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Für immer ausgelöscht: Über zwei Legionen der Space Marines darf niemand je ein Wort verlieren – wir tun's trotzdem

Ultramarines, Dark Angels, Blood Angels – die Namen der Space-Marine-Legionen gehen seit 10.000 Jahren in die Geschichte von Warhammer 40.000 ein. Aber zwei Legionen wurden aus sämtlichen Aufzeichnungen verbannt.

Bis heute existiert kein einziges Bild der verlorenen Space-Marine-Legionen. Bis heute existiert kein einziges Bild der verlorenen Space-Marine-Legionen.

Im heutigen Warhammer 40k verteilen sich die Space Marines auf über 1.000 einzelne Orden à 1.000 Mann im gesamten Universum. Doch das war nicht immer so. Vor den Space Marine Chapters gab es die Legionen, 10.000 Jahre in der Vergangenheit. Diese mächtigen Space-Marine-Legionen waren hundertmal so groß wie moderne Orden, bestanden aus 100.000 bis 150.000 Superkriegern und eroberten für den Imperator im Großen Kreuzzug die Galaxis.

Viele dieser ursprünglich 20 Legionen leben bis heute in den Annalen (und den Schlachtfeldern) des Imperiums fort. Wir allen kennen die Ultramarines, die Dark Angels, Space Wolves und Blood Angels, allesamt Urväter der modernen Orden. Und weil du deinen Feind kennen solltest, wissen wir auch von den Verrätern, jenen Legionen, die gegen den Imperator aufbegehrten und mit dem Chaos paktieren: die Alpha Legion, Wordbearers, Thousand Sons, pfui.

Aber zwei Legionen müssen etwas so abgrundtief Verwerfliches getan haben, dass sie für immer aus sämtlichen Aufzeichnungen des Imperiums gelöscht wurden. Ihr Namen (und die ihrer Primarchen) darf seit 10.000 Jahren niemand mehr auch nur im Schlaf flüstern, selbst ihre Brüder-Primarchen nicht.

Der legendäre Rogal Dorn hat die beiden im Gespräch mit Malcador dem Sigiliten bloß angerissen – und Malcador fuhr ihm sofort ins Wort:

»An sie darfst du nicht einmal denken, mein Freund. Sie sind für alle Zeiten verloren.«

Aber ... naja, die Inquisition ist gerade nicht hier, also brechen wir das Schweigen und versuchen für euch trotzdem alles herauszufinden, was es über diese mysteriösen zwei verlorenen Legionen zu wissen gibt.

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Die Ausgangslage

Vorab ein kurzer Zeitstrahl zur Orientierung:

  • Im 29. Jahrtausend der Menschheitsgeschichte liegt die Erde in Trümmern. Sämtliche Meere sind verdampft, verstreute Warlords beherrschen den verbleibenden kargen Planeten als grausame Tyrannen. Der Imperator tritt als Hoffnungsschimmer in Erscheinung, um die Erde mit seinen Armeen zu erobern. Die sogenannten Vereinigungskriege (Unification Wars) beginnen.
  • Um das Jahr 550.M30 (also 29.550) herum erschafft der Imperator die genetische überlegenen Thunder Warriors, um die Eroberung zu beschleunigen. Sie sind die Vorgänger der Space Marines.
  • Im Jahr 700 bis 792.M30 neigen sich die Vereinigungskriege dem Ende, die Thunder Warriors erweisen sich jedoch als zu instabile und kurzlebige Brutalos, um mit ihnen langfristig das Universum zu erobern. Deshalb erschafft der Imperator aus seiner eigenen Gensaat 20 Superkrieger, die sogenannten Primarchen, als genetische Vorlage der späteren Space-Marine-Legionen. Leider werden diese Primarchen durch einen Akt des Chaos' kurz nach ihrer Erschaffung im gesamten Universum verstreut.
  • Die frisch gebackenen 20 Space-Marine-Legionen müssen im Jahr 798.M30 also ohne ihre Primarchen ausziehen, das Universum für die Menschheit zurückzuerobern. Der Große Kreuzzug beginnt.

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In den Jahrzehnten dieses Kreuzzugs werden sämtliche Primarchen nach und nach aufgestöbert und in ihre ursprünglichen Legionen integriert. Die beiden verlorenen Legionen – die II. und die XI. – sind zu diesem Zeitpunkt samt ihrer Primarchen noch fester Bestandteil der imperialen Streitkräfte.

Der Große Kreuzzug dauert rund 200 Jahre. Innerhalb dieser 200 Jahre muss etwas passiert sein, dass zur Ächtung der verlorenen Legionen führte. Also zeichnen wir die bekannten Fakten zu beiden Einheiten mal nach.

Was wissen wir über die II. und XI. Legion?

Die II. und XI. Legion waren in den ersten Jahrzehnten des Großen Kreuzzugs Teil der regulären imperialen Flotten. Wir wissen außerdem, dass sie ihre jeweiligen Primarchen (ursprünglich ja verstreut im Weltall wie alle anderen Primarchen) irgendwann zwischen 798.M30 und 839.M30 gefunden haben müssen – also in den ersten 40 Jahren des Kreuzzugs.

