Am vergangenen Wochenende war TwitchCon 2025 in San Diego – und ein schwerwiegender Vorfall hat die Hausmesse von Twitch überschattet. Die bekannte Streamerin Emily »Emiru« Schunk wurde während eines öffentlichen Meet & Greets von einem Teilnehmer körperlich angegangen. Emiru wurde bereits im März Opfer eines Stalker-Angriffs, nachdem sie diesem ihre Telefonnummer nicht geben wollte.
Zwar konnte der Angreifer rechtzeitig gestoppt werden, doch der Vorfall wirft ein schlechtes Licht auf die Sicherheitsvorkehrungen der Veranstaltung sowie auf das Krisenmanagement von Twitch und ihrem CEO, Dan Clancy.
Was genau ist auf der TwitchCon passiert?
Am Freitag, dem 17. Oktober 2025, ereignete sich der Vorfall am Meet&Greet-Stand von Emiru, einer der größten Streamerinnen auf Twitch und Miteigentümerin der Organisation OTK. Ein männlicher Besucher überwand mehrere Absperrungen, trat an die 27-Jährige heran, packte sie am Gesicht und versuchte, sie zu küssen. Wie in einem Videoclip zu sehen ist, konnte der Übergriff nur durch das schnelle Eingreifen von Emirus persönlichem Bodyguard unterbunden werden.
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Die Streamerin äußerte sich kurz darauf in einem Statement zu dem Vorfall: Sie sei »okay«, aber zutiefst erschüttert – nicht nur durch den Angriff selbst, sondern vor allem durch die Reaktion der Veranstalter: »Ich bin ehrlich gesagt viel verletzter und aufgebrachter darüber, wie Twitch die Situation währenddessen und danach gehandhabt hat.«
Entgegen der offiziellen Darstellung von Twitch, Sicherheitspersonal habe »unmittelbar« reagiert, berichtet Emiru, dass ihr privater Bodyguard und ihre Managerin einschreiten mussten, um den Angreifer zu entfernen.
Das anwesende Twitch-Sicherheitspersonal sei »nirgends zu finden« gewesen und habe den Ernst der Lage überhaupt nicht erkannt. Der Angreifer konnte zunächst entkommen und wurde erst Stunden später, auf Drängen von Emirus Managerin, gefasst.
Sie berichtete zudem, dass niemand von Twitch nach ihrem Befinden gefragt habe und Twitch-Mitarbeiter den Vorfall nicht nur nicht ernst genommen hätten, sondern sogar darüber Witze gemacht haben:
Mein Freund, der dabei war, erzählte mir, dass die Sicherheitsleute von Twitch später hinter dem Stand standen und scherzten, dass sie gar nicht gesehen hätten, was passiert war, woraufhin sie sofort lachten und zu einem anderen Thema übergingen.
23:22
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»Eine unverhohlene Lüge«
Die Plattform Twitch veröffentlichte nach dem viral gegangenen Video ein Statement, in dem sie betonte, die Sicherheit habe »höchste Priorität« und der Täter sei »unmittelbar vom Gelände entfernt und dauerhaft von Twitch und allen Events verbannt« worden:
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Emiru bezeichnete diese Darstellung als »unverhohlene Lüge«:
In der Stellungnahme von Twitch hieß es, dass der Mann sofort gefasst und festgenommen worden sei, aber das ist leider eine unverhohlene Lüge. Er durfte mein Meet & Greet einfach verlassen, und ich habe erst Stunden nach dem Angriff erfahren, dass er gefasst worden war. Ich habe den Eindruck, dass dies nur geschah, weil mein Manager darauf gedrängt hat, und nicht, weil die anwesenden Mitarbeiter der TwitchCon dies für ein großes Problem hielten.
Besonders brisant ist Emirus Aussage, dass Twitch zunächst nur eine 30-tägige Sperre für den Täter in Betracht zog, bevor auf vehementes Drängen ihrer Managerin eine unbefristete Sperre für die Plattform und alle künftigen Events erfolgte:
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Party statt Krisenmanagement?
Während der Vorfall und dessen Nachbereitung die Streaming-Community schockierten, geriet auch Twitch-CEO Dan Clancy ins Kreuzfeuer der Kritik. Laut Emiru (ab 11:55 in ihrem Statement) sollen mehrere hochrangige Twitch-Mitarbeiter während der kritischen Stunden, in denen sie sich mit dem Übergriff und der mangelnden Unterstützung auseinandersetzen musste, auf Partys der TwitchCon gefeiert haben, statt sich ums Krisenmanagement zu kümmern.
Diese mutmaßliche Prioritätensetzung hat die Wut vieler Streamer und Fans weiter angefacht, die Twitch vorwerfen, die Sicherheit und das Wohlergehen seiner Streamer nicht ernst zu nehmen – und das nicht völlig zu Unrecht: In der Vergangenheit gab es bereits ähnliche Vorfälle, die das Vertrauen in die Sicherheitsmaßnahmen der TwitchCon erschüttert haben.
Im Jahr 2022 sorgte etwa ein Schaumstoffgruben-Vorfall für Aufsehen, bei dem mehrere Besucher, darunter die Streamerin Adriana Chechik, teilweise schwer verletzt wurden:
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Chechik brach sich nach einem Sprung in die nur wenige Zentimeter tiefe Grube, die einen Betonboden verdeckte, den Rücken an zwei Stellen. Sie musste sich einer umfangreichen Operation unterziehen und erfuhr im Krankenhaus, dass sie aufgrund der Verletzungen und der erforderlichen Behandlung eine Fehlgeburt erlitt.
Ein weiteres Beispiel, das auch Emiru in ihrem Statement anführt, ist der Übergriff auf den Streamer Nick »Nmplol« Polom im vergangenen Jahr. Ein Mann hatte ihm während eines Streams auf der TwitchCon ungefragt die Brustwarze geleckt:
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Als Reaktion auf den Skandal und den öffentlichen Druck hat Twitch angekündigt, die Sicherheitsmaßnahmen an den Meet & Greet-Punkten zu verstärken und keine »Plus-Eins«-Gäste mehr zuzulassen, die nicht vorab überprüft wurden. Emiru berichtete zudem, dass Amazon seinen »Global Head of Security« eingeflogen habe, da das Sicherheitskonzept von Twitch offensichtlich nicht gut genug sei.
Für die Streamerin ist das Vertrauen in Twitch jedenfalls endgültig gebrochen: Sie erklärte in ihrem Stream, dass dies ihre letzte TwitchCon sei, und riet anderen Streamern, ihre Teilnahme an zukünftigen Events »ernsthaft zu überdenken«, auch da ähnliche Vorfälle, wie der an Nick und Wake Wilder im letzten Jahr, die ebenfalls sexuell belästigt wurden, nicht ernst genug genommen wurden, insbesondere wenn es sich um männliche Streamer handelte. GameStar hat bei Twitch um eine Stellungnahme zu den Vorwürfen gebeten.

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