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Valve wird 30 und es ist die schlechteste Party seit meinem 18. Geburtstag

Valve hat runden Geburtstag, aber ohne die ganzen Memes hätte es wohl niemand mitbekommen.

Der Valve-Typ hätte sich bestimmt über eine Fete gefreut. Der Valve-Typ hätte sich bestimmt über eine Fete gefreut.

Es ist das Jahr 1996, es ist ein milder Tag im August, in Kirkland, Washington sitzen der 34-jährige Gabe und der 36-jährige Mike zusammen und entscheiden: »Lass mal ein Softwareunternehmen gründen.« Die beiden haben bereits einiges an Erfahrung bei Microsoft gesammelt und jetzt ist es Zeit für etwas eigenes.

30 Jahre später ist Valve das vermutlich profitabelste Tech-Unternehmen der Welt und das runde Jubiläum wäre doch eigentlich eine gute Gelegenheit diesen Erfolg zu feiern. Aber die einzige Torte, die es gestern gab, war der Pustekuchen. Valve schwänzte seinen eigenen Geburtstag, so wie ich, als ich 18 wurde.

Marie-Lena Höftmann
Marie-Lena Höftmann

Miffy konnte ihre Geburtstage noch nie leiden. Man muss Dinge für eine Party vorbereiten, Essen organisieren und dann auch noch Leute einladen. Zeit mit Freunden verbringt sie gern, aber viel lieber, wenn es ungezwungen ist und niemand im Mittelpunkt steht. Was genau sie an ihrem 18 Geburtstag getrieben hat, weiß sie schon gar nicht mehr - es war also offenbar nichts besonderes.

42.000.000 potenzielle Geburtstagsgäste

Klar, der Geburtstag eines der erfolgreichsten Unternehmen unserer Zeit ist etwas völlig anderes als der poplige Geburtstag einer Jugendlichen. Deshalb haben viele auch gehofft, dass Valve sich etwas für den Ehrentag überlegt hat. Denn einer der wichtigsten Faktoren für dessen Errungenschaften ist die Community, die nicht nur Spiele wie Half-Life und Counter-Strike feiert, sondern auch Steam.

Die Spieleplattform, die 2003 das Licht der Welt erblickte, verzeichnet monatlich neue Spielerrekorde. Zuletzt Ende März 2026 mit insgesamt 42.686.616 Usern, die gleichzeitig online waren (via SteamDB). Täglich spielen mehrere Millionen Spielerinnen und Spieler die fünf beliebtesten Spiele (via SteamDB) der Plattform.

Video starten 1:15:08 Was stimmt nicht mit Valve?

Bei so viel Engagement wäre doch ein kleiner Valve-Sale drin, oder? Auch, wenn sich einige sicher etwas in die Richtung erhofft haben, wusste die Community insgeheim wohl, dass das nur Wunschdenken ist. Schon einige Tage vor dem Geburtstag wird auf Reddit gewitzelt.

Auf die Frage, ob es einen besonderen Ausverkauf geben wird, antworten etliche User mit Sarkasmus. »Ja, CS2 wird um 100 Prozent reduziert« schreibt RedSonja_. »TF2 auch. Dota 2 vermutlich auch« antwortet kron123456789 - Alles Spiele, die ihr kostenlos über Steam spielen könnt.

Reddit-User remppis korrigiert den Thread-Ersteller: »Du meinst Valves 29. Jubiläum, Episode 1?« und spielt damit auf Valves Allergie gegen dritte Serienteile an.

In 30 kommt ja auch die 3 vor

Bis heute gibt es weder Half-Life 3 noch Portal 3 und auch Left 4 Dead bleibt auf zwei Titeln sitzen. Das Internet wird seid jeher mit Memes um diese Causa geflutet und irgendwie passt auch Valves Schweigen zum Erreichen seines eigenen dritten Jahrzehnts in dieses Bild.

Tatsächlich hat sich Gabe Newells Firma bisher nicht mal auf Social Media zu ihrem Geburtstag geäußert und Steam sieht auch genauso aus wie immer. Nichts auf der Startseite, nichts im offiziellen Blog.

Währenddessen machen sich die Steam-User auf anderen Plattformen einen schönen Tag und tun das, was sie am besten können: Memes erstellen. Natürlich darf auch ein Seitenhieb auf Rockstar und die aktuelle Leak-Situation um GTA 6 nicht fehlen:

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Der Erfolg gibt Valve Recht

So richtig überraschend ist es nicht, dass Valve den Kopf so einzieht, denn ins Rampenlicht tritt das Unternehmen selten von allein.

Öffentlich ist nicht viel über die Interna des Unternehmens bekannt. Valve ist ein privat geführtes Unternehmen, Gründer Gabe Newell und Mike Harrington finanzierten das Studio 1996 aus eigener Tasche. Ein Großteil der Firmenanteile liegt heute bei Newell selbst und das hat ihn zum Milliardär gemacht.

Da Valve nicht börsennotiert ist, entfällt die jährliche Offenlegung der Finanzen und auch um Aktionäre muss sich die Firma keinen Kopf machen. Deshalb kann sie - anders als andere Spielepublisher - auf die Vermarktung von Dingen wie Jubiläen verzichten, die den Börsenwert des Unternehmens steigern.

Stattdessen setzt Valve nach wie vor auf so etwas wie Mundpropaganda. Steam zeigt sich beispielsweise im Kundensupport stets von seiner besten Seite und geht kulant auf die Belange der Nutzerinnen und Nutzer ein und für kleine Entwickler ist Steam oft die einzige reelle Chance, ihren Spielen Reichweite zu verschaffen.

Die Plattform wird zudem regelmäßig um komfortable Features erweitert, mit denen sich zum Beispiel Wunschlisten organisieren lassen oder man einen persönlich zugeschnittenen Release-Kalender erhält. Und dann wären da natürlich noch die Sales. Für diese braucht die Plattform mittlerweile keine Anlässe mehr. Jeden Tag sind etliche Spiele reduziert, fast jede Woche gibt's ein neues Thema für das große Preisepurzeln.

Steam ist mit dieser Strategie so erfolgreich geworden, dass andere Publisher wie Microsoft und Ubisoft ihre Titel dort vertreiben, obwohl sie eigentlich eigene PC-Plattformen dafür haben.

Die einzigen negativen Schlagzeilen macht Valve immer dann, wenn es um Klagen und Gerichtsprozesse geht. In den Niederlanden beispielsweise verklagt eine Verbraucherschutzstiftung Newells Firma, weil sie ihre Monopolstellung ausnutzt, um Preise hochzutreiben. In New York gab's Ärger wegen der Lootboxen in Counter-Strike und Dota. Und trotzdem scheint sich Valve nicht aus der Ruhe bringen zu lassen.

Newell selbst entspannt sich derweil in seiner milliardenschweren Luxus-Villa. Vielleicht veranstaltet er dort ja auch eine »kleine« Privatparty, um die große 30 zu feiern. Eingeladen wurden wir jedenfalls nicht.

Aber, ob hier nun die Champagnerkorken knallen oder nicht: Dass Valve sein Jubiläum öffentlich offenbar ignoriert, ist eine Demonstration des eigenen Selbstbewusstseins. Es ist schlicht zu erfolgreich, um überhaupt feiern zu müssen. Das sag ich mir an meinem Geburtstag jetzt auch immer.


Kommentare(4)
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