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Seite 2: Test: Ist Crusader Kings 3 der erhoffte Rollenspiel- und Strategietraum?

Attraktiver dank 3D-Charakteren

Die offensichtlichste und eindrücklichste Änderung im Vergleich zum Vorgänger ist indes keine spielerische, sondern eine optische: 3D-Modelle. Sowohl mein Herrscher, seine Familienmitglieder sowie alle anderen KI-Figuren haben jetzt einen Körper, der sichtbar altert - vom kleinen Kind bis zur ergrauten Greisin. Die Körperhaltung gibt dabei Aufschluss über die Eigenschaften, ein irrer König guckt eben auch … irre.

In diesem Leben hat sich meine Oberflächlichkeit bei der Partnerwahl ausgezahlt. Mein kleiner Fratz ist wunderschön! Sieht man, gell? In diesem Leben hat sich meine Oberflächlichkeit bei der Partnerwahl ausgezahlt. Mein kleiner Fratz ist wunderschön! Sieht man, gell?

Und das sieht richtig klasse aus! Vor allem schöpfen die Modelle aus einem großen Pool an Versatzstücken, sodass ich im Test nie das Gefühl hatte, ein Gesicht schon mal wo gesehen zu haben - mit Ausnahme der hochnäsigen Visage von diesem Herzog, der schon zweimal in meinem Verlies gesessen hat und trotzdem schon wieder einen Aufstand gegen meine fürsorgliche Herrschaft anzettelt! Endlich habe ich das Gefühl, ein modernes Spiel vor mir zu haben und keine Tabellenkalkulation mit Grafikelementen. Das hilft dem Kopfkino ordentlich auf die Sprünge.

Leichterer Einstieg dank Kontext

Die zeitgemäße Grafik hilft Einsteigern jedoch nicht dabei, das Spiel zu verstehen. In einem Europa Universalis 4 oder auch einem Civilization 5 ist man zu Beginn oft überfordert ob der vielen Möglichkeiten. Bei Crusader Kings ist jedoch nicht nur die schiere Anzahl an Menüs ein Problem, sondern auch die Komplexität der Zusammenhänge.

Dafür haben sich die Entwickler eine neue Kontextualisierung der Informationen ausgedacht. Ähnlich wie bei einem Wikipedia-Eintrag sind in jedem Menü oder Event alle wichtigen Stichworte »verlinkt«. Wenn ich beispielsweise einen Untertanen um Geld erpresse, erhalte ich »Schrecken«. Früher hätte ich jetzt im Wiki nachsehen müssen, was das bedeutet.

Der Pergament-Kartenmodus macht schon was her. Nicht dass es verkehrt wäre, aber Bayern ist doch irgendwie größer als sonst, oder? Der Pergament-Kartenmodus macht schon was her. Nicht dass es verkehrt wäre, aber Bayern ist doch irgendwie größer als sonst, oder?

Bei Crusader Kings 3 fahre ich einfach mit der Maus über das Stichwort und mir wird per Textfenster erklärt, dass meine Vasallen weniger schnell aufbegehren, wenn mein Herrscher einen hohen Schreckens-Wert aufweist. Auch in dieser Erklärung sind dann wieder alle wichtigen Worte verlinkt, sodass ich per Einrastfunktion (drei Sekunden mit der Maus auf dem Stichwort bleiben) die Informationskästen theoretisch unendlich stapeln kann.

Die vielen Informations-Verknüpfungen helfen darüber hinaus auch beim Auffinden der handelnden Personen und Provinzen. Wann immer ich mit der Maus über das Modell einer Figur fahre, wird auf der Karte angezeigt, über welche Gebiete diese herrscht und ein Informationskasten gibt Auskunft über die Art der Beziehung zu mir, über Religion, Kultur, Alter, Dynastie und Ehepartner. Brauche ich noch mehr Details, klicke ich auf das Modell und lande direkt im entsprechenden Charaktermenü. Auf dieselbe Weise springe ich auch bequem zu erwähnten Provinzen.

Auf Provinzebene enttäuscht die Grafik. So gut wie keine optischen Details oder Hinweise zeigen, welche Provinzen es zu erobern lohnen würde. Auf Provinzebene enttäuscht die Grafik. So gut wie keine optischen Details oder Hinweise zeigen, welche Provinzen es zu erobern lohnen würde.

Bekannt, aber nicht minder nützlich sind die in Paradox-Spielen üblichen Pop-Up-Hinweise am oberen Menü-Rand, die mich meist auf die drängendsten Missstände oder ausstehenden Handlungen hinweisen. Stirbt beispielsweise ein Ratsmitglied, erscheint sofort ein Hinweis, dass der Posten neu besetzt werden sollte. Neu und hilfreich ist dabei das Vorschlags-Menü, das beispielsweise auf Titel hinweist, die ich oder meine Nachkommen erben könnten, oder auf unzufriedene Vasallen, mögliche Kriegserklärungen, Lösegeldforderungen oder oder oder. So sehen vor allem Einsteiger auf einen Blick, was gerade lohnende Aktionen wären.

