Nutzt Warcraft 3: Reforged irreführende Werbung? Das sagt der Anwalt

Warcraft 3: Reforged ist nicht das Spiel geworden, auf das die Fans gehofft haben. Einige werfen Blizzard sogar Betrug vor. Haben sie damit Recht?

von Fabiano Uslenghi,
30.01.2020 13:38 Uhr

Wie ist die rechtliche Lage bei den gebrochenen Versprechen von Warcraft 3: Reforged? Rechtsanwalt Kai Bodensiek verrät mehr. Wie ist die rechtliche Lage bei den gebrochenen Versprechen von Warcraft 3: Reforged? Rechtsanwalt Kai Bodensiek verrät mehr.

Da hat das Jahr gerade erste begonnen und Blizzard muss sich bereits jetzt mit heftiger Kritik von Seiten der Fans rumschlagen. Der Release von Warcraft 3: Reforged verlief alles andere als reibungslos und auf Reddit laufen viele Spieler aktuell Sturm.

Fakt ist, dass derzeit sehr viele Spieler nicht nur ihr Geld zurückhaben wollen. Einige werfen Blizzard sogar vor, sie auf der Blizzcon 2018 mithilfe falscher Werbung in die Irre geführt zu haben.

Wir haben deshalb bei dem Rechtsanwalt Kai Bodensiek von der Anwaltskanzlei Brehm & von Moers um eine Einschätzung gebeten. Ob es sich wirklich um Irreführende Werbung oder Betrug im juristischen Sinne handelt, lässt sich auf die schnelle nicht festlegen. Wir konnte aber in Erfahrung bringen, ob Spielern zumindest gesetzlich gesehen ein Umtausch zustehen würde.

Weshalb Blizzard in der Kritik steht

Bevor wir uns daran machen, euch die rechtliche Einschätzung des Anwalts vorzulegen, hier noch einmal schnell, worum es geht. Wenn ihr das schon wisst, dann springt direkt zur Einschätzung des Experten.

Warcraft 3: Reforged wurde auf der Blizzcon 2018 offiziell angekündigt. Damals wurden überarbeitete Zwischensequenzen nicht nur versprochen, sondern sogar gezeigt. Ein Jahr später zum Release sind diese Sequenzen verschwunden. Zudem fehlen dem Remaster noch jede Menge weitere Features. Teilweise sogar Inhalte, die es im Original noch gab. Was genau verschwunden ist, erfahrt ihr in unsere News oder ihr seht euch unsere Analyse in Videoform an.

Warcraft 3: Reforged - Wütende Fans zum Release: Was ist da schiefgelaufen? 14:47 Warcraft 3: Reforged - Wütende Fans zum Release: Was ist da schiefgelaufen?

Das sagt der Anwalt

Der von uns kontaktierte Anwalt Kai Bodensiek hat einen Blick ins Bürgerliche Gesetzbuch geworfen und kam zu der Einschätzung, dass öffentliche Werbeaussagen sehr wohl eine Bedeutung dafür haben, ob ein Produkt einen Mangel aufweist und zurückgegeben werden darf oder nicht. Sofern davon auszugehen ist, dass der Verkäufer über die Werbeversprechen auch Bescheid wusste.

Im Falle von Reforged muss der Verkäufer davon gewusst haben, da es das Remaster ja nur in Blizzards eigenem Store gibt. Laut Bodensiek könnte in diesem Fall also wirklich ein Mangel vorliegen:

"Soweit man direkt bei Activision Blizzard kauft, ist die Kenntnis der Werbeaussage natürlich kein Problem. Ich würde daher davon ausgehen, dass man schon von einem Mangel sprechen kann - auch dann, wenn die Videos mit einem "Nicht final"-Disclaimer versehen sind, wenn die Abweichungen so groß sind."

Demnach stünde jedem ein Umtausch zu, der sich auf diese Abweichungen beruft. Gleichzeitig hat aber auch Blizzard noch das Recht, vorher in diesem Bereich noch mal nachzubessern:

"Vor dem Umtausch steht dem Verkäufer aber noch ein Nachbesserungsrecht zu und zwar zwei Versuche. Sprich man wird wohl, bevor man rechtlich gesehen umtauschen kann, erstmal rügen müssen und dann die nächsten zwei Patches abwarten müssen. Auch gilt zu beachten, dass der Kauf übers Internet möglicherweise nicht deutschem Recht unterliegt und dort die Regeln anders sein können (je nach Verkäufer-AGB)."

Bisher scheint es aber so, als würde sich Blizzard bei möglichen Rückerstattungen von Warcraft 3: Reforged selten quer stellen. In den meisten Fällen bekommen unzufriedene Spieler ihr Geld zurück. Wie der Refund-Prozess genau funktioniert, erfahrt ihr in unserer Übersicht.

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