Gemeinsam allein
Die nächste Besonderheit, mit der sich Temtem abheben will, ist der MMORPG-Aspekt. In der Alpha konnten wir bereits andere Trainer und auch deren Temtems, die ihnen brav folgen, sehen. Dadurch wirkt die Spielwelt belebter als in Pokémon, großartige spielerische Auswirkungen hat das allerdings nicht.
Zwar könnt ihr so nach Kampf- oder Tauschpartnern suchen, bei unserem Testen waren die Spieler allerdings noch eher mit der Story oder dem Fangen der Monster beschäftigt. Echte Interaktion wie bei anderen Genre-Vertretern blieb damit, abseits des Chats, aus. Es gibt keine Quests, die ihr gemeinsam erledigen könnt, wodurch Gruppenspiel keinen großen Stellenwert einnimmt.
In Zukunft will der Entwickler das Spiel noch um eine kooperative Komponente erweitern. Dann sollt ihr zusammen mit einem Freund losziehen können und nicht nur gemeinsam die Welt erkunden, sondern auch zu zweit Kämpfe gegen die NPCs bestreiten können. In so einem Feature ist wiederum ein echter Mehrwert erkennbar. In der von uns gespielten Version ist das allerdings noch nicht enthalten.
Sammeldrang mit Nostalgie
Das Spielgefühl von Temtem fängt das der Pokémon-Serie gut ein. Das verdankt der Titel von Crema-Games vor allem dem guten Monster-Design, das auch dazu motiviert jedes Temtem hochzuleveln, nur um die Entwicklungsstufen zu sehen. Man will herausfinden, welche Attacken sie lernen und was sie können. Freut sich über Begegnungen mit noch unbekannten Monstern und ist begeistert, wenn ein seltenes auftaucht und man dieses fangen kann. Wer Pokémon spielte, wird sich glatt in seine Kindheit zurückversetzt fühlen.
Derzeit gibt es jedoch noch ein Problem mit dem Balancing: Elektro-Temtem sind derzeit zu stark. Im Alpha-Gebiet ist so ziemlich alles gegen Elektro-Attacken anfällig, was ihr finden könnt. Und wer zu Beginn nicht gerade das Kristall-Temtem ausgewählt hat, wird es schwer haben, einen guten Konter zu finden. Das ist demotivierend, weil wir den Grund für unsere Niederlagen zwar verstehen, abseits von Grinding allerdings nichts daran ändern können.
Hier sollte Entwickler Crema definitiv noch einmal Hand anlegen, oder besser kommunizieren, dass die Auswahl des Starters den Schwierigkeitsgrad für die erste Insel bestimmt. Eventuell wird das Problem aber schon allein durch den Einbau sämtlicher Monster behoben. Denn in der Alpha gab es nur etwa um die 30 Temtem.
Idylle mit Geheimnissen
Die Spielwelt von Temtem mit seinem knuddeligen Comic-Stil sieht wundervoll aus und fühlt sich lebendig an. Hier wiegen sich Gräser und Bäume im Wind, am Strand brechen sich die Wellen und von hohen Bergen aus sehen wir im Hintergrund andere Spieler, die sich bereits in Gebieten aufhalten, die wir selbst noch nicht erreicht haben.
Die Welt als solche wirkt sehr offen. Und während wir uns zu Beginn noch an einer scheinbaren Linearität stören, ändert sich das, nachdem wir endlich unser Surfbrett erhalten. Dann eröffnen sich uns neue Wege und wir entdecken neben optionalen Kämpfen, Quests und Verstecken mit Items gar ein Easteregg: Einen verlassenen Truck, unter dem sich einem NPC zufolge etwas bewegt hat.
Eine Anspielung auf Mew aus Pokémon. Das lädt zum Erkunden der Spielwelt ein. Zudem sehen wir bereits weitere Gegenden, die wir allerdings nur mit Kletterausrüstung erreichen können. Die haben wir noch nicht, wollen sie jetzt aber unbedingt finden! Wer weiß, was wir so noch entdecken können!
Wie auch sein großes Vorbild hat Temtem eine Reihe relativ merkwürdig anmutender Konversationen. Temtem hält sich hier häufig allerdings nicht mit Einzeilern auf, sondern gibt euch Gesprächsoptionen. Und die hinterlassen teils einen komischen Nachgeschmack: Immer und immer wieder dürfen wir in Gesprächen die Konfrontationen scheinbar verweigern. Nur ändert unsere Auswahl nichts daran, dass wir uns dennoch mit einem Tamer anlegen müssen. In manchen Situationen macht das Sinn, an anderer Stelle wirkt es etwas komisch.
Ein Beispiel: Wir sind gerade das erste Mal auf die böse Verbrecherorganisation namens Clan Belsoto gestoßen und versuchen, deren finstere Machenschaften in einer alten Ruine zu stören. Hier treffen wir auf andere Tamer, die sich von den Gangstern bedroht fühlen. In einem Gespräch erzählen diese uns, wie sie gerne aus der Höhle entkommen wollen, aber zu sehr von den Mobstern eingeschüchtert sind. Deshalb wollen sie zur Beruhigung einfach mal kämpfen. Dem können wir zustimmen oder nicht. Doch unsere Auswahl ändert nichts daran, dass wir nun gegen den verängstigten Tamer antreten müssen.
Ein guter Start, nun muss der Content folgen
Trotz der kleineren Schwächen macht die Alpha bereits jetzt Spaß und lässt auch für die Zukunft positives hoffen. Was - verständlicherweise - noch fehlt, ist der Content. Ganze sechs Gebiete plant der Entwickler derzeit. In der Alpha können wir bisher nur das erste, Deniz, erkunden und waren damit bereits mehr als 10 Stunden beschäftigt.
Wenn die nächsten Gegenden noch ein wenig umfangreicher sind und auch alle der insgesamt etwa 160 geplanten Monster eingebaut sind, dann hat Temtem auf jeden Fall das Potential, eine echte Pokémon-Alternative zu werden.
Der geplante Release ist derzeit Mai 2020. Die Early Access-Phase soll acht Monate eher, also im September 2019, anfangen. Zeit hat Entwickler Crema also genug. Doch um sich gegen Nintendos Erfolgsmarke durchsetzen zu können, die nicht nur ein solides Gameplay, sondern auch noch die Nostalgie vieler Spieler im Rücken hat, müssen sie diese gut ausnutzen.
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