Jetzt mit Plus alles auf einer Seite lesen

Jahres-Abo
4,99€

pro Monat

12 Monate

Günstigster Preis
Zugang zu allen exklusiven Artikeln, Videos & Podcast-Folgen
Werbefreiheit auf GameStar.de & GamePro.de
Auf geht's
Quartals-Abo
5,99€

pro Monat

3 Monate

14% gegenüber Flexi-Abo sparen
Zugang zu allen exklusiven Artikeln, Videos & Podcast-Folgen
Werbefreiheit auf GameStar.de & GamePro.de
Auf geht's
Flexi-Abo
6,99€

pro Monat

1 Monat

Monatlich kündbar
Zugang zu allen exklusiven Artikeln, Videos & Podcast-Folgen
Werbefreiheit auf GameStar.de & GamePro.de
Auf geht's

The Wanderer: Frankenstein's Creature im Test: Wenn Leid zu Kunst wird

In The Wanderer: Frankenstein's Creature erleben wir die bedrückende Geschichte von Mary Shelley aus der Sicht der verstoßenen Kreatur.

von Gloria H. Manderfeld,
13.01.2020 12:22 Uhr

The Wanderer: Frankenstein's Creature adaptiert den Literaturklassiker als Spiel. The Wanderer: Frankenstein's Creature adaptiert den Literaturklassiker als Spiel.

In den ersten Augenblicken von The Wanderer: Frankenstein's Creature schmerzt grelles Licht in unseren Augen. Wo sind wir? Wer sind wir? Warum sind wir an diesem Ort? Nur mühsam tasten wir uns durch die Schemen vorwärts, erahnen Umrisse. Fast stürzen wir einen langen Gang herab, stehen danach umgeben von wohltuendem Grau in Grau.

Es ist wohl ein Zimmer, doch der Sinn dieses Raums bleibt uns verborgen. Wir tasten über seltsame Formen und Gegenstände. Erst als wir das Gebäude verlassen und süß duftende Luft einatmen, erahnen wir die mögliche Schönheit unserer Existenz. Doch unsere ersten Erfahrungen mit der üppigen, friedlichen Natur werden bald vom Kontakt mit den Menschen überschattet - und deren Abscheu vor einer Kreatur, die sie nicht begreifen können ...

Persönlichkeit statt Monster

Fast jeder kennt heute die Geschichte von Frankenstein, dem genialen Forscher und seiner Kreatur. Viele der aktuelleren Darstellungen von Frankensteins Monster in der Popkultur konzentrieren sich aber nur auf den Aspekt eines scheußlichen, brutalen Unholds, ohne den zugrunde liegenden Entwicklungsprozess wirklich zu beleuchten. Das von ARTE France finanzierte Spiel The Wanderer: Frankenstein's Creature hält sich jedoch nahe an den Originaltext der britischen Schriftstellerin Mary Shelley aus dem Jahr 1818. Der sieht das neu geschaffene Wesen eben nicht nur als Monster, sondern als intelligente, lernfähige Persönlichkeit, die durch ihren Kontakt mit einer ablehnenden Umgebung geformt wird.

Anders als in der Romanvorlage konzentriert sich das Spiel aber allein auf den Erlebnishorizont der Kreatur: Zunächst trifft sie auf eine Welt, die sie noch nicht versteht und erforscht diese so naiv und unvorbelastet wie ein Kind. Je mehr Frankensteins Schöpfung von ihrer Umwelt erfährt, desto mehr Farben erstrahlen auf unserem Bildschirm - ähnlich wie beim Selbsterkenntnis-Hüpfspiel Gris.

An manchen Stellen der durch unvertonte Textfragmente erzählten Geschichte treffen wir Entscheidungen, die das kommende Geschehen leicht beeinflussen und den Charakter unserer Kreatur formen. Auch auf den Screenshots ist zu erkennen, wie die Welt mit der Zeit immer farbenfroher wird, je mehr wir lernen:

The Wanderer: Frankenstein's Creature - Screenshots ansehen

Zwischen Hass und Einsamkeit

Es liegt ganz bei uns, welche Lehren wir unser Wesen aus den Erlebnissen ziehen lassen und welches der vier Enden wir erreichen. Soll unsere Kreatur zum Menschen angreifenden Unhold werden, weil uns diese ja doch nur immer wieder zurückweisen und verfolgen? Oder übt sich unser Alter Ego in christlicher Vergebung und Nächstenliebe, obwohl die Umgebung davon nichts zurückgibt?

Auf der langen Suche nach seinem Erschaffer trifft Frankensteins Schöpfung auf viele Motive des Romans und setzt sich mit diesen auseinander: Wir lassen die Kreatur eine Bauernfamilie beschützen, suchen für sie nach einer Gefährtin und müssen vor einem wütenden Mob flüchten. Die alles umfassende Einsamkeit und das daraus resultierende Leid der Kreatur wirkt gerade durch die auf Textfragmente, farbenprächtige Bilder und stimmungsvolle Musik reduzierte Erzählweise besonders eindringlich. Sie lässt uns genug Raum für unser eigenes Kopfkino und damit einen persönlichen Zugang zur Lage eines Wesens, das sich in einer kalten Welt verzweifelt nach Zuneigung und Anteilnahme sehnt.

Geschickt werden Schlüsselmomente durch die Farbgestaltung herausgehoben. Besonders stark wirken Augenblicke, in denen wir mitsamt der Kreatur Hoffnung schöpfen und sie in einer bunten, positiven Szenerie friedlichen Kontakt zu unvoreingenommenen Personen findet. Der unweigerlich folgende emotionale Absturz bei einer Enttäuschung wird danach umso schmerzhafter.

Wir entscheiden, wie unser Monster mit dem wütenden Mob umgeht. Wir entscheiden, wie unser Monster mit dem wütenden Mob umgeht.

1 von 4

nächste Seite


zu den Kommentaren (8)

Kommentare(8)

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.