CoD Warzone braucht Hilfe: 5 Dinge, die komplett schief laufen

Trotz des enormen Erfolgs von Warzone wächst der Druck auf die Entwickler. Denn der Battle-Royale-Shooter steckt in der Klemme.

von Philipp Elsner,
16.01.2021 09:03 Uhr

Warzone ist ein beispielloser Erfolg: Rund 100 Millionen Spieler springen jeden Monat über Verdansk ab und bescherten Hersteller Activision Einnahmen von 700 Millionen Dollar allein im dritten Quartal 2020. Doch trotz solch astronomischer Zahlen steht Warzone schlechter da als zum Release.

Nicht finanziell, sondern in Sachen Spielspaß. Spieler, Streamer und E-Sportler machen ihrem Ärger im Netz Luft und äußern Sorge über die Zukunft des Spiels. Entsprechende Threads, News und Videos sind allgegenwärtig. Der CoD-Youtuber TheseKnifesOnly fasst am 11. Januar zusammen:

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Warum steckt Warzone so sehr in der Klemme und was muss passieren, damit es wieder aufwärts geht? Wir machen eine Bestandsaufnahme der fünf größten Probleme, die dringend beseitigt werden müssen.

1. Cheater

Bis heute hat Warzone ein großes Cheater-Problem. Man landet heute mindestens ebenso häufig in Lobbys mit Hackern wie zum Launch im März 2020. Trotz vermeintlich erfolgreicher Bannwellen, ist die Anti-Cheat-Technik offenbar nicht ausreichend, um saubere Partien zu gewährleisten.

Und die Hacker werden immer dreister, posten ihre erschummelten Siege sogar stolz auf Social Media. Selbst die Profiszene ist nicht vor Betrügern gefeit, wie ein Bericht von Esportstalk.com aufzeigt. Viele Influencer wie zum Beispiel Drift0r warnten bereits im Juli 2020, Activision müsse dringend an einem besseren Erkennungs- und Ban-System arbeiten.

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Passiert ist seitdem offenbar wenig - und das obwohl man mit Warzone Milliarden erwirtschaftet. Während andere Spiele immer wieder neue Initiativen und Maßnahmen gegen Hacker ergreifen, lässt man es in Warzone offenbar mit Einzelfallprüfungen und einem halbgaren Algorithmus bewenden. Gerade für ein Free2Play-Spiel ist dieses Problem besonders fatal, denn gebannte User kommen schnell wieder mit neuen kostenlosen Accounts zurück und plagen weiter ehrliche Spieler.

2. Bugs

Klar, in einem Spiel dieser Größe mit so vielen Waffen, Fahrzeugen und einer Open World entstehen immer irgendwo Fehler. In Warzone wird es allerdings seit geraumer Zeit einfach immer schlimmer und schlimmer - teilweise bis an die Grenze der Unspielbarkeit.

Die Liste der Aufreger ist scheinbar endlos: Spieler schummeln sich mit voller Ausrüstung in den Gulag und nehmen dort wehrlose Mitspieler aufs Korn. Andere verwenden die Stim-Gesundheitsspitze endlos oft - ein Bug, der eigentlich als behoben galt. Und wieder andere User machen sich sogar gänzlich unsichtbar, woraufhin sich die Macher gezwungen sahen, Hubschrauber aus dem Spiel zu entfernen.

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Inzwischen scheint einfach alle paar Tage ein neuer verheerender Bugs aufzutreten. Doch statt sich um Abstürze oder unfaire Spielsituationen zu kümmern, wird mit vollen Händen einfach weiter neuer Content ins Spiel geschaufelt, der dann wiederum andere Probleme verursacht. Warzone braucht deshalb dringend das, was bei Rainbow Six: Siege Operation Health genannt wurde: Eine Reparatur-Phase.

3. Balance

Schon 2020 stolperte Warzone immer wieder Mal über Balance-Probleme, man denke da nur an die oft kritisierten Juggernauts. Seit der Integration von Call of Duty Black Ops: Cold War ist das Gleichgewicht aber vollkommen aus den Fugen geraten. 30 neue Waffen wurden über Nacht veröffentlicht - und kaum eine war wirklich gut für Warzone optimiert.

So brachte das völlig übermächtige DMR-14 dem Spiel den nicht gerade liebevollen Spitznamen "DMRzone" ein und regierte wochenlang die Meta mit eiserner Hand, bis endlich die Erlösung durch einen Nerf kam. Aber auch andere Waffen machen Probleme: Die MAC-10 oder die berüchtigten Diamatti-Pistolen lassen jede andere Knarre fast wie eine Erbsenpistole dastehen.

