Windbound: Warum der erste Eindruck täuscht, der zweite aber fasziniert

Ja, Windbound sieht aus wie Zelda. Die Mischung aus Action-Adventure und Survivalspiel setzt aber ganz eigene Akzente.

von Géraldine Hohmann,
19.06.2020 18:10 Uhr

Genre: Action-Adventure | Entwickler: 5 Lives Studios | Plattform: PC, PS4, Xbox One, Nintendo Switch | Release: 28. August 2020

Wirft man ohne Lesebrille einen ersten verschwommenen Blick auf Windbound: Brave The Storm, scheint es wie das Zelda: Breath of the Wild, das PC-Spielern bisher verwehrt blieb. Eine offene, helle Inselwelt mit mystischen Tempeln, bunten Kreaturen und unentdeckten Geheimnissen.

Doch beim genaueren Hinschauen verbirgt sich hinter der romantischen Fassade ein anspruchsvolles Survival-Spiel. Wir haben uns neues Gameplay zu Windbound angeschaut, exklusiv mit den australischen Entwicklern gesprochen und beantworten die Frage: Wer sollte Windbound auf jeden Fall auf dem Schirm haben?

Was macht Windbound besonders?

Nach einem Schiffbruch landen wir in der Rolle von Heldin Kara auf einer scheinbar einsamen Insel, sind plötzlich auf uns allein gestellt und erfreuen uns an der Robinson-Atmosphäre – diesem eigentlich widersprüchlichen, aber dennoch einnehmenden Mix aus Urlaubsstimmung und Überlebenskampf.

Wir laufen einige Schritte den Strand entlang, genießen das Meeresrauschen und die tropischen Palmen, die sich sanft im Wind wiegen ... und plötzlich stürmt aus dem Gebüsch ein Eber auf uns zu und wir sehen uns im Zweikampf mit dem Ungetüm.

Windbound: Wunderschön, aber tödlich - Trailer stellt das Survival-Zelda vor 1:40 Windbound: Wunderschön, aber tödlich - Trailer stellt das Survival-Zelda vor

Hier wird zum ersten Mal klar, dass Windbound vielleicht doch nicht so viel Zelda ist, wie es durch den Stil und seine Welt vorgaukelt. Klar, auch in Breath of the Wild wird gekämpft und das nicht zu knapp – aber Windbound legt in Sachen Survival noch eine Schippe drauf. Unsere Waffen craften wir selbst aus den Überresten unserer erlegten Feinde und Rohstoffen der Insel. Das Essen kochen wir über offenem Feuer, um nicht zu verhungern. Und wenn die Nacht hereinbricht, haben wir besser einen sicheren Unterschlupf gefunden. Denn die Monster der Inseln müssen nicht schlafen, im Gegensatz zu uns.

Die Betonung liegt dabei auf Inseln, denn statt nur eine bereisen wir gleich mehrere abwechslungsreiche Inseln auf dem offenen Meer. Und wie wir da hinkommen? Mit unserem selbstgebauten und voll upgrade-fähigen Segelboot natürlich! Segeln wird in Windbound laut den Entwicklern eine wichtige Rolle spielen: Wir müssen gegen den Wind ansteuern, die Segel setzen oder einholen und uns auf dem offenen Ozean in Richtung Horizont durchschlagen.

Für wen ist Windbound interessant?

Ja, den Vergleich mit Zelda: Breath of the Wild oder auch The Wind Waker muss sich Windbound aufgrund seiner Optik auf den ersten Blick gefallen lassen. Und dabei scheint es nicht ganz mit Nintendo mithalten zu können - allerdings arbeiten an Windbound auch lediglich fünf Entwickler.

Die Wahrheit ist aber: Windbound hat eine ganz andere Motivation als Zelda. Statt Quests und Geschichten steht das Gefühl im Vordergrund, als einziger Mensch eine geheimnisvolle Insel zu entdecken, ganz auf sich allein gestellt zu sein und sich Waffen und Segelboot-Upgrades zu basteln, während hinter jedem Busch ein Gegner lauern könnte.

Windbound - Screenshots ansehen

Die Entwickler verraten uns, dass es zwei Schwierigkeitsgrade in Windbound geben wird:

"Weil [Windbound] eine ungewöhnliche Mischung aus Survival und Adventure ist, erwarten wir, dass sich Spieler dafür interessieren, die das eine oder das andere lieber mögen. Deshalb bekommen sie die Wahl zwischen den Modi 'Survivalist' und 'Storyteller'. Beide Modi bieten den selben Spiel- und Story-Fortschritt, aber Storyteller werden etwas weniger Roguelike-Elemente haben - das erlaubt Spielern, nach einem Tod schneller wieder in Gang zu kommen."

