Fünf Jahre ist es her, dass Byron »Reckful« Bernstein, einer der größten und prägendsten Streamer der WoW- und Twitch-Geschichte, aus dem Leben schied. Für viele in der Community bleibt sein Verlust ein tiefer Einschnitt – nicht nur, weil Reckful ein Ausnahmetalent in World of Warcraft war, sondern weil er als Mensch und Vorbild Spuren hinterließ, die bis heute nachwirken.
Ein Vermächtnis, das Leben rettet
Was Reckful so besonders machte, war nicht nur sein spielerisches Können, sondern seine Offenheit im Umgang mit eigenen Schwächen.
Er sprach öffentlich über seine Depressionen, zeigte sich verletzlich und ehrlich – etwas, das in der Twitch-Szene lange als Tabu galt. Viele Fans berichten noch heute, wie sehr sie sich in seinem Kampf wiedererkannten und wie sehr es ihnen half, sich mit eigenen Problemen auseinanderzusetzen.
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Einer dieser Menschen ist glassen75, der über Jahre als Video Editor und Moderator für Reckful arbeitete und heute auf eigene Kosten einen werbefreien VoD-Kanal als Andenken an den Streamer betreibt. In einem bewegenden Reddit-Thread zum fünften Todestag schildert er, wie Reckful ihm nicht nur den Einstieg in die Branche ermöglichte, sondern ihm auch persönlich den Weg ebnete:
Ich bin nur da, wo ich heute bin, weil Byron mich als Editor eingestellt hat, als ich keinerlei Erfahrung hatte. Später hat er mir sogar ein Empfehlungsschreiben für eine renommierte Filmschule geschrieben – das hat meine Bewerbung enorm gestärkt. Das Mindeste, was ich tun kann, ist, sein Andenken am Leben zu halten.
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Glassen75 berichtet weiter, wie die Arbeit für Reckful ihm nicht nur einen Job, sondern eine neue Perspektive auf das Leben eröffnete. Heute ist er preisgekrönter Kurzfilm-Regisseur – ohne Reckfuls Unterstützung und Vertrauen wäre das kaum möglich gewesen:
Der Start nach der Schule war hart, aber die Jahre bei Byron haben mir echt geholfen. Nach einer Weile wurde mir klar, dass ich mehr machen wollte als nur Content-Editing, weil es schwierig war, damit ein verlässliches Einkommen zu verdienen. [...]
Also habe ich mich der Filmproduktion im Allgemeinen zugewandt und schließlich einen Kurzfilm geschrieben, gedreht und geschnitten, der gerade eine Reihe von Preisen gewonnen hat, worüber ich mich sehr freue. Jetzt versuche ich, daraus eine Karriere im Filmgeschäft zu machen! [...]
Ja, ich bin echt stolz auf das, was ich bisher geschafft habe, aber leider ist es immer noch echt schwer, in der Filmindustrie Fuß zu fassen. Ich habe meinen Kurzfilm in Kanada mit einem Studentenvisum gedreht, daher habe ich dort alle meine Kontakte, aber jetzt musste ich zurück nach Hause ziehen und kenne niemanden in der Branche, daher ist es ziemlich hart. Aber am Ende wird es wahrscheinlich schon klappen.
Es sind aber nicht nur enge Wegbegleiter, die Reckfuls Einfluss spüren: Unzählige Menschen auf Reddit erzählen, wie seine Streams ihnen durch dunkle Zeiten geholfen haben. Viele fanden durch ihn den Mut, sich mit eigenen psychischen Problemen auseinanderzusetzen, Hilfe zu suchen oder überhaupt über das Thema zu sprechen.
So schreibt etwa Joelstaz:
Der Kerl hat mir echt geholfen, das Stigma zu überwinden, meine psychischen Probleme zu leugnen. Als ich seinen ersten Live-Talk mit Dr. K gesehen habe, wurde mir klar, dass ich leide und Hilfe brauche. Er hat mir geholfen, meine Depressionen und Ängste anzuerkennen, und dadurch konnte ich in den letzten Jahren daran arbeiten. Ich bin ihm echt dankbar. Er war zwar eine polarisierende Figur, aber er hat in unserer Szene echt was bewegt. Wir werden ihn nie vergessen.
Vielleicht ist das am Ende das größte Vermächtnis, das jemand hinterlassen kann: anderen Hoffnung zu geben, selbst wenn es einem selbst manchmal schwerfällt.

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