Battlefield 5 - Neue Features, falsche Wirkung: Die Alpha bringt mich auf die Palme

Phil hat die Alpha von Battlefield 5 ausprobiert und ist nicht zufrieden: Drei Dinge verderben ihm ganz besonders den Spielspaß.

von Philipp Elsner,
29.06.2018 14:55 Uhr

Startet Battlefield 5 direkt als Panzerwrack? Phil hat in der Alpha drei Probleme mit dem Spiel.Startet Battlefield 5 direkt als Panzerwrack? Phil hat in der Alpha drei Probleme mit dem Spiel.

Nachdem ich die Alpha von Battlefield 5 ausführlich mit den Kollegen getestet habe, bin ich ganz schön enttäuscht. Nicht grundsätzlich vom Spiel – denn Battlefield 5 funktioniert gut und macht Spaß. Sondern davon, wie eigentlich sinnvolle neue Features von fragwürdigen Design-Entscheidungen an die Wand gefahren werden.

1. Icon-Probleme

Das erste große Ärgernis sind die Versorgungspunkte für Luftfahrzeuge. Genau wie Fußsoldaten und Panzer haben auch Flugzeuge in Battlefield 5 nämlich nur begrenzte Munition an Bord und müssen regelmäßig Nachschublager ansteuern, um sich neu zu bewaffnen. Am Boden sind das feste Stationen und Munitionskisten, in der Luft dagegen schweben große Icons, durch die ich einfach hindurch fliege.

Das widerspricht vollkommen dem Ansatz der Entwickler, die Immersion zu stärken und die Handlungen der Soldaten glaubhafter zu gestalten. Für Fußsoldaten gibt es sogar eigene Animationen, wenn sie Munition aus einer Kiste nehmen und Kameraden wiederbeleben!

Vorbei sind endlich die Zeiten, in denen eine "magische Aura" wie von Geisterhand frische Patronen ins Inventar der Spieler befördert oder Lebenspunkte heilt. Zum Reveal betonen die Entwickler, dass sich alles nachvollziehbar anfühlen soll. Wäre es dann nicht auch nur konsequent, wenn Flugzeuge zum Auftanken und Aufmunitionieren auf einem Rollfeld landen und auch wieder starten müssten?

Stattdessen setzt man diese künstlichen Symbole in der Luft als billige Lösung ein, die auch noch den eigentlichen Spielsinn der Munitionsknappheit beseitigt: Besonders starke Elemente wie organisierte Bomber-Crews oder Sniper am Boden müssen regelmäßig ihre vorteilhaften Positionen aufgeben und Nachschub organisieren. Das gibt dem Gegner Raum zum Atmen. Ein Pilot muss jedoch durch die Icon-Mechanik nichts weiter tun, als kurz durch das Symbol zu fliegen und schon kann die Killserie weitergehen. Hier wurde ein Feature einfach nicht zu Ende gedacht, scheint mir.

2. Bau-Probleme

Auch das neue Bausystem ist eine eigentlich tolle Idee, die in der Alpha aber offensichtliche Probleme verursacht. Ja, es macht Spaß, ein zerstörtes Haus mit Sandsäcken, MG-Nestern und Panzersperren wieder zu einer kleinen Festung auszubauen, und es ergibt auch spielerisch Sinn.

Was jedoch keinen Sinn ergibt, ist das Punktesystem hinter dem Bau-Feature. Wer nämlich seine Werkzeugkiste rausholt und munter drauflos hämmert, bekommt für jedes gebaute Objekt Punkte – egal wo es steht und wie sinnvoll (oder eben auch sinnlos) es für das eigene Team ist.

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So verkommt der Aufbau von Befestigungen schnell zum billigen Punkte-Grind. Ich habe mehrmals Spieler beobachtet, die weit abseits der Front und der umkämpften Missionsziele munter vor sich hin werkelten, um gefahrlos Punkte zu farmen. Noch schlimmer: Im Zweifel schadet man mit den Befestigungen dem eigenen Team sogar mehr, als man ihm nützt!