Wo Kontext nix nützt

Die Verlinkungen sind eine wirklich tolle Sache, gleichzeitig darf man das Ganze auch nicht überbewerten. Wikipedia ist schließlich auch nicht die spannendste Art und Weise, sich Wissen anzueignen. Ausdauer ist also immer noch gefragt. Außerdem kann das Kontextsystem nicht alles erklären. Die großen Frustmomente, die immer dann entstehen, wenn eine Entscheidung oder ein Vorgang nicht vorhersehbare, fatale Folgen hat, sind in Crusader Kings 3 praktisch eins zu eins genauso vorhanden wie in Teil zwei.

Das hängt vor allem mit dem Titel- und Erbschaftssystem zusammen, das einerseits die Basis der großen spielmechanischen Flexibilität von Crusader Kings 3 darstellt, andererseits aber auch ungemein komplizierte Sondersituationen entstehen lässt, die ein Informationskasten im Vorhinein kaum erklären kann. Dafür gibt es zu viele ineinandergreifende Faktoren: Geht es um einen Kaiser, König, Herzog, Graf, Baron, Bischof oder Bürgermeister? Republik, Theokratie oder Monarchie? Stamm, Feudalreich oder Clan? Erbteilung, Primogenitur oder Wahl? Um Mann oder Frau oder Kind?

Die Events sind teilweise langweilig und überbordend. Es ist wirklich egal, ob Gräfin Rhodanthe 30 Meinung von Bürgermeister Dorotheos verliert oder andersherum. Die Events sind teilweise langweilig und überbordend. Es ist wirklich egal, ob Gräfin Rhodanthe 30 Meinung von Bürgermeister Dorotheos verliert oder andersherum.

All das ist relevant bei der stets zentralen Frage, wer was bekommt, wenn ein Krieg endet oder Charakter XY stirbt. Hier lernt man einzig und allein durch frustvolle Erfahrung, auch weil das Spiel trotz Kontextmenüs noch immer entscheidende Informationen vorenthält oder zumindest nicht aktiv darauf hinweist. Ein deutlicher Fortschritt ist das zusätzliche Informationsangebot aber allemal. Genau wie die 3D-Modelle der Charaktere hat das aber keinerlei spielmechanische Auswirkungen.

Jetzt auch mit Rittern

Eine der Eigenheiten von Crusader Kings war immer, dass Ritter keine Rolle spielten, obwohl das bei der Simulation eines ganzen Hofstaats doch eigentlich sehr nahe läge. Crusader Kings 3 hat sich dafür jetzt etwas überlegt. Je nach Charakterfokus und Reichsgröße verfügt ein Herrscher über ein halbes bis einige Dutzend Ritter.

Diese rekrutieren sich aus allen verfügbaren Charakteren am Hof. Ich kann männliche Vasallen, Familienangehörige und Höflinge zu Rittern machen, sodass sie im Krieg als schlagkräftige Sondereinheiten an meinen Schlachten teilnehmen. Wie gut sie sich dabei schlagen, hängt von ihrem persönlichen Kampfgeschick ab.

Durch einen Staatsstreich ist es gelungen, kampflos Kaiser des Byzantinischen Reichs zu werden. Dadurch bin auch außerdem zum Kulturoberhaupt geworden und darf nun über die kommenden Forschungsbemühungen der griechischen Kultur bestimmen. Durch einen Staatsstreich ist es gelungen, kampflos Kaiser des Byzantinischen Reichs zu werden. Dadurch bin auch außerdem zum Kulturoberhaupt geworden und darf nun über die kommenden Forschungsbemühungen der griechischen Kultur bestimmen.

Doch Vorsicht: Die Charaktere begeben sich in Lebensgefahr und können jederzeit sterben. Hier wiederholt Paradox einen altbekannten Fehler, der schon im Vorgänger dazu geführt hat, dass ich Herrscher nur zu Generälen machte, wenn ich sie loswerden wollte. Die Wahrscheinlichkeit für einen Tod in der Schlacht ist viel zu groß.

Bei normalen Typen kein Problem, wenn aber zwei meiner drei Söhne in derselben Schlacht draufgehen, ist das ungeschicktes Gamedesign. Denn das führt einzig und allein dazu, dass ich jedem neuen Verwandten manuell verbiete, Ritter zu werden. Das Spiel macht nämlich automatisch jeden zum Elitekrieger, der genügend persönliches Kampfgeschick aufweist.

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