Eins meiner liebsten Spiele-Genres wird sträflich unterschätzt! Alle paar Schaltjahre mal, wenn alle bayerischen Feiertage auf ein Wochenende fallen und die neun Planeten (#justiceforpluto) in einer Reihe perpendikulär zum Nordpol der Sonne stehen, schafft ein Rätselspiel den Durchbruch: 2025 war es wieder soweit und Blue Prince wurde bei den Game Awards für das GOTY nominiert.
Dass so ein Meilenstein sofort eine ganze Welle an neuen Rätselspielen losschlägt, war ja klar. Beim Stöbern im Steam Next Fest bin ich über Rivage gestolpert, das von einigen im Internet bereits als »das nächste Blue Prince« gefeiert wird. Ob es wirklich an das grandiose Rätselspiel rankommen kann, sehen wir zu Release – aber die Demo lässt mir zumindest schon ordentlich das Wasser im Mund zusammenlaufen.
Worum geht's in Rivage?
Wir schreiben das 25. Jahrhundert, die Erde hat ausgedient und die Menschheit sucht verzweifelt nach einem neuen Zuhause. Der vielversprechende Kandidat: ein Planet namens Vesta. Doch als die Forschungsstation Ares im Orbit eintrifft, um die neue Welt zu untersuchen, wird sie kurzerhand von einem mysteriösen Raumphänomen verschluckt. Mittendrin stecke ich in der Rolle von Miranda. Als ich auf der Station erwache, herrscht Totenstille. Meine Crew ist spurlos verschwunden, irgendetwas ist hier massiv schiefgelaufen – und zu allem Überfluss hänge ich in einer Zeitschleife fest.
An genau diesem Punkt blitzt auch schon die offensichtliche Parallele zum großen Vorbild auf. Genau wie Blue Prince ist auch Rivage im Kern ein waschechtes Roguelite-Rätselspiel. Das bedeutet: Ich habe pro Run nur streng limitierte Ressourcen zur Verfügung. Wo mir in Blue Prince irgendwann die Schritte ausgingen, kämpfe ich hier um die knappe elektrische Ladung der Station.
Viele Aktionen ziehen Saft – ob ich nun Türen öffne oder elektronische Geräte bediene, alles verbraucht wertvolle Energie von meinem mickrigen Startkapital von gerade mal vier Ladungen.
Ist die Batterie leergesaugt, fällt der gesamte Strom auf der Station aus und ich werde aus vielen Bereichen ausgesperrt. Dann bleibt mir nur der Gang zu einem kuriosen Retro-Spielautomaten, über den ich den Start eines neuen Loops einleite und alles von vorn beginnt.
Rivage Demo auf SteamNeustart mit Fortschritt
Als ich auf der Station erwache, herrscht Totenstille. Meine Crew ist spurlos verschwunden ... Moment mal ... fange ich jedes Mal wirklich komplett von vorne an? Zum Glück nicht ganz! Zwar wird die Station nach jedem Durchgang gnadenlos zurückgesetzt – Sicherheitstüren verriegeln sich wieder und geknackte Mechanismen springen in ihren Ursprungszustand zurück –, aber mein gesammeltes Wissen bleibt mir erhalten.
Wichtige Passwörter oder essenzielle Schlüssel-Items wie Zugangskarten nehme ich einfach in den nächsten Run mit. Das bedeutet: Ich verschwende meine kostbaren Stromladungen nicht doppelt für bereits gelöste Probleme, sondern sprinte direkt zu dem Punkt, an dem ich zuletzt gescheitert bin. Sobald dieses System in meinem Kopf nach anfänglicher Verwirrtheit richtig »Klick« macht, entsteht ein toller Spielfluss und ich kann mich voll auf die Rätsel stürzen. Und die machen unfassbar viel Spaß!
Teilweise serviert mir das Spiel ganz klassische Kopfnüsse. Ich suche etwa das Passwort für meinen eigenen Computer. Dank eines Hinweises weiß ich, dass es der Titel meines Bestseller-Romans ist, der praktischerweise direkt neben der Tastatur liegt. Ein anderes Mal stehe ich vor einer mechanischen Apparatur, die mir nach einigem Tüfteln ein Muster ausspucken, das sich wiederum als Code für ein Bedienfeld entpuppt.
Doch Rivage punktet vor allem dann, wenn es so richtig kreativ wird. Um beispielsweise eine defekte ID-Karte zu reparieren, brauche ich den dazugehörigen Barcode. Blöd nur, dass der auf der Karte völlig zerkratzt ist ... wo auf der Station könnte ich also den fehlenden Rest auftreiben?
An anderer Stelle scheitere ich an einem Audiolog in der Ausstellungshalle, das in rasender Geschwindigkeit abgespielt wird. Ich verstehe kein einziges Wort – bis mir auffällt, dass exakt in diesem Raum eine der seltsamen Raumanomalien schwebt, die alle Geräusche in meiner unmittelbaren Umgebung verlangsamt. Rivage lässt mich schon in der Demo hier und da um die Ecke denken und das macht mir Hoffnung auf viele schöne Knoten-im-Kopf-Momente in der finalen Version.
Ob Rivage am Ende tatsächlich den gewaltigen Thron von Blue Prince erklimmen kann, wird sich natürlich erst noch zeigen müssen. Was das große Vorbild schließlich zu einem solchen Meisterwerk machte, war nicht nur die Roguelite-Mechanik, sondern vor allem die schier bodenlose Tiefe. Jedes Mal, wenn ich überzeugt war, das Ende erreicht zu haben, riss das Spiel nur den nächsten, noch tieferen Schlund vor mir auf.
Auf den ersten Blick macht Rivage aber schon vieles richtig und ich freue mich auf den vielversprechenden Rätsel-Nachschub am 13. August 2026.
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