Die Gaming-Branche steckt aktuell in der Krise. Die Entwicklungskosten großer AAA-Titel sind in den letzten Jahren stetig gestiegen, gleichzeitig ist die Kauflaune der Kunden nach der Corona-Pandemie drastisch gesunken. Das merken vor allem die großen Marktriesen wie Xbox und Sony.
Nach mehreren Jahren der Annäherung kündigten beide jüngst die Rückkehr der Exklusivtitel an, um wieder gute Verkaufsargumente für ihre Konsolen zu schaffen. Im Fall von Xbox reicht das aber offenbar noch nicht.
Nur wenige Tage nach dem großen Xbox Showcase 2026, bei dem unter anderem mehr zu Fable, Clockwork Revolution und Gears of War: E-Day gezeigt wurde, wandte sich die neue Xbox-Chefin Asha Sharma jetzt mit einem öffentlichen Rundschreiben an die Belegschaft. Sharma hat den CEO-Posten Ende Februar vom langjährigen Xbox-Boss Phil Spencer übernommen und baut Microsofts Gaming-Sparte seitdem radikal um.
Um sich die Spielerschaft wieder gewogen zu machen, nahm Sharma etwa die umstrittene Game-Pass-Preiserhöhung vom Oktober 2025 teilweise zurück, strich den nervigen KI-Copiloten und verschenkte kürzlich sogar Konsolen an besonders treue Fans. Allerdings muss Xbox auch die Kosten senken – und plant dazu einen kompletten Reset
des Spielegeschäfts.
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Schwarzer Tag bei Xbox: DESHALB wirft Microsoft Spiele & Studios weg
Glaubt man dem Rundschreiben, steht es nämlich nicht gut um Microsofts Gaming-Sparte. CEO Asha Sharma schreibt, Microsoft habe in den letzten fünf Jahren 20 Milliarden Dollar investiert. Aktuell sei die Gewinnmarge von Xbox dafür aber mit nur drei Prozent viel zu klein; das könne so nicht weitergehen. Xbox habe sich mit der Masse an Studios und Projekten verzettelt; die Herstellung der Konsolen sei aktuell zu teuer.
Entlassungswelle im Juli
Daher müsse man nun genau prüfen, wofür man künftig Geld ausgeben könne, und gegebenenfalls harte Einschnitte machen. Entlassungen werden in dem Rundschreiben zwar nicht konkret benannt. Es ist allerdings recht klar, dass mit den angesprochenen Sparmaßnahmen auch Kürzungen beim Personal gemeint sind. Entsprechende Gerüchte hatte es bereits in den vergangenen Wochen mehrfach gegeben.
Der Bloomberg-Journalist und Branchen-Insider Jason Schreier berichtet, dass er von namentlich nicht genannten Quellen bei Microsoft erfahren habe, dass die kommende Entlassungswelle nach Ablauf des aktuellen Microsoft-Geschäftsjahres am 30. Juni verkündet werden soll. Dem Bloomberg-Bericht zufolge sollen vor allem die Budgets für Marketing und einige andere Geschäftsbereiche signifikant gekürzt werden. Das Portal The Verge spricht von etwa 1.000 Entlassungen; bestätigt ist das aber nicht.
Die neue Xbox-Strategie
In anderen Bereichen wird die neue Xbox-Chefin dagegen bereits deutlich konkreter. Das Rundschreiben erwähnt fünf strategische Entscheidungen, mit denen Xbox wieder Wind in die schlaffen Gaming-Segel bringen will:
- Comeback der Exklusivspiele: Sharma verspricht die Rückkehr von »Signature Exclusives« wie Gears of War: E-Day und Clockwork Revolution. Jedes Jahr soll es neue handfeste Gründe geben, im Xbox-Ökosystem zu spielen.
- Radikaler Umbau der Hardware-Strategie: Die Preise für Speicherkomponenten sind explodiert. Xbox kann die Konsolen nicht weiterhin mit Subventionen verkaufen, ohne Verlust zu machen. Daher will man das Geschäftsmodell für Konsolen ändern. Was das für die kommende Konsole mit dem Codenamen
Helix
bedeutet, ist noch unklar. Es könnte allerdings gut sein, dass wir künftig Xbox-Hardware sehen, die von Partnern (z.B. Asus, Lenovo) gebaut wird, oder sich der Fokus mehr auf Handhelds oder Cloud-Gaming verlagert. - Klasse statt Masse im Game Pass: In den letzten Jahren hat Xbox Studios wie am Fließband gekauft, um den Game Pass permanent mit neuen Inhalten zu füttern. Die neue Strategie lautet: Die großen, prestigeträchtigen Franchises (Halo, Forza, etc.) sollen wieder die nötigen Budgets bekommen, um absolute Hits zu werden. Kleinere Projekte oder wenig lukrative Reihen dürften dagegen eingestampft werden.
- Technischer Frühjahrsputz: Die aktuelle Plattform-Infrastruktur ist zu unübersichtlich und nicht zukunftsfähig. Xbox will die Zusammenarbeit mit vielen externen Dienstleistern beenden, um Updates und Features auf den eigenen Systemen schneller ausliefern zu können.
- Strikter Sparkurs: Die Zeiten des endlosen Wachstums sind vorbei. In den kommenden Jahren dürfte das Xbox-Management jedes Investment auf die Goldwaage legen. Es wird zu Budgetkürzungen, Projekt-Streichungen oder sogar weiteren Studio-Schließungen kommen.
Diese strategische Kehrtwende werde für das Unternehmen nicht einfach sein, schreibt Sharma. Sie sei allerdings nötig, um Xbox wieder konkurrenzfähig gegenüber Sonys PlayStation und anderen Großpublishern aufzustellen. Zudem macht sich mit Valve aktuell ein weiterer Anwärter auf den Konsolenmarkt im Hintergrund warm.
Da nütze es nichts, unbequeme Wahrheiten zu verstecken oder einfach weiterzumachen, wie bisher, so Sharma. Innerhalb von fünf Jahren will die neue Xbox-Führungsriege ihr Schlachtschiff für den nächsten Konsolenkrieg nun bestmöglich in Schuss bringen.
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