Eigentlich blicke ich nach dem Release eines neuen CoD-Teils nicht mehr zurück. Der Grund ist simpel: Freunde und Kollegen spielen lieber den aktuellen Teil, als die alten Kamellen der Vorjahre, denn neuen Season-Content und Battle-Pass-Fortschritt gibt’s nur für das aktuelle Spiel.
Insofern war es für mich ein ungewöhnlicher Schritt, im Jahr 2025 zu einem sechs Jahre alten Call of Duty zurückzukehren.
Aber sobald ich meine ersten Matches in Modern Warfare von 2019 hinter mir hatte, wurde mir schlagartig klar, wie viel Gutes seitdem verloren gegangen ist.
MW zu spielen fühlt sich für mich an, wie nach Hause zu kommen.
Es ist eine seltsam vertraute Umgebung, randvoll mit positiven Erinnerungen. Aber nicht nur die reine Nostalgie ist schuld daran, dass ich mich auf Arklov Peak und Gun Runner sofort heimischer fühle, als es jemals mit Black Ops 6 oder Cold War der Fall war.
Ein SpecOps-Spektakel
Stattdessen setzt die Erkenntnis ein, dass seit Modern Warfare vieles an CoD tatsächlich schlechter und nicht besser geworden ist.
Das fängt bei der Stimmung an: In Modern Warfare springen mir keine Ninja Turtles, kein Terminator und keine Anime-Figuren aus Attack on Titan ins Gesicht. Halleluja.
Stattdessen sprinten hier noch glaubhafte Soldaten in taktischer Ausrüstung übers Spielfeld – und es ist unglaublich, wie sehr es plötzlich die Immersion steigert, wenn die Charaktere tatsächlich in diese Welt zu gehören scheinen und nicht wie Fremdkörper wirken.
Der Grafikstil, die Animationen und sogar der Sound von MW vermittelt mit, dass ich Teil eines SpecOp-Spektakels bin. Ich fühle mich wie in der TV-Serie SEAL Team und nicht wie in einer Folge Happy Tree Friends.
24:15
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Boots on the ground
Noch deutlich verstärkt wird die Immersion dadurch, dass nicht alle fünf Sekunden ein Gegner völlig wild um die Ecke rutscht, springt, hechtet. Stattdessen ist MW geerdet, die Spielfiguren wirken, als hätten sie ein echtes Gewicht.
Es ist ein Gefühl, das CoD in den letzten Jahren sukzessiv abhandengekommen ist und gipfelte in dem übertriebenen Omnimovement von Black Ops 6, mit dem Spieler gefühlt mehr Zeit in der Luft verbringen als am Boden.
Für die Waffen gilt das Gleiche: Ich war erstaunt, wie cool und auch nachvollziehbar der Mix aus sehr schneller TTK und vergleichsweise starkem Waffenrückstoß heute wirkt.
Plötzlich muss ich meine Waffen wieder wirklich kontrollieren und auf Feuerstöße wechseln, um effektive Treffer zu erzielen. Disziplin am Abzug ist gefragt.
Das wirkt weniger eindimensional als heute: In moderneren CoDs kann ich dank geringem Rückstoß und gefühlt fünfzehn Millionen Attachements einfach stumpf mein Dauerfeuer gedrückt halten.
Die Seele von CoD
Mehr Köpfchen ist auch gefragt, wenn ich Gegner überhaupt erstmal finden will: Im Gegensatz zu jedem anderen Call of Duty werden in MW 2019 keine feindlichen Schüsse automatisch auf der Minimap angezeigt. Eine ungewohnte, aber willkommene Umstellung!
Ich muss plötzlich wieder auf Schritte und Explosionen lauschen, den Kompass im Blick behalten, mich mit Bedacht vortasten und tatsächlich auf die Spielwelt achten, anstatt hirnlos roten Punkten hinterher zu rennen.
Das wirkt taktischer, cleverer und stimmiger, als alles, was CoD in den sechs Jahren danach hervorgebracht hat.
Modern Warfare 2019 wirkt im Jahr 2025 mehr denn je wie ein CoD mit Seele, eigener Identität und einem Setting, das dem Namen noch wirklich gerecht wird. Es legt offen, wie austauschbar und beliebig seine Nachfolger eigentlich geworden sind – visuell und auch in Sachen Atmosphäre.
Ich bereue jedenfalls keine Sekunde meiner Zeitreise und wünsche mir jetzt, wir hätten vieles an MW 2019 noch mehr gewürdigt. Und ich wünschte, Activision hätte nicht so viele gute Entscheidungen von damals so radikal wegrationalisiert.

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