Supergirl, Supergirl, SUPERGIRL! Hätten meine Kollegen für jedes »Supergirl« aus meinem Mund einen Euro bekommen, würden sie jetzt auf einer Jacht in der Karibik liegen – und nicht hier mit mir im heißen Büro sitzen.
Ich habe mich vielleicht ein kleines bisschen auf den neuen DC-Film gefreut. Doch diese Euphorie verflog nach dem Kinobesuch erstaunlich schnell. Ich bin zwar nicht von Wolke sieben gefallen und auf dem Boden aufgeklatscht wie ein nasses Stück Pizzateig, aber so ein kleiner Fall auf Wolke vier ist es schon.
Ich habe mir von Supergirl deutlich mehr erhofft. Auch wenn mich der Film an manchen Stellen wirklich bis ins Mark trifft, gibt es doch einige wichtige Punkte, die das Abenteuer für mich verwässern.
Mein erster Eindruck von Supergirl
Supermans Cousine Kara Zor-El alias Supergirl (Milly Alcock) ist eine Partymaus. Die durchzechten Nächte und der viele Alkohol dienen jedoch einem Zweck: Kara möchte ihre traumatische Vergangenheit vergessen. Mit 14 Jahren musste sie nämlich ihren sterbenden Heimatplaneten Krypton und alles, was ihr heilig war, zurücklassen.
2:11
Supergirl: Im finalen Trailer macht Kara auf John Wick und zeigt den Bösen, was passiert, wenn man ihren Hund angreift
Anders als Clark möchte sie keine strahlende Heldin sein und versprüht auch keinen grenzenlosen Optimismus. Ihren inneren Schmerz versteckt Kara unter einem dicken Schutzpanzer aus Humor.
Milly Alcock ist die perfekte Besetzung für die ambivalente Figur. Sie kann sowohl die coole »Mir-ist-alles-egal-Attitüde« als auch die herzzerreißenden Blicke in ihre Vergangenheit überzeugend darstellen. Damit treibt sie mir auch öfter Tränen in die Augen, als mir lieb ist. Immerhin saß ich neben meinem Chef und da wollte ich nicht unbedingt Rotz und Wasser heulen. Noch spannender wird es allerdings, wenn Ruthye (Eve Ridley) ins Spiel kommt.
Das 13-jährige Mädchen überrascht Kara mit einem Mordplan: Krem of the Yellow Hills (Matthias Schoenaerts) – der Anführer der Piraten-Bande »Brigands« – brachte ihre gesamte Familie um und dafür will sie sich jetzt rächen.
Und obwohl Kara mindestens genau so viel Wut in sich trägt wie Ruthye setzt sie alles daran, zu verhindern, dass das junge Mädchen ihren Plan durchsetzt. Denn es würde nichts an dem tiefen Schmerz ändern. Ob es ihr am Ende gelingt, verrate ich euch natürlich nicht.
Bösewicht und Soundtrack – das geht besser!
Wenn sich Kara und Ruthye nicht gerade durch eine Bar voller gesetzloser Halunken kloppen, jagen sie Krem durch die Galaxis hinterher. Der Oberschurke hinterlässt allerdings keinen bleibenden Eindruck und hätte durch jeden beliebigen Antagonisten ersetzt werden können.
Mich erinnert er von der Gestik her an Jack Sparrow und mein Kollege Dimi – der mit mir im Kino saß – musste sofort an Kurgan aus Highlander denken. Krem bringt einfach keine eigene Persönlichkeit mit. Das Einzige, was ihn ein bisschen herausstechen lässt, ist sein verändertes Aussehen im Vergleich zum Comic. Im Film klirren Piercings an seinen Augen/Ohren/Nase/Bauchnabel und er trägt eine kybernetische Rüstung. Mehr als ein auffälliges Aussehen hat er aber nicht zu bieten.
Was ebenfalls nicht heraussticht, ist der Soundtrack – und das tut mir als lebende Jukebox am meisten weh. Aus nahezu jedem Film – egal welches Genre – gehe ich mit mindestens vier neuen Songs für meine Playlist nach Hause. Hier gibt’s tatsächlich nicht einmal das perfekt passende Trailer-Lied »Call me« von Blondie auf die Ohren.
In den Actionszenen geht es dank cooler Choreos gut ab. Doch Supergirl kann noch so viele Briganten durch die Gegend schleudern, es ist nicht dasselbe ohne einen richtig fetzigen Rock-Song. Gerade Supergirl, die am liebsten mit ihrem fast 20 Jahre alten iPod herumläuft und hier quasi als Pendant zum marvelschen Musikliebhaber Star-Lord etabliert wird, hätte einen besseren Soundtrack verdient.