Außerdem wird es laut den Entwicklern keine NPCs in der Welt von Windbound geben, stattdessen erleben wir die Story über die Umgebung.

"Natürlich ist freies Erkunden ein Schlüsselelement - aber während du dich frei durch die Welt bewegst, wird sich langsam ein Bild formen, was mit den ehemaligen Bewohnern passiert ist und wie es mit Kara zusammenhängt. Wenn du die Ruinen der ehemaligen Behausungen erkundest, wirst du das Flüstern aus den früheren Leben der Menschen hören."

Windbound glänzt mit einem atmosphärischen Tag-Nacht-Wechsel. Windbound glänzt mit einem atmosphärischen Tag-Nacht-Wechsel.

Wer schon immer neidisch auf Switch-Besitzer geschielt hat, die sich in Breath of the Wild in einer liebevoll gestalteten, offenen Welt kreativ austoben, der könnte diese Erfahrung mit Windbound jetzt auch auf dem PC bekommen. Wer aber in Zelda Quests, unvergessliche Charaktere und eine epische Story bevorzugt, der wird mit Windbound wahrscheinlich nicht glücklich.

Stattdessen könnte Windbound ein atmosphärischer, zugänglicher Einstieg in die wunderbaren Welten des Survival-Genres sein - ohne Neulinge zu überfordern und mit einer Spielwelt, in der man nur zu gern viele Stunden verbringt.

Was gefällt uns bisher? Was gefällt uns nicht?

Das Gefühl, allein auf einer Insel Geheimnisse zu erkunden und Schritt für Schritt einer großen Geschichte auf die Spur zu kommen - das transportiert Windbound schon jetzt sehr gut.

Den Zelda-Vergleich sollte man aber was die Open World angeht lieber zurückstellen, denn die wirkt in Windbound zumindest zum jetzigen Stand noch um einiges leerer. Auch das Sounddesign hat in Sachen Abwechslung noch Luft nach oben. Denn ist man ganz allein in einer Welt, hört man Wellenrauschen, Klingenkreuzen und Musik umso intensiver – und all das erreicht bislang nur bestenfalls ordentliches Niveau.

Stärken von Windbound

  • Immersives Survival-Gefühl
  • Überraschende Entdeckungen in der Open World
  • Dynamisch wirkende Kämpfe
  • Stimmiger Grafikstil
  • Atmosphärischer Tag-Nacht-Wechsel

Schwächen von Windbound

  • Die Welt wirkt noch arg leer, selbst für einsame Inseln
  • Bislang nur rudimentäre Quest- und Story-Elemente
  • Sounddesign etwas abwechslungsarm

Zwar wirkt es für Action-Adventure-Fans im ersten Moment vielleicht irritierend, keine anderen Charaktere zu treffen - aber sobald wir das erste Mal auf offener See segeln und plötzlich unter lautem Dröhnen der Kopf eines riesigen Seemonsters vor uns auftaucht, wissen wir: Windbound wird noch einige Überraschungen in petto zu haben.

Windbound - Gameplay-Vorschau zeigt die Open World des Survival-Abenteuers 21:25 Windbound - Gameplay-Vorschau zeigt die Open World des Survival-Abenteuers

Potenzial | Gut

Géraldine Hohmann
@mighty_dinomite

Ich war überrascht zu sehen, wie wenig Windbound am Ende doch mit Zelda gemeinsam hat, wenn man erst einmal die Grafik-Brille ab- und die Gameplay-Brille aufgesetzt hat. Langjährige Zelda-Fans sollten sich hier also keine falschen Hoffnungen machen, eine belebte Welt wie Hyrule vorzufinden. Aber das müssen sie auch gar nicht - Windbound glänzt nämlich ganz woanders.

Die Survival-Mechaniken, das Craften, Kämpfen und allem voran das Segeln wirkten in der Gameplay-Präsentation bereits sehr durchdacht und scheinen genau den richtigen Mix aus Zugänglichkeit und Anspruch zu liefern. Wenn Windbound seine Welt zum Release noch etwas füllen kann und einen stimmungsvollen Soundtrack obendrauf legt - dann ist es ein perfekter Einstieg ins Survival-Genre.

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