Letzte Hoffnung Battlefield 6: Sind klassische Multiplayer-Shooter tot?

Dass sich 2021 die Augen vieler Shooter-Fans auf Battlefield 6 richten, hat einen einfachen Grund: Der Bedarf ist groß und die Konkurrenz schläft.

von Philipp Elsner,
25.03.2021 17:21 Uhr

Der Spielmodus Ground War von CoD Modern Warfare fischte mit 64 Spielern in den Gewässern von Battlefield, erreichte aber nie einen ähnlichen Status. Der Spielmodus Ground War von CoD Modern Warfare fischte mit 64 Spielern in den Gewässern von Battlefield, erreichte aber nie einen ähnlichen Status.

Wir sehen es auf Youtube, Social Media und an unseren Abrufzahlen auf GameStar.de: Der Hype um Battlefield 6 ist jetzt schon gigantisch. Dabei ist über das Spiel nur wenig bekannt. Niemand kann sagen (oder auch nur verlässlich einschätzen), ob es eine große Enttäuschung oder ein Megahit werden wird. Trotzdem gilt BF6 schon jetzt als der große Hoffnungsträger für ein ganzes Genre. Aber warum ist das so?

Ich behaupte: Die Vorfreude und das Interesse sind vor allem deshalb so riesig, weil auf dem Markt der klassischen Multiplayer-Shooter ein absolutes Vakuum herrscht. Die Fans sind ausgehungert nach unkomplizierter Action, großen Team-Gefechten und Schlachtfeld-Atmosphäre. Und Battlefield 6 hat in dieser Hinsicht den Luxus, fast vollkommen alternativlos dazustehen.

Alle wollen, keiner liefert

Anders als beim Niedergang der Arena-Shooter in den 2010er-Jahren ist aber nicht die mangelnde Nachfrage Schuld an der aktuellen Dürreperiode im Genre.

Während das Interesse an Spielen wie Unreal Tournament schlicht abgeebbt war (das neue UT wurde 2018 eingestellt, Quake Champions dümpelt mit winzigen Spielerzahlen vor sich hin und LawBreakers starb nach einem Jahr), wären Shooter á la Battlefield eigentlich sehr gefragt. Nachschub ist aber kaum vorhanden.

Der Autor

Als Multiplayer-Fan hat Phil fast alle Hochs und Tiefs des Genres der letzten Jahrzehnte mitgemacht - von der glorreichen Blütezeit von Quake und UT, über den Hero-Shooter-Hype bis hin zum Battle-Royale-Fieber. Dabei hat normalerweise stets ein Trend den nächsten abgelöst. Doch jetzt steht das Genre in seinen Augen zum ersten Mal vor einer großen Kluft: Wohin geht die Reise als nächstes? Antworten scheint keiner zu haben. Nach sechs Jahren R6 Siege, drei Jahren BF5 und viel Ärger um Warzone steht für Phil aber fest: Der nächste große Sandbox-Multiplayer-Shooter ist überfällig. Jetzt muss ihn nur noch jemand entwickeln.

Dass der Bedarf aktuell größer ist als das Angebot, beweist zum Beispiel Star Wars: Battlefront 2 mit seinem großen 2021-Revival sehr eindrucksvoll. Woher der Erfolg so plötzlich kam, erklärt Kollege Dimi übrigens in seinem Video: Battlefront 2 liefert aktuell, was alle anderen Shooter verschnarchen!

Wo sind die Battlefield-Momente hin?

Natürlich ist mir klar, dass es aktuell noch viele andere erfolgreiche Shooter da draußen gibt! Die lassen sich aber fast alle in zwei Kategorien einteilen: Auf der einen Seite steht Battle Royale - ein Phänomen, das die Karten der Shooter-Welt neu gemischt hat.

Fortnite, PUBG, Apex Legends und Co. haben den Markt im Sturm erobert, gesättigt und unzählige Nachahmer inspiriert. Doch langsam aber sicher setzt eine BR-Müdigkeit ein, wie man sehr gut am zähen Start von Hyper Scape sehen kann. Ja, das Genre bleibt beliebt - aber die große Party ist vorbei und wer zu spät kommt, den bestrafen die Shooter-Fans. Woher der Trend überhaupt kommt, erfahrt ihr in unserem Plus-Report:

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Auf der anderen Seite des Spektrums stehen kompetitive Shooter wie Rainbow Six: Siege, CSGO oder Overwatch. Obwohl die meisten dieser Titel alles andere als neu sind (Ausnahmen wie Valorant bestätigen die Regel), bleiben sie nach wie vor beliebt. Durch die taktische Tiefe und den hohen Skill-Faktor profitieren sie von einer überdurchschnittlichen Langlebigkeit.

Chronischer Mangel herrscht dagegen genau in der Mitte zwischen beiden Lagern: Zugängliche Shooter mit einem Fokus auf Atmosphäre und Sandbox-Gameplay. Spiele, in denen ich mich nach Feierabend mit meinen Freunden im Squad austoben, über absurde Stunts lachen oder auch mal koordinierte Angriffe organisieren kann. Doch wohin ich auch schaue: Ein neues Titanfall, Medal of Honor, Planetside, Team Fortress oder Joint Operations (man wird ja wohl träumen dürfen) ist nirgends in Sicht.

Die Zeit ist reif, aber sie wird verschlafen!

Was bleibt, sind Hardcore-Shooter wie Squad, Hell Let Loose oder Escape from Tarkov. Alles zweifellos gute Spiele, für die breite Masse (und entspannte Casual-Runden) dürften sie aber schlicht zu sperrig und anspruchsvoll sein. Im Genre der Mainstream-Shooter klafft deshalb seit einigen Jahren eine gigantische Lücke.

Und die großen Hersteller schaffen es nicht, sie zu füllen: Activision, Ubisoft, Amazon Games & Co. springen lieber auf den überfüllten Battle-Royale-Hypetrain auf, klammern sich an jährliche Releases wie bei Call of Duty oder entwickeln den nächsten Hero-Shooter und wundern sich dann, dass ein Rocket Arena oder Crucible nicht Fuß fassen. Dabei sind all diese Modelle in meinen Augen längst überholt und der Markt reif für die nächste Generation von Shootern.

Viele Fans wünschen sich für Battlefield 6 eine Rückkehr in die Gegenwart. Zuletzt war CoD Modern Warfare mit diesem Setting extrem erfolgreich. Viele Fans wünschen sich für Battlefield 6 eine Rückkehr in die Gegenwart. Zuletzt war CoD Modern Warfare mit diesem Setting extrem erfolgreich.

Wie die aussehen könnte, ist in meinen Augen eigentlich recht eindeutig. Man nehme:

  • Ein beliebtes Setting wie zum Beispiel Sci-Fi oder Modern Military
  • Unkompliziertes Design ohne Inventar-Management oder Survival-Kram
  • Sandbox-Elemente wie Vehikel (oder Mechs), Greifhaken oder ähnliches
  • Anreize für Team- & Squadplay aber ohne E-Sport-Anspruch
  • Einen soliden Update- & Event-Fahrplan, der Spieler bei der Stange hält

Battlefield 5 ist vor allem am letzten Punkt krachend gescheitert, Fortnite & Co. waren schon damals gefühlte fünf Schritte weiter. 2021 hat Battlefield die Chance, endlich ein gutes Service-Spiel zu werden (und fünf andere Dinge zu liefern, um die Marke zu retten).

Aber ob das klappt, ist eigentlich fast schon egal: Um ernsthafte Konkurrenz muss sich BF6 keine Sorgen machen. Schade eigentlich.

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