DrLupo ist von Twitch kaum wegzudenken. Seit Jahren steht der amerikanische Streamer sinnbildlich für alles, was die Szene positiv macht: bodenständig, engagiert, wohltätig. Er hat mit Charity-Streams Millionen für krebskranke Kinder gesammelt, war Stammgast bei großen Shooter-Events und galt als eine der letzten unanfechtbaren Streaming-Ikonen.
Doch ausgerechnet dieser Vorzeige-Streamer sorgt jetzt für einen der größten Cheating-Skandale der vergangenen Jahre – und das ausgerechnet im vermeintlich harmlosesten Spiel überhaupt: Schach.
Streamer wird in Minuten zum Schach-Genie
DrLupo, mit bürgerlichem Namen Benjamin Lupo, nahm bei PogChamps 6 teil – einem Schachturnier, bei dem Streamer und Promis um 100.000 Dollar Preisgeld spielen. Die Regeln sind klar: Keine Hilfsmittel, nicht in den Chat gucken und erst recht keine Schach-Engines verwenden.
Im Match gegen den YouTuber WolfeyVGC, einen 1340-Elo-Spieler, leistete sich DrLupo einen klassischen Anfängerfehler: Er verlor seine Dame gleich zu Spielbeginn. Doch anstatt wie ein typischer Anfänger zu verzweifeln, spielte er plötzlich Zug um Zug auf Weltklasse-Niveau – und das, nachdem er zuvor noch mit den Grundregeln des Spiels gehadert hatte.
Die Zuschauer rochen sofort Lunte: Wie kann jemand, der eben noch keine zwei Züge vorausdenken konnte, plötzlich mit solch einer Präzision agieren und einen fast unmöglichen Rückstand aufholen?
PLUS
20:31
DevPlay: Wie wichtig ist Twitch für Spieleentwickler?
Reddit-User analysierten daraufhin jede Kopfbewegung, jede Mausbewegung, jedes Zögern.
Besonders auffällig: DrLupo schaute während kritischer Phasen immer wieder auf seinen zweiten Monitor – für die Hobbydetektive ein klares Indiz, dass er sich externe Hilfe holte.
Die Züge, die er spielte, entsprachen exakt denen, die eine Schach-Engine wie Stockfish in derselben Situation empfohlen hätte. Und das über eine Serie von Zügen hinweg, die für einen Anfänger schlicht unmöglich zu finden sind.
Erst geleugnet, dann die komplette Beichte
Zunächst versuchte DrLupo, die Vorwürfe kleinzureden: Er habe nur den offiziellen Stream des Events auf dem zweiten Monitor verfolgt und deshalb seinen Kopf bewegt. Doch die Community ließ nicht locker, die Indizien wurden erdrückend.
Als der Druck stieg und Veranstalter Chess.com ihn offiziell wegen einer Verletzung des Fair Plays aus dem Turnier warf, ruderte DrLupo zurück. Auf X (ehemals Twitter) erklärte er, er habe beim Schauen des Streams auch unbeabsichtigt Zugvorschläge aus dem Chat gesehen, die ihm einen unfairen Vorteil verschafft hätten.
Das sei sein Fehler, und deshalb wolle er das Turnier freiwillig verlassen – was prompt von Chess.com als er wurde rausgeworfen, er ist nicht freiwillig gegangen
, gekontert wurde.
Link zum Twitter-Inhalt
Doch damit nicht genug: Die Community ließ nicht locker, und die Beweise für Engine-Züge waren erdrückend. Erst als der Druck zu groß wurde, gestand er, dass die makellosen Züge unmöglich allein aus dem Chat stammen konnten und er tatsächlich eine Engine genutzt hatte:
Ich habe das Vertrauen der Schach-Community und meines Chats verraten. Ich habe Wolfey direkt angelogen. Ich bin in Panik geraten und habe doppelt gelogen. Es ist einfach nur peinlich.
Wie geht es nun weiter?
In der Folge des Skandals kocht die Diskussion in der Community hoch und viele sind sich einig: Cheaten ist nicht nur unsportlich, sondern verstößt auch ganz klar gegen die Nutzungsbedingungen von Twitch.
Auch für seinen Versuch, mit Halbwahrheiten davonzukommen, wird er von den Zuschauern kritisiert:
Selbst nachdem er erwischt wurde, war er nie daran interessiert, offen und 100 Prozent ehrlich zu sein, sondern hat ständig darüber nachgedacht, was er ungestraft verschweigen und wie er es so gut wie möglich herunterspielen könnte.
- DreamyVegetarian
Zahlreiche Stimmen fordern deshalb offen einen Bann für DrLupo. Laut den aktuellen Richtlinien kann das Streamen mit Cheats auf Twitch zu gestaffelten Strafen führen, die von wenigen Tagen hin zu 90 Tagen reichen – doch für viele ist das viel zu milde.
Die Community argumentiert, dass ein so prominenter Betrugsfall wie dieser ein Exempel statuieren sollte, um zu zeigen, dass Twitch keine Cheater duldet. Wer beim Betrügen erwischt wird, sollte – so der Tenor im Netz – konsequent gebannt werden, statt mit einer symbolischen Strafe davonzukommen.

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