»Man stirbt einfach superschnell, selbst mit voller Rüstung und […] Warzone fühlt sich inzwischen wie ein Hardcore-Modus an«, kommentiert CoD-Analyst The XclusiveAce in einem seiner Videos.

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Aber nicht nur die Waffen selbst, auch die Attachments des Cold-War-Arsenals sind teilweise in desolatem Zustand. Viele verändern nämlich das Schussverhalten genau entgegengesetzt zu dem, was im Menü angegeben wird - es kann also gut sein, dass eine Mündungsbremse, die eigentlich den Rückstoß senken soll, ihn de facto erhöht!

Manche Aufsätze haben dagegen (ebenfalls entgegen der Menü-Beschreibung) erwiesenermaßen überhaupt keinen Effekt und nehmen lediglich Platz weg. Zu allem Überfluss kam dann auch noch heraus, dass manche Waffen-Blueprints aus dem Ingame-Shop stärker sind als die Basiswaffen - offenbar ein Versehen, das verständlicherweise trotzdem in Pay2Win-Vorwürfe mündete.

4. Technik

Seit der Einführung der Cold-War-Inhalte häufen sich außerdem Berichte über höhere Pings im Vergleich zum Release. Auch wir stellen auf verschiedenen Geräten seit Dezember 2020 häufiger Lags, Verbindungsprobleme und FPS-Einbrüche fest als zuvor.

Zwar lässt sich die genaue Ursache fast unmöglich ermitteln, aber offenbar wurde etwas am Code des Spiels oder an den Servern verändert - auf Kosten der Performance. Dazu kommt der enorm angestiegene Platzbedarf. Die bizarre Menge an Festplattenspeicher schreit geradezu nach besserer Komprimierung und Optimierung:

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Dass es durchaus Möglichkeiten gibt, stellen andere Entwickler unter Beweis - gerade haben die Hitman-Macher mit einer cleveren Methode die Größe ihrer gesamten Trilogie auf unter 100 GB gedrückt.

Die Warzone-Entwickler müssen dringend an einer Verbesserung der Infrastruktur arbeiten, um den Millionen von Warzone-Spielern ein möglichst rundes und ruckelfreies Spielerlebnis zu gewährleisten.

5. Matchmaking

Eine weitere riesige Baustelle von Warzone ist das Matchmaking und die Art, wie das SBMM funktioniert. Was SBMM ist und warum es so oft kritisiert wird, erklären wir in einem eigenen Artikel:

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Seit geraumer Zeit tricksen sich Spieler in Lobbys mit Gegnern unter ihrem Skill-Niveau - und nutzen das System schamlos aus, um vermeintliche Kill-Rekorde aufzustellen, Turniere zu gewinnen oder besonders beeindruckende Clips aufzuzeichnen.

Unter Spielern hat dieses sogenannte "Reverse Boosting" einen Sturm der Entrüstung ausgelöst, denn während reguläre User um jeden Kill und jeden Sieg meist sehr hart kämpfen müssen, mogeln sich vor allem Profis in Matches gegen viel leichtere Kontrahenten. Erst die tiefe Analyse von Youtubern wie Drift0r oder JGOD brachte die ganze Kontroverse ans Licht:

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Knackpunkt an SBMM ist dabei die mangelnde Transparenz. Der CoD-Experte TheXclusiveAce fasst das Problem in seinem Video so zusammen:

"Eine Bronze-Lobby und eine Platin-Lobby sind ein himmelweiter Unterschied. Das Spiel teilt mir aber gar nicht mit, auf welchem Niveau ich eigentlich bin! Stattdessen muss man auf externe Tools wie SBMMWarzone zurückgreifen. Und weil es kein Ranked-System gibt, kann ich auch nicht auf einen höheren Matchmaking-Rang hinarbeiten. Wenn SBMM bleiben soll, dann muss es auch ein Belohnungs-System geben, das Spielern den Anreiz liefert, in höhere Ligen aufzusteigen."

Sich zu verbessern, fühlt sich deshalb aktuell in Warzone einfach nicht befriedigend an. Denn man bekommt sofort härtere Gegner vorgesetzt, ohne dass das Spiel einen Aufstieg signalisiert. Die Lösung kann nur die Abschwächung des strikten SBMM-Systems oder die Einführung eines Ranked-Modus sein.

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