Die Expeditionsflotten des Imperiums eroberten in 200 Jahren einen Großteil des Universums zurück (Symbolbild aus Gothic Armada 2). Die Expeditionsflotten des Imperiums eroberten in 200 Jahren einen Großteil des Universums zurück (Symbolbild aus Gothic Armada 2).

Ein paar weitere Fakten lassen sich durch sporadische Erwähnungen der Legionen festhalten, größtenteils durch ihre Brüder-Primarchen:

  • Fulgrim, Primarch der Legion der Emperor's Children, bezeichnet den Primarchen der zweiten Legion als ruhigen, kontemplativen Typen.
  • Rogal Dorn, Primarch der Imperial Fists, hat beide Primarchen persönlich getroffen.
  • Als der spätere Primarch der Dark Angels, Lion El'Jonson, in den 840er-Jahren von M30 entdeckt wird, ist noch die Rede von 19 anderen Primarchen. Zu diesem Zeitpunkt existierten beide Legionen also noch intakt.
  • Einer der beiden verlorenen Primarchen unternahm irgendwann vor seinem Ausscheiden eine Expedition zu einer antiken Necron-Struktur, dem Ymga Monolith. Die Hintergründe bleiben im Dunkeln.

Wir wissen außerdem gesichert, dass die beiden verlorenen Legionen vor ihrem Untergang an den sogenannten »Rangdan Xenocides« teilnahmen, dem bis dato blutigsten Weltraumkrieg der Menschheit (zumindest vor Anbruch der Horus-Häresie). Der Rangda-Krieg bestand aus drei Feldzügen zwischen den Jahren 839.M30 und 890.M30, der Startschuss fiel also etwa 40 Jahre nach dem Beginn des großen Kreuzzugs und dem Aufbruch der Legionen von Terra.

Die Rangda waren ein technologisch sehr fortgeschrittenes Alien-Volk im Norden und Osten der Galaxie. Ihre Flotten und Angriffe rangen dem Imperium herbe Verluste ab: Über 80.000 Space Marines ließen in den Schlachten ihr Leben, darüber hinaus Millionen von Gardisten. Selbst die mächtigen Titanen-Kampfläufer konnten die Menschheit zu keinem schnellen Sieg führen.

Die Legion der Dark Angels trug einen großen Teil der Führung und Verantwortung für die Rangda-Xenozide. Sie verloren so viele Leute, dass die Ultramarines sie als größte Legion »überholten«. Vielleicht spielte also auch Scham eine Rolle dabei, dass die Dark Angels in den Jahrzehnten nach den Rangda-Feldzügen nahezu sämtliche Aufzeichnungen davon tief in ihren Bibliotheken verbannten.

Der berühmte Siegeszug von Ullanor war die letzte große Zusammenkunft der Primarchen vor der Horus-Häresie. Die zwei verlorenen Brüder waren hier schon nicht mehr da. (Bild: Games Workshop) Der berühmte Siegeszug von Ullanor war die letzte große Zusammenkunft der Primarchen vor der Horus-Häresie. Die zwei verlorenen Brüder waren hier schon nicht mehr da. (Bild: Games Workshop)

Der wahre Grund könnte aber genauso gut mit dem Untergang der beiden verlorenen Legionen zu tun haben.

Was ist mit der II. und XI. Legion passiert?

Nach dem letzten Rangda-Feldzug finden sich keine Aufzeichnungen mehr über die Aktivitäten der beiden Legionen. Anhand von Erwähnungen in diversen Warhammer-Büchern können wir aber zumindest ein paar Rahmen abstecken über den Niedergang der II. und XI.:

  • Beide Primarchen sind nicht wie die späteren Verräterlegionen unter Horus dem Chaos verfallen. Ultramarine-Primarch Roboute Guilliman stellt im Roman »Dark Imperium« 10.000 Jahre später fest: »Ich war einer der 20 Primarchen. Zwei scheiterten. Die Hälfte der Verbleibenden verrieten meinen Vater. Der Imperator ist nicht unfehlbar, und ich bin es auch nicht.«
  • Die beiden Primarchen wurden in zwei unabhängigen »Sanktionierungsereignissen« aus dem Imperium »entfernt«. Das deutet zumindest darauf hin, dass sie aus unterschiedlichen Gründen verbannt wurden.
  • Zumindest die beiden Primarchen Rogal Dorn und Roboute Guilliman haben ihre Erinnerungen an die Vorfälle freiwillig löschen lassen, um die Integrität des Imperiums nicht zu gefährden. Eventuell erging es den anderen Primarchen ähnlich.
  • Schuld am Scheitern der II. und XI. Legion tragen vor allem ihre Primarchen. Die verbleibenden Legionäre wurden nach ihrem Untergang den Imperial Fists unter Dorn und den Ultramarines unter Guilliman zugeteilt, wahrscheinlich ebenfalls nach einer weitreichenden Gedächtnislöschung.
  • Malcador der Sigilit kann sich als einer der wenigen Überlebenden noch an die Vorfälle erinnern und sagt darüber: »Der Verlust der Zweiten und der Elften war eine tiefe Wunde für uns und bedrohte die Ideale, die den Kern des Großen Kreuzzugs bildeten. Er hätte all das zunichtegemacht, was wir im Zuge der Wiedervereinigung der Menschheit aufgebaut hatten.«
  • Es wird immer wieder spekuliert, dass der Niedergang der beiden Primarchen mit einem genetischen Makel zu tun haben könnte. Wir halten das für unwahrscheinlich. Zum einen gehören genetische Makel unter Primarchen fast schon zum guten Ton (Angron, Sanguinius, Magnus, Konrad Curze), zum anderen wurde die Gensaat der verlorenen Legionen für die Erschaffung der Primaris-Legionäre in 40k verwendet.

