Aktuell sieht sich Game Workshop in eine Warhammer-Kontroverse verwickelt. Auf einem offiziellen Artwork entdeckten Fans nämlich sechs Finger an der Hand eines Space Marines. Ein Fehler, der normalerweise gerne bei KI-generierten Kunstwerken vorkommt.
Das sorgte sofort für einen Aufschrei in der Fangemeinde rund um Warhammer 40.000, auf den das Unternehmen schnell mit einem Statement auf Facebook reagierte. Dort bezeichnete man den Finger zu viel als menschlichen Fehler
und bestritt die Nutzung von KI. Trotzdem wurde anschließend eine Untersuchung eingeleitet (via IGN).
Ein Finger zu viel: Artwork sorgt für KI-Kontroverse
Das betroffene Artwork stammt konkret aus dem Tabletop Game Warhammer: The Horus Heresy und zeigt einen Space Marine in der MkIV-Maximus
-Rüstung. Bei der Hand an der Waffe sind dabei nur fünf Finger sichtbar. Allerdings muss der Daumen von der Hand verdeckt sein, sodass es sich insgesamt um sechs handelt - ein Fehler, der theoretisch auch einem Menschen passieren, aber für viele auch ein Hinweis auf KI sein könnte.
Gerade in der Anfangszeit von KI-generierten Bildern, machten sich viele über ihre absurde Darstellung von Händen und Fingern lustig, weil solche Probleme sehr regelmäßig auftraten. Das Detail aus dem Artwork könnt ihr euch hier genauer anschauen:
Allein der Verdacht sorgte verständlicherweise für einen großen Aufschrei rund um das Franchise. Immerhin steht Warhammer sehr für seine detaillierten und künstlerischen Entwürfe, egal, ob es nun um selbst bemalte Figuren oder (Brett-)Spiele geht. Der Look von Warhammer geht ursprünglich auf die Illustrationen von John Blanche zurück, der inzwischen verstorben ist und gemeinsam mit Game Workshop das einzigartige, düstere Sci-Fi-Design entwickelt hat.
Auch die Warhammer-Regelbücher stecken voller beeindruckender Illustrationen, sodass es wenig überrascht, dass die Fans nicht nur viel Leidenschaft für menschliche Kunst mitbringen, sondern sich auch klar gegen KI-Kunst aussprechen.
Übrigens gibt es zu The Horus Heresy sogar ein Videospiel, das beinahe völlig vergessen wurde:
1:07
The Horus Heresy: Battle of Tallarn ist ein verlorenes Warhammer-Spiel
Photobashing statt KI? Auch diese beliebte Technik könnte Schuld sein
Das ist offenbar auch Game Workshop bewusst, denn obwohl das Unternehmen verneint, dass es sich um das Resultat von KI-Nutzung handelt, wurde der Fall gemeinsam mit weiteren Auffälligkeiten im Marketing-Bereich später noch genauer untersucht. Offenbar aber mit einem negativen Ergebnis. Für sie gibt es nämlich noch eine weitere naheliegende Erklärung, die nichts mit künstlicher Intelligenz zu tun hat:
Hat der Space Marine einen zusätzlichen Finger? Ja, aber es hat nichts mit KI oder frühen Zeichen von Mutationen in den Verräterlegionen zu tun! Der künstlerische Stil von The Horus Heresy hat schon seit dem Launch 2012 beinhaltet, dass Fotografien der Miniaturen in die Artworks eingebunden wurden, um dramatische Szenen zu erzeugen. In diesem Fall entstand allerdings ein unerwartetes Drama. Bitte seid nachsichtig mit unseren Künstlern, sie sind nur (und ausschließlich) Menschen.
Tatsächlich handelt es sich beim sogenannten Photobashing um eine beliebte und weitverbreitete digitale Maltechnik, die auch gerne bei Concept Art zum Einsatz kommt und Zeit spart. Künstler binden hier Fotos, 3D-Modelle auch Texturen in ihre Illustrationen ein, um für mehr Tiefe und Detail zu sorgen und den Prozess insgesamt zu beschleunigen.
In einem professionellen Umfeld zählt schließlich nicht nur die Qualität, sondern auch die Zeit, und oft ist gerade bei Konzeptkunst vor allem entscheidend, dass Look und Feel stimmen, wofür nicht jedes Detail gezeichnet werden muss. Digital Artist und YouTuber Ross Draws zeigt hier, wie das aussehen kann:
Der größte Unterschied zur KI-Kunst besteht darin, dass der Künstler diese externen Elemente selbst mit einer bewussten und gezielten Intention einarbeitet und auch die Rechte an ihnen besitzt. Ob es sich in diesem Fall um die Technik und einen Fehler, der dabei zustande kam, handelt, lässt sich aber nicht eindeutig feststellen. Viele potenziell durch KI erzeugte Unstimmigkeiten wie schwammige Details oder merkwürdige Formen, die wenig Sinn ergeben, könnten theoretisch auch durch Schludrigkeiten beim Photobashing entstehen.
KI ist inzwischen in jedem Programm
Dass es sich nicht um KI handelt, würde zumindest zu den bisherigen Statements von Game Workshop passen, die sich klar gegen KI aussprachen und den Einsatz bei sämtlichem offiziellen Content rund um Warhammer verboten, auch als Hilfsmittel im Entstehungsprozess unabhängig von direkt generierten Bildern.
In einem aktuellen Finanzreport scheint die Firma das nochmal bekräftigen zu wollen. Games Workshop CEO Kevin Rountree bestätigt, dass aufgrund einiger Vorfälle im Produktmarketing ausgiebig untersucht wurde, ob sich die Mitarbeiter an diese Regeln halten und wirklich nicht auf KI zurückgreifen. Demnach schien das Unternehmen wohl doch Zweifel gehabt zu haben, kam letztlich aber wohl zu dem Schluss, dass es sich um menschliche Fehler handelte.
Allerdings betonte er auch, dass man nicht immer zu hundert Prozent sichergehen könnte. Heutzutage seien in fast allen digitalen Programmen KI-Tools vertreten (unter anderem auch in Bildbearbeitungs- und digitalen Kunstprogrammen wie Photoshop), was es letztlich schwer mache, die KI-Nutzung irgendwo im Prozess der Mitarbeiter zu beweisen.
Auch die Erkennung wird immer schwieriger, weil die KI-Modelle immer besser und genauer werden. Das sei für Rountree deshalb etwas, das man letztlich immer im Auge behalten, aber auch akzeptieren müsse
. Mehr aktuelle News zu Warhammer und KI findet ihr in der Link-Box.
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