Für wen lohnt sich der Kinobesuch überhaupt?
Ich hatte mit Supergirl trotzdem meinen Spaß. Die Geschichte hat mich emotional abgeholt und an der Haltestelle »Taschentuch« wieder abgesetzt. Für eine lang anhaltende Euphorie-Welle – wie bei Superman – hat es letztendlich aber nicht gereicht.
Wenn ihr düstere und epische Weltraum-Abenteuer mit tiefgründigen Figuren liebt und/oder Comic-Fans seid, dann wird sich ein Kinobesuch für euch lohnen. Braucht ihr unbeschwerte und seichte Geschichten, die eher nur auf Humor bauen, solltet ihr vielleicht die Finger von Supergirl lassen.
Vielleicht noch wichtig zu wissen: Für Supergirl müsst ihr den ersten Film des neuen DC-Universums Superman nicht zwangsläufig gesehen haben – es ist aber natürlich ratsam. Allein schon, um sich ein besseres Bild vom neuen Man of Steel David Corenswet zu machen, der kleinere Gastauftritte im neuen Leinwand-Abenteuer hat. Da Kara in Clarks Solo-Film aber nur am Ende kurz auftaucht, habt ihr – was sie betrifft – dort kaum etwas verpasst.
Worüber ich sonst noch reden möchte
- Ihr habt doch alle drauf gewartet: Jason Momoa ist ein fantastischer Lobo. Bereits in einem vergangenen Interview enthüllte der 46-jährige Schauspieler, dass der Kopfgeldjäger seine allerliebste DC-Figur ist. Dementsprechend erfüllt sich für Momoa mit der Rolle ein absoluter Lebenstraum. Schon jetzt kann ich mir niemand anderen als Lobo vorstellen, denn sein Aussehen, das raue Lachen und die harte, wenn auch leicht trottelige Art des Söldners ist einfach perfekt dargestellt. Mal ganz davon abgesehen, wie elegant Lobo mit seinem Motorrad in einen Kampf gleitet!
- Die Geschichte von Krypton ist so emotional wie selten zuvor: Die Zerstörung habe ich schon etliche Male in diversen Live-Action-Verfilmungen wie Man of Steel oder Superman & Lois gesehen. In Supergirl hat mir das Eintauchen in Karas Erinnerung jedoch die Tränen in die Augen getrieben. Denn obwohl Krypton wunderschön aussieht, ist die Atmosphäre düster, bedrückend und hoffnungslos. Als würden die Bewohner längst in einem Sarg leben, der jeden Moment unter der Erde landet.
- Der Comic wurde sinnvoll umgesetzt: Was die grobe Handlung und die meisten Schauplätze betrifft, hält sich der Film an seine Vorlage Supergirl: Woman of Tomorrow. Jedoch mussten natürlich auch einige grundlegende Veränderungen vorgenommen werden: Die Weltraumreise ist deutlich kürzer (manche Stopps fallen aus), das Finale ist weniger philosophisch und moralisch tiefgründig und Ruthye fungiert nicht als Erzählerin. Diese Anpassungen tun der Heldenreise jedoch keinen Abbruch – auch wenn es spannend gewesen wäre, die Geschichte aus Ruthyes Perspektive auf der Leinwand zu erleben.
- Ruthye kommt zu kurz: Im Comic mag ich Ruthyes Erzählweise sehr gerne, denn entgegen ihres jungen Alters spricht sie wie eine alte Frau, die ein legendäres Abenteuer-Epos erzählt – also übertrieben formell und poetisch. Aber gerade das macht sie so charmant. Im Film fehlt diese Perspektive komplett und so wirkt Ruthye als Figur längst nicht mehr so spannend. Auch wenn mit einigen Dialogzeilen versucht wird, diese Identität auch in Supergirl herzustellen, gelingt es nicht wirklich.
Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.
Dein Kommentar wurde nicht gespeichert. Dies kann folgende Ursachen haben:
1. Der Kommentar ist länger als 4000 Zeichen.
2. Du hast versucht, einen Kommentar innerhalb der 10-Sekunden-Schreibsperre zu senden.
3. Dein Kommentar wurde als Spam identifiziert. Bitte beachte unsere Richtlinien zum Erstellen von Kommentaren.
4. Du verfügst nicht über die nötigen Schreibrechte bzw. wurdest gebannt.
Bei Fragen oder Problemen nutze bitte das Kontakt-Formular.
Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.
Nur angemeldete Plus-Mitglieder können Plus-Inhalte kommentieren und bewerten.