Wir brauchen mehr Rennspiele, die gar keine sind

Meinung: Racing Games setzen seit Jahren auf die gleichen Platzhirsche. Dabei bietet das Genre so viele andere Möglichkeiten.

von Dimitry Halley,
27.07.2020 17:20 Uhr

Ja, die Glanzzeiten der Reihe sind vorbei: Das letzte Driver war ein Mobile-Spiel über Boote. Seufz. Ja, die Glanzzeiten der Reihe sind vorbei: Das letzte Driver war ein Mobile-Spiel über Boote. Seufz.

Die Driver-Serie war nie wirklich großartig. Und bevor jetzt Menschenhorden mit rosa Nostalgiebrillen anstürmen - ich bin ja bei euch. Ich habe Driver genauso geliebt wie ihr.

Aber der erste Teil dieser Fluchtfahrer-Fantasie litt unter absurden Balancing-Schwächen (das berüchtigte Tutorial zum Beispiel). Der zweite Teil verschlimmerte die Probleme sogar (und lief gefühlt mit 10 Bildern pro Sekunde nur auf der PS1). Und Driv3r plagten furchtbare Zu-Fuß-Passagen, weil man unbedingt im GTA-Windschatten fahren wollte.

Als dann Driver: San Francisco 2011 mit wirklich vielen Stärken an den Start ging, waren reine Story-Racing-Games wie Driver längst von Open-World-Kolossen der Marke GTA verdrängt oder verschluckt. 2015 erhielten wir dann das bisher letzte Driver-Spiel - ein Boot-Rennspiel fürs Handy. Traurig, aber wahr.

Etwa zur Zeit von The Wheelman gings steil bergab mit den Action-Racern: Das Spiel zum gleichnamigen Vin-Diesel-Film war ein gigantischer Reinfall. Etwa zur Zeit von The Wheelman gings steil bergab mit den Action-Racern: Das Spiel zum gleichnamigen Vin-Diesel-Film war ein gigantischer Reinfall.

Driver-ähnliche Spiele erlitten das gleiche Schicksal wie Stealth Games: Sie gingen in einem anderen Genre auf, hier eben in den GTAs und Watch Dogs dieser Welt. Warum soll sich Ubisoft voll und ganz auf ein Fahrzeug-Spiel konzentrieren, wenn die Leute woanders zusätzlich noch Schießereien und grandiose Zu-Fuß-Passagen dazu bekommen?

Ich sage: Weil ein reines Rennspiel, in dem es eben nicht um Turnier-Rennen geht, großartig sein kann. Oder anders: Wir brauchen mehr Rennspiele, die gar keine sind!

Wieso wir mehr Spiele wie Driver brauchen?

Das Racing-Genre wird derzeit von einigen wenigen Platzhirschen regiert. Und die decken das gewohnte Spektrum ab: Simulationsfans schwören auf Assetto Corsa, iRacing und Konsorten. Im Arcade-Sektor dominieren Forza, Need for Speed, Dirt und Co. das Feld. Und hier und da sieht man noch Crash- und Fun-Racer wie Wreckfest. Doch da geht mehr!

Ich vermisse Story-Racer, obwohl sie oft im Gameplay-Department stolperten. Aber die Idee dahinter überzeugt nach wie vor: Gebt mir ein spannendes Fluchtfahrer-Erlebnis, eine Crime-Story wie bei Driver 1 voller Anspielungen auf Bullit, Starsky & Hutch oder den Film Driver (aus dem stammte damals das infernale Tutorial).

Ich will die zum Schneiden dichte Atmosphäre eines Drive (mit Ryan Gosling) oder die Funky Beats eines Baby Driver mal in einem Spiel erleben! Trotz spielerischer Schwächen fühlte ich mich in The Getaway oder Driver eben wirklich wie in einem Heist-Film oder einem Cop-Thriller.

Spotlight - Das furchtbarste Tutorial der Spielelandschaft 6:52 Spotlight - Das furchtbarste Tutorial der Spielelandschaft

Aus Gameplay-Perspektive erschließt sich sofort, warum diese Spiele verschwunden sind: Ein GTA 5 bietet spannende Gangster-Action - und außerdem coole Schießereien. Etwas, das Driver bestenfalls im völlig vergessenen Parallel Lines hinbekommen hat. Wieso also einen Schritt zurück und sich in Open-World-Spielen auf reinen Fahrspaß beschränken? Ist doch objektiv ein Verlust, oder?

Sehe ich anders: So ziemlich jedes Open-World-Spiel der letzten 10 Jahre litt unter einer mauen Fahrphysik. Watch Dogs, Mafia 3, selbst GTA 5 - ja, die Autos fahren von A nach B, aber für sich genommen ist die Cruiserei kein Highlight. Das Gewicht der Muscle Cars im ersten Driver, das filmreife Um-die-Kurve-Driften - hach, es kann so sinnvoll sein, sich auf eine Disziplin zu konzentrieren, statt ein Alleskönner sein zu wollen.

Wieso wir diese Spiele nicht bekommen werden?

Trotzdem mache ich mir nichts vor. Aus Marketing-Sicht gibt's zu viele Gründe, die gegen diese Art Spiel sprechen. Jeder Story-Racer der letzten Jahre ist gescheitert. Erinnert sich noch jemand an Need for Speed: The Run? Mit den Quicktime Events? Driver gerät als Marke immer mehr in Vergessenheit, San Francisco lässt sich nicht mal mehr digital erwerben.

Driver: San Francisco - Test-Video 6:32 Driver: San Francisco - Test-Video

Außerdem: Wenn ich schon ein Rennspiel entwickle, dann gibt es einfach zu viele andere verlockende Trends. Unzählige Racing-Fans wollen gegen Kumpels fahren, Rennen gewinnen, sich mit anderen messen - eine Rennspiel-Festival-Spielwelt wie in Forza oder Need for Speed deckt einfach viel mehr moderne Trendbereiche ab.

Und die Gangster-Fans schnappen sich ihr GTA - hier wird ohnehin bloß ein kleiner Teil der Community verstehen, welchen Reiz ein reines Fahrspaß-Driver gegenüber Open-World-Städten mit Ballerpassagen hat. Schade ist es trotzdem. Für die Vielfalt des Genres wären Story-Racer so eine coole Bereicherung.

Aber wie steht ihr dazu? Erinnert ihr euch überhaupt noch an Driver? Soll die Serie in Frieden ruhen? Oder verdient sie ein Revival? Schreibt mir gerne die Meinung in die Kommentare.

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