In wenigen Jahren erwartet euch eventuell ein Ereignis, das es seit 5.000 Jahren nicht mehr gab: Der Einschlag eines rund 60 Meter großen Asteroiden auf dem Mond könnte einen Strom von Trümmern aus dem Erdtrabanten schlagen und Richtung Erde driften lassen.
Uns Menschen auf der Erde stünde unmittelbar ein harmloses kosmisches Spektakel bevor, doch vereinzelt droht Gefahr.
Wir ordnen die Lage für euch ein und beschreiben, womit zu rechnen ist. Außerdem verraten wir euch, wann ihr euch 2028 und 2032 etwas im Kalender notieren könnt.
Erde wird verfehlt, der Mond bleibt im Visier
Ende 2024 entdeckten Astronomen den Asteroiden 2024 YR4
: Eine Zeit lang galt eine Kollision mit der Erde als unwahrscheinlich, aber möglich. Ein solcher Asteroideneinschlag auf der Erde wäre durchaus gefährlich.
Dank Hunderten von Beobachtungen und Analysen, unter anderem vom James-Webb- und Hubble-Teleskop, bemessen wir die Wahrscheinlichkeit für einen Eintritt in die Erdatmosphäre nur noch mit 0,0017 Prozent.
Wer sich allerdings eher für einen Einschlag wappnen sollte, ist unser ewiger Begleiter, der Mond. Wie Forscher in einer aktuellen Studie darlegen, liegt die Chance für eine Kollision des Asteroiden mit dem Mond im Dezember 2032 inzwischen bei rund 4,3 Prozent.
Das klingt nach wenig, allerdings ist so eine Wahrscheinlichkeit in der Astronomie durchaus hoch.
Vorneweg: Bitte keine Panik, uns würde das Ereignis in erster Linie einen wunderschönen Nachthimmel zur Weihnachtszeit bescheren.
Ein Einschlag mit der Wucht einer Atombombe
Sollte 2024 YR4 wirklich um Weihnachten 2032 mit dem Mond kollidieren, so käme es zu einer erheblichen Energiefreisetzung: Sie entspräche in etwa der Wucht einer großen Wasserstoffbombe (Fusionsbombe) von rund 6,5 Megatonnen TNT.
Auf dem Mond würde danach ein Krater von rund einem Kilometer Durchmesser zurückbleiben. Für uns auf der Erde aber viel interessanter ist das, was eben nicht auf dem Mond zurückbleibt. Denn mit dem Einschlag würden sich bis zu 100 Millionen Kilogramm Gestein unterschiedlichster Größe lösen – und etwa 10 Prozent davon würden durch die Gravitation ihren Weg Richtung Erde antreten.
Wie genau sich diese Masse namens Ejekta
im All verteilen würde, hängt jedoch stark vom Einschlagsort, wahrscheinlich irgendwo auf der Südhalbkugel des Mondes, ab.
Egal, wo: Es wäre der mächtigste Einschlag auf dem Mond seit 5.000 Jahren.
Ein epischer Meteorschauer
Millionen Kilogramm Mondgestein auf dem Weg zur Erde klingen erst einmal dramatisch. Es bräuchte nach dem Einschlag nur wenige Tage, bis die Brocken unseren Planeten erreichten. Allerdings bestünde für uns auf der Erdoberfläche oder auch Flugzeugen in einigen Kilometern Höhe keine Gefahr:
Wir erwarten keine großen Brocken, vor allem Kleinstmaterial oder auch Staub. Unsere Atmosphäre würde als Schutz ausreichen.
Dr. Paul Wiegert, Professor für Astronomie und Physik an der Western University in London, Ontario (Kanada)
Der Gesteinsregen, der hauptsächlich aus millimeter- bis zentimetergroßen Bröckchen bestünde, würde indes für ein spektakuläres Naturschauspiel am Himmel sorgen. Denn einige Teile würden weit genug durch die obersten Luftschichten stürzen, dass wir ihr finales Verglühen als Sternschnuppe bestaunen könnten.
Interessant zu wissen: Sternschnuppen nennt man im Fachjargon Meteore, nicht Meteoriten. Ein Meteor wird erst zum Meteorit, wenn er auf der Erde oder im Meer einschlägt.
Restgefahr auf dem Mond und im Weltraum bliebe
Auch wenn wir auf der Erde sicher sind, für Satelliten bestünde durch einen Einschlag durchaus Gefahr. Denn auch wenn die Partikel nur 0,1 bis 10 mm groß sind und kaum etwas wiegen, rasen sie mit Tausenden von Metern pro Sekunde durch den Raum.
Träfen sie auf Satelliten, drohten ernsthafte Schäden, wie Dan Oltrogge als Chefwissenschaftler bei COMSPOC gegenüber CNN erklärt. Er beschäftigt sich normalerweise mit Lösungen zum Umgang mit Weltraummüll und weist darauf hin, dass der Schauer uns sehr wohl gefährlich werden könnte:
Der Weltraum und die dortige Infrastruktur berühren heute fast jeden Aspekt unseres Lebens, von Handel über Kommunikation, Reisen, Industrie, Bildung bis hin zu sozialen Medien. Der Verlust des Zugangs zum Weltraum und seiner effektiven Nutzung stellt daher ein ernstes Risiko für die Menschheit dar.