Bis heute fehlen stichhaltige Beweise, was wirklich mit den beiden Primarchen geschah, aber die ganzen Fakten drum herum lassen zumindest eine halbwegs plausible Theorie zu.

Wurden die verlorenen Brüder von Aliens übernommen? Die Ragda führten zumindest Hirnfresser ins Feld. Wurden die verlorenen Brüder von Aliens übernommen? Die Ragda führten zumindest Hirnfresser ins Feld.

Die bisher plausibelste Theorie: Das ultimative Scheitern

Fassen wir zusammen: Die Legionäre der zweiten und elften Legion waren nie das Problem, sondern ihre Primarchen. Beide Primarchen verfielen nicht dem Chaos, sondern wurden für irgendeine andere Schmach aus den Annalen des Imperiums verbannt.

Einen letzten wichtigen Hinweis liefert ein In-Universe-Fehlprint eines imperialen Handbuchs, veröffentlicht in The Regimental Standard, einer Art In-Universe-Newsletter für Gardisten. Dort heißt es über die Rangda-Feldzüge:

»Ganze Expeditionsflotten flogen in ihren Tod ohne einen einzigen Überlebenden, Welten wurden verwüstet, Dutzende Titanenlegionen vernichtet und am Ende waren ganze Space-Marine-Legionen [GESCHWÄRZTE SEKTION] für das Imperium verloren.«

Wir wagen deshalb die Spekulation: Der Untergang der II. und XI. Legion hat irgendwie mit den Rangda-Feldzügen zu tun. Vielleicht haben beide Anführer (auf gut Deutsch gesagt) so dermaßen ins Klo gegriffen, dass das Imperium jede Erwähnung ihrer Existenz verbieten musste. Vielleicht nimmt sich Games Workshop hier die echten historischen Legionen des Römischen Reiches zum Vorbild: Die Legionen XVII, XVIII und XIX verloren in der legendären Varusschlacht ihr Leben – und die Schande war so groß, dass das Imperium die Nummern nie wieder neu vergab.

Die römischen Legionen sind logischerweise das Vorbild der Space-Marine-Legionen. Und auch hier gab es verlorene Kompanien. (Symbolbild aus Ryse: Son of Rome) Die römischen Legionen sind logischerweise das Vorbild der Space-Marine-Legionen. Und auch hier gab es verlorene Kompanien. (Symbolbild aus Ryse: Son of Rome)

Wichtig auch: Es wird nie davon gesprochen, dass die Primarchen starben. In einem der neuesten Adeptus-Custodes-Kodizes wird sogar namentlich erwähnt, dass tief in den Verliesen des Imperialen Palastes ein »Subjekt XI« festgehalten wird. Subjekt 11 ... und elfte Legion – ein Zufall? Wir wissen, dass die Rangda sogenannte Cerabvores einsetzten, also Hirnfresser, die möglicherweise ihre Wirtskörper übernehmen konnten. Vielleicht schimmelt einer der Primarchen seit 10.000 Jahren in den Kerkern Terras in Stase, weil sein Hirn von einem Xenos übernommen wurde.

Oder noch schlimmer: Vielleicht hat einer der Primarchen dem Kämpfen abgeschworen, wollte Frieden schließen, mit Xenos sogar zusammenleben. Kein Wunder, dass der Imperator ob solcher Blasphemie einschreitet. Aber hier schwimmen wir schon sehr im Spekulatius-Meer – vielleicht werden wir irgendwann schwarz auf weiß erfahren, was mit den beiden verlorenen Legionen geschah.

Übrigens: Lange hielt sich das Gerücht, dass Games Workshop diese Leerstelle bewusst geschaffen hat, damit die Leute sich eigene Legionen ausdenken und ihrer Fantasie freien Lauf lassen. Rick Priestley, der ursprüngliche Schöpfer der Horus Heresy, hat mittlerweile aber klargestellt, dass er mit den beiden verlorenen Legionen einfach ein spannendes Mysterium in die Geschichte des Imperiums einweben wollte. Das hat er auf jeden Fall geschafft.


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