So anders wäre Star Wars von Visceral gewesen - Ex-Entwicklerin über Unterschiede zu Star Wars Jedi: Fallen Order

2017 stellte EA ein Star-Wars-Spiel ein, weil die Fans angeblich keine Solo-Abenteuer wollten. Nun kommt Jedi: Fallen Order, ein Solo-Abenteuer. Uncharted-Erfinderin Amy Henning erklärt nun, was für ein Spiel wir 2017 verpasst haben.

Von Michael Herold | Datum: 16.04.2019 ; 13:56

Gerade ist zwar der erste offizielle Trailer zu Star Wars Jedi: Fallen Order in aller Munde, lasst uns aber trotzdem kurz an ein altes Krieg-der-Sterne-Abenteuer zurückdenken - eines, das wir nie zu Gesicht bekommen werden.

Denn bevor EA und Respawn mit Fallen Order um die Ecke kamen, befand sich vor nicht allzu langer Zeit, in einer nicht allzu fernen Galaxis ein anderes (rein auf Singleplayer ausgelegtes) Star-Wars-Spiel in Entwicklung: das 2017 eingestellte Actionspiel von Visceral Games.

EA scheint sich selbst zu widersprechen: Damals hieß es noch, dass ein »Story-getriebenes, lineares Abenteuerspiel« die Fans nicht langfristig begeistern könne. Nun versucht EA mit Jedi: Fallen Order aber genau das. Wie passt das zusammen?

Strategie-Wechsel bei EA

Genau diese Frage hat vor Kurzem die ehemalige Chefentwicklerin von Visceral Amy Henning (auch als Uncharted-Erfinderin bekannt) gegenüber Eurogamer beantwortet. Im Interview erklärt Henning, dass es schon viel Hin und Her rund um die Entwicklung gegeben habe, als Visceral noch mit EA zusammengearbeitet hat.

Dann kam die Entscheidung, das Spiel (das übrigens unter dem Projektnamen »Ragtag« bearbeitet wurde) einzustellen und auch seitdem habe sich in der Videospielindustrie und auch bei Electronic Arts viel geändert:

Dinge ändern sich eben. Die Entscheidung, Projekt Ragtag einzustellen, wurde im Sommer 2017 getroffen. Wir haben es im Oktober 2017 erfahren. Seitdem sind also fast schon wieder zwei Jahre vergangen und in dieser Zeit hat sich viel verändert. Es gab etwa einen öffentlichen und sehr lautstarken Protest gegen die Idee, dass die Spieler keine reinen Singleplayer-Titel ohne alle möglichen Extra-Modi mögen würden. Natürlich tun sie das, natürlich tun wird das. Vielleicht zeigt sich nun also nur, dass EA seine Strategie mal wieder gewechselt hat.

Video: EA schließt Visceral Games - Video: Von wegen »Singleplayer ist tot«!. Zum Anschauen des Videos auf GameStar.de einfach auf das Bild klicken.

Respawn Entertainment hätte nun aber einen Vorteil: Große Teile der Entwicklung von Star Wars Jedi: Fallen Order waren bereits weit vorgeschritten, bevor Electronic Arts den Titel erworben hat.

Zudem würde gerade Resapwn-Chef Vince Zampella dafür sorgen, dass die Interessen und Ideen der Entwickler geschützt und nicht einfach von EA überstimmt würden.

Was für ein Spiel hatte Visceral geplant?

Laut May Henning hätte das Visceral-Star-Wars-Spiel nicht nur einen einzelnen Helden gehabt, wie es nun bei Fallen Order mit dem Padawan Cal Kestis der Fall sein wird, sondern mehrere Protagonisten. Damit hätten die Entwickler dem klassischen Schema der alten Trilogie rund um den Krieg der Sterne treu bleiben wollen.

Henning vergleicht Star Wars mit Indiana Jones: Indy sei ein Solo-Held, dessen Abenteuern immer aus seiner Perspektive erzählt würden.

Bei Star Wars dagegen steht dagegen ein ganzer Cast an Figuren im Vordergrund, sowohl von der guten (Luke, Han, Leia) als auch von der bösen Seite (Darth Vader). Hennig erklärt:

Das bedeutet, dass wir nicht nur eine ausgezeichnete KI für diese Charaktere benötigten, damit sie wie ein eingespieltes Team funktionieren können, besonders wenn die Crew Schiffe kapert. Wir brauchten auch spielbare Figuren für parallel laufende Sequenzen, denn so funktioniert Star Wars. Du erreichst deine Ziele nur durch Teamwork oder gleichzeitiges Vorgehen oder beides. Wir haben damals immer die Flucht vom Todesstern als perfektes Beispiel dafür herangezogen.

Gemeint ist damit offensichtlich die Szene am Ende von Episode 4. Dort müssen Luke, Leia, Chewie und Han durch den Müllschlucker aus dem Gefängnistrakt fliehen, um zum Rasenden Falken zu gelangen. Parallel müssen C3PO und R2-D2 den Müllschlucker aufhalten und Türen öffnen. Und Obi-Wan Kenobi beschützt alle anderen auch noch, indem er Darth Vader in einen finalen Kampf verstrickt.

Nach diesem Vorbild hätten wir in dem Visceral-Spiel offenbar ebenfalls parallel laufende Missonen erledigen müssen. Weil es ein Solo-Abenteuer werden solle, hätten wir dazu vermutlich ständig die spielbare Figur und die Szenerie gewechselt. Jedi: Fallen Order dürfte dagegen deutlich geradliniger verlaufen und nur Cal Kestis folgen.

Zuletzt erwähnt Amy Hennigs noch, dass sie zu Beginn ihrer Arbeit an Projekt Ragtag die geplante Roadmap von Lucasfilm zu sehen bekam. Zu diesem Zeitpunkt waren Dinge wie die Episoden 7 bis 9 oder die Anthology-Filme Rogue One und Solo noch streng geheim. Das damals noch geplante Visceral-Spiel hätte ebenso ein Teil des neuen Canons werden sollen.

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Video: Star Wars: Jedi Fallen Order - Vorschau-Video zum Singleplayer-Traum. Zum Anschauen des Videos auf GameStar.de einfach auf das Bild klicken.

78 Kommentare

SirThomas
vom 17.04.2019, 09:13 Uhr

Laut Text: respawn hatte ein SW Spiel in der Mache, dass dann von Ea gekauft wurde? Ich dachte nur EA hat die Lizenz für Star Wars?

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