Denn vor allem in Conquest-Modus, wo die Flaggen gerne mal in einem Match zigfach die Seite wechseln, fällt eine mühsam erbaute Stellung innerhalb von Sekunden dem Feind in die Hände. Und der richtet dann das gerade errichtete MG gegen das Team des Kollegen, der es eben noch selbst dort hingestellt hat. Oder nutzt einfach die Deckung von der anderen Seite.

Der Autor: Phil liebt und spielt die Reihe schon seit Battlefield 1942. Dass allerdings sein seit Bad Company so heißgeliebter Rush-Modus in Battlefield V rausfliegt, schmeckt ihm überhaupt nicht. Jetzt müssen die neuen Grand Operations als Ersatz dienen, denn Phil spielt am liebsten Varianten nach dem Prinzip "Angreifer vs. Verteidiger" mit Missionszielen und einem klaren Frontverlauf.

Damit belohnt man potenziell Teilnehmer, die dem gegnerischen Team in die Hände spielen – ein fataler Fehler in einem Teamwork-Spiel wie Battlefield. Denn eigentlich sollten Spieler ja für Aktionen belohnt werden, die der Mannschaft zum Sieg verhelfen.

Auch hier denken die Entwickler eine gute Idee offenbar nicht zu Ende, nämlich den klaren Fokus auf Missionsziele (durch die Platzierung der wichtigen Versorgungskisten an Flaggen) und mehr Teamplay durch Squad-Revives ohne Medic. In der Alpha jedenfalls merke ich deutlich, dass die Spieler einfach nur bauen, weil's dafür Punkte gibt und nicht, weil's taktisch sinnvoll ist.

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3. Spot-Probleme

Ausgehebelt wird in der Alpha auch die eigentlich tolle neue Spotting-Mechanik. Wo man in früheren Battlefield-Teilen ständig auf Q hämmerte und damit die Gegner in einem großzügigen Radius für das gesamte Team markierte, kann man jetzt nur noch statische Marker in der Welt platzieren – egal, ob sich dort ein Feind aufhält oder nicht (man kann also auch "falsch" spotten). Das alte 3D-Spotting gibt es nur noch, wenn Feinde von der Aufklärer-Klasse mit dem Fernglas gesichtet oder durch Unterdrückungsfeuer niedergehalten werden.

Das Ergebnis: Die Soldaten rennen nicht mehr ständig mit roten Dreiecken über den Köpfen herum, stattdessen muss man mehr auf Sicht spielen und darauf achten ob sich in der Umgebung etwas bewegt. Und man kann sich weniger auf die Minimap verlassen. Eigentlich eine tolle Entscheidung, wäre da nicht die übermächtige Flare Gun in der Alpha!

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Mit Versorger und Aufklärer hat gleich die Hälfte der Klassen Zugriff auf dieses Werkzeug. Das Prinzip ist einfach: Man feuert die Leuchtrakete in die Luft, und in einem sehr großen Radius werden sämtliche Gegner automatisch auf der Minimap markiert, bis die Flare erlischt. Weil es reine Fire-and-Forget-Waffen sind, braucht man keinen Skill dafür und muss sich auch nicht in Gefahr begeben.

Schlimmer noch: Das Gadget zerstört sogar große Teile der neuen, entschärften Spotting-Mechanik. Da die Leuchtraketen in der Alpha für die Hälfte der Klassen verfügbar sind, schweben sie meist in großer Zahl über der Karte. Und die Teams spielen doch wieder nach Minimap, anstatt wirklich auf die Umgebung zu achten.

Für mich zeigt die Alpha von Battlefield 5 damit ganz deutlich, dass Dice hier noch einige Baustellen zu beackern hat, wenn die neuen Features zum Release das gewünschte Ergebnis liefern sollen. Denn noch scheitern gute Ideen, die das Spiel eigentlich deutlich besser machen würden, an sich selbst.

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