier gibt es keine Möglichkeit zu gewinnen; Flucht ist für Spieler die einzige Option.
Doch nicht nur Vaders Auftritt, sondern auch die Kampf-Choreografie und Synchronsprecherleistung vor allem von Devon-Darstellerin Gideon Adlon werden gelobt. Einzelne Bilder aus dem Finale könne man sich ausdrucken und an die Wand hängen; Devon hingegen höre man die Wut der Dunklen Seite bereits förmlich aus der Stimme triefen.
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Insgesamt handle es sich bei den letzten beiden Episoden um »ein unglaublich starkes Finale«, da sind sich die Kommentare auf Reddit und Twitter einig. Damit untermauert Maul: Shadow Lord erneut seinen starken Ruf.
Mit einem Score von derzeit 98 Prozent steht die Serie beim Kritikerportal Rotten Tomatoes derzeit sogar über der gefeierten Realserie Andor. Obwohl man hierzu fairerweise anmerken muss, dass Maul deutlich weniger Kritiken vorzuweisen hat als Andor und somit deutlich weniger Diversität bei den Reviews besteht.
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Großes Star-Wars-Kino mit Einschränkung
Auch für mich persönlich liefert Maul: Shadow Lord in seinem Staffelfinale ganz, ganz großes Star-Wars-Kino. So rasant und zugleich glaubhaft wuchtig waren Lichtschwert-Duelle seit Langem nicht inszeniert. Die Choreografie des Duells mit den Inquisitoren ist atemberaubend schnell; der Kampf mit Vader macht dagegen ab der ersten Minute klar: Hier steht alles auf dem Spiel.
Auch der Look der Serie allgemein versprüht jede Menge Atmosphäre und ist für mich der heimliche Star von Shadow Lord. Mit ihrem aquarellhaften Zeichenstil und den gemalten Hintergründen zitiert die Serie gekonnt die klassische Trilogie und kommt dem Look der Hitserie Arcane verdammt nahe. Denke ich an den Clone-Wars-Film von 2008 zurück, wird mir mit einem wohligen Schaudern klar, welch weiten Weg die Animationsserien im Star-Wars-Universum in den letzten gut 20 Jahren zurückgelegt haben.
Halten wir also fest: Von Atmosphäre, über Kämpfe, bis hin zur Kamera- und Sound-Arbeit ist bei Maul: Shadow Lord fast alles perfekt. Einzige Einschränkung ist aus meiner Sicht ausgerechnet die Story der Serie. Denn letztendlich frage ich mich nach dem Finale, ob das Duell mit Vader wirklich nötig gewesen wäre.
Denn aus meiner Sicht war die Serie auch ohne den ikonischen Schurken als Spannungstreiber bereits packend genug. Wieder einmal beweisen die aktuellen Star-Wars-Schreiber bei Disney damit, dass ihnen der Mut fehlt, eine eigene Geschichte mit unverbrauchten Charakteren zu erzählen - Kollege Dimi hat dazu vor einigen Tagen sogar eine eigene Kolumne geschrieben.
Statt eine neue Ära im Star-Wars-Universum aufzumachen, greift Maul in die selbe ausgetretene erzählerische Lücke zwischen der klassischen und der Prequel-Trilogie, die wir bereits mehrfach in Serien gesehen haben und bedient sich mit Maul und Talon/Devon sogar an Story-Ideen, die noch von George Lucas persönlich stammen.
Das muss nicht jeder schlecht finden. Die Serie setzt ihre Storyfäden schließlich hervorragend um, insgesamt ist die übergeordnete Handlung jedoch ein wenig ideenlos. Mit diesem Problem kämpft Star Wars aber im Grunde seit Jahren: Gut funktionierende Settings und beliebte Figuren werden einfach immer wieder recycelt.
Im Fall von Darth Maul gelingt das überwiegend gut; im Fall von Boba Fett hat es Disney damit geschafft, einen ikonischen Schurken regelrecht an die Wand zu schreiben. Und von der umstrittenen Rückkehr des Imperators in den Sequels will ich gar nicht erst anfangen ...
Was spräche denn dagegen, auch im Star-Wars-Universum, die Toten einfach mal tot sein zu lassen - egal, wie viel unausgeschöpftes Storytelling-Potenzial die betreffenden Figuren vermeintlich noch bieten? Aber dann hätte auch Maul nach seinem Ableben in Episode 1 niemals zurückkehren dürfen und wir hätten auch diese geniale Serie nicht bekommen. Hach, es ist nicht leicht, ein Star-Wars-Fan zu sein.
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