Der hypothetische Meteorsturm würde für unsere Technik im All durchaus eine außergewöhnliche Belastung darstellen: Innerhalb weniger Tage würden unsere Satellitennetzwerke der Gefährdung durch so viele Treffer ausgesetzt werden wie normalerwiese im Zeitraum von zehn Jahren, ergänzt Dr. Paul Wiegert.
Zum sogenannten Kessler-Syndrom könne es jedoch dabei kaum kommen. Darunter versteht man ein theoretisches Szenario, in dem Zusammenstöße von Objekten im Erdorbit immer mehr Trümmer erzeugen. Wenn etwa ein ausgedienter Satellit mit einem Bruchstück kollidiert und in zahlreiche Fragmente zerfällt, könnten die wiederum weitere Zusammenstöße auslösen – eine Kettenreaktion, die langfristig die Nutzung des erdnahen Weltraums erheblich erschweren würde.
Die durch mögliche Einschläge von Mondtrümmern zu erwartenden Schäden sind dafür jedoch zu gering.
Spezialfall Mondmissionen
Separat von der Erde müssen auch Missionen zum und auf dem Mond betrachtet werden. Vor allem die USA, Kanada, Europa und China planen für die 2030er-Jahre neue Einsätze – mit hoher Wahrscheinlichkeit zunächst unbemannte Rover und Sonden, möglicherweise später auch bemannte Missionen. Für solche Projekte könnte eine Kollision von Mondtrümmern eine erhebliche Gefahr darstellen – selbst dann, wenn sie sich weit von der Einschlagstelle befänden.
Denn eine entstehende Trümmerwolke würde voraussichtlich weite Teile der Mondoberfläche und vor allem den Orbit betreffen. Hardware oder Besatzungen im Umfeld müssten geschützt werden oder sich zurückziehen. Wahrscheinlich wäre sogar, dass geplante Vorhaben wie die Artemis-Missionen der NASA in dieser Zeit verschoben oder ganz ausgesetzt würden.
Wie jedoch mit Sonden oder einer möglicherweise bereits im Bau befindlichen Station im Mondorbit (etwa dem Lunar Gateway) umzugehen wäre, bleibt aus heutiger Sicht – im Jahr 2025 – eine offene Frage.
Was ist mit der ISS? Um die Internationale Raumstation müssten wir uns im Fall der Fälle nicht sorgen –denn die wird 2032 längst nur noch aus verbrannten Trümmern am Boden des Pazifiks bestehen. Die aktuelle Zuflucht der NASA, ESA und Roskosmos soll nämlich 2031 kontrolliert abstürzen.
Eine neue Raumstation von NASA/ESA sollte nach aktuellen Planungen im Folgejahr noch nicht vor Ort sein. Allerdings müsste sich China mit ihrer Tiangong auf eine mögliche Gefährdung einstellen.
3:07
Wir zerlegen in Universe Sandbox 2 den Mond - physikalisch annähernd korrekt
Stellare Wächter gesucht
Die Forscher hinter der Studie regen an, die Anstrengungen bei der Überwachung des Weltalls zu intensivieren. Denkbar wäre das durch eine neue Technik, die wir euch vor Kurzem vorgestellt haben: Weltweit verteilte Spiegel, die tagsüber helfen, Strom zu erzeugen – nachts aber zu Asteroidenjägern mutieren könnten.
Ein weiteres Super-Auge in Form eines so nie dagewesenen Observatoriums hat in jüngster Vergangenheit aus Chile heraus seine ersten Testaufnahmen angefertigt – und gleich gezeigt, wie überlegen es allem Bekannten bei der Entdeckung von Asteroiden im Sonnensystem ist.
Doch zum Glück können wir uns wehren: Ein erster Test der NASA zur Asteroidenabwehr zeigte vor einigen Jahren zumindest rudimentäre Fähigkeiten bei der Ablenkung gefährlicher Objekte. Ferner haben Forscher bereits im Labor erfolgreich eine unserer potenziell mächtigsten Waffen gegen riesige Steinbrocken im Labor getestet: Atombomben.
Das nächste Wiedersehen mit dem Asteroiden folgt 2028
Näheres zum möglichen Asteroideneinschlag auf dem Mond können wir 2028 beobachten. Erst dann sind Astronomen wieder in der Lage, neue Einschätzungen zur möglichen Kollision mit dem Mond geben. Denn inzwischen hat sich 2024 YR4
auf seiner stark elliptischen Umlaufbahn in eine Zone des Sonnensystems verzogen, wo wir ihn nur schwer bis gar nicht studieren können.
Die Hauptgründe für sein zeitweises Verschwinden stellen seine geringe Größe, die Rückstrahlung (Albedo) und seine Position relativ zur Sonne dar. Letztere überstrahlt schlicht mit ihrer Helligkeit den Winzling.
Darüber hinaus gilt die potenzielle Gefahr durch 2024 YR4 aus Sicht der Forschungsgemeinschaft inzwischen als hinreichend bewertet – und zwar als sehr gering. Es besteht daher derzeit kein Anlass, die knappen Beobachtungsressourcen auf ihn zu richten. Hochleistungsteleskope wie James Webb oder Hubble wären dafür erforderlich, doch die werden für deutlich spannendere und wissenschaftlich ergiebigere Objekte benötigt.
Also müssen wir noch drei weitere Jahre warten, bevor 2024 YR4 wieder zurück in unser Sichtfeld wandert, bevor er abermals hinter der Sonne verschwindet, um dann in sieben Jahren vielleicht mit der Wucht einer Atombombe den Mond zu erreichen.
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