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Test: Ist Crusader Kings 3 der erhoffte Rollenspiel- und Strategietraum?

Wir klären im Test, wie sich das Mittelalter-Globalstrategiespiel im Vergleich zum Vorgänger schlägt und ob es Einsteiger wieder schwer haben.

von Reiner Hauser,
31.08.2020 16:00 Uhr

Crusader Kings 3 im Test - Wenn ihr noch nie Paradox gespielt habt - tut es jetzt! 15:29 Crusader Kings 3 im Test - Wenn ihr noch nie Paradox gespielt habt - tut es jetzt!

Längst wisst ihr, die Spielerinnen und Spieler, was gemeint ist, wenn von »so einem Paradox-Spiel« die Rede ist. Ein Gigant unter Zwergen ist Paradox Interactive in seiner selbst mitgebauten Globalstrategie-Nische geworden. Freilich gibt sich der schwedische Publisher und Entwickler damit nicht zufrieden und ist seit Jahren auf der Suche nach seinem ganz eigenen Heiligen Gral: Der Zugänglichkeit zu ihren hochkomplexen und umfangreichen Strategiespielen.

Zum ersten Mal gelang es mit Stellaris, einige dieser Einstiegshürden aus dem Weg zu räumen, nun soll das auch bei Crusader Kings 3 klappen. Doch wie die Gralssuche scheint das ob der Komplexität beinahe ein unmögliches Unterfangen zu sein, ein Weg gepflastert mit Hindernissen und Herausforderungen. Dieser Test verrät euch, wohin die Reise im dritten Teil der Mittelalter-Reihe geht, und warum manchmal noch tiefgreifendere Veränderung nötig wäre, um die Ziele des Publishers zu erreichen.

Guides bei GameStar Plus

Um euch beim Einstieg in Crusader Kings 3 zu helfen, haben wir mehrere Guides verfasst:

Der Autor
Reiner Hauser hat ein krudes Faible - in historischen Strategiespielen lässt nichts sein Herz höher schlagen, als das Römische Reich wiederherzustellen oder vor dem Untergang zu bewahren. Das hat er bislang in Crusader Kings 2, Europa Universalis 4, Total War: Attila, Civilization 5 (im Szenario »Der Fall Roms«) hinbekommen, und das wird ihm auch in Crusader Kings 3 wieder gelingen. Dafür spielt er jetzt nach dem Test eifrig privat weiter. Alles nur für den Senat und das Volk Roms! Oder so…

Für GameStar Plus hat Reiner kürzlich bereits Europa Universalis 4, Stellaris sowie Crusader Kings 2 nachgestestet und neu bewertet.

Globalstrategie-RPG?

Gleich vorneweg: Crusader Kings 3 ist im Kern noch dasselbe Spiel wie sein Vorgänger, im Guten wie im Schlechten. Das Geschehen erstreckt sich über weite Teile des Mittelalters von wahlweise 867 oder 1066 bis ins Jahr 1453. Anders als in anderen Globalstrategiespielen übernehme ich aber nicht direkt eine Nation oder Kultur, sondern bestimme über die Geschicke einer herrschenden Dynastie.

Typisch. Da möchte man nur eben ein Herzogtum in Anatolien erobern, da erbt ausgerechnet jene Herzogin das Byzantinische Kaiserreich und hat da mal eben 6000 Truppen mehr! Typisch. Da möchte man nur eben ein Herzogtum in Anatolien erobern, da erbt ausgerechnet jene Herzogin das Byzantinische Kaiserreich und hat da mal eben 6000 Truppen mehr!

Verliert diese die Kontrolle über alle ihre Gebiete oder stirbt das Adelsgeschlecht sang und klanglos aus, ist das Spiel vorbei. Einerseits kümmere ich mich also um den Ausbau des Reichs sowie die Eroberung neuer Gebiete, andererseits beschäftigen mich Themen wie Familienplanung sowie die Charakterentwicklung des Herrschers und seiner Verwandten.

Jeder Charakter im Spiel verfügt über Werte in Kriegskunst, Diplomatie, Verwaltung, Intrige und Bildung. Diese werden von Persönlichkeitsmerkmalen wie Gier, Fleiß, Tapferkeit und vielen anderen bestimmt, die sich wiederum von Geburt an vor allem durch Zufallsereignisse und die zugehörigen Entscheidungen entwickeln. Auf Basis der Werte lässt sich das Reich auf die eine oder andere Weise zum Erfolg führen. Mit einem fähigen Verwalter sprudeln die Einnahmen, ein genialer Kriegsherr erhöht die Schlagkraft des Heeres, und ein Intrigenspinner räumt seine Kontrahenten auf ganz undiplomatische Weise aus dem Weg.

Hier kommt auch das Attentatssystem zum Tragen, für das ich wiederum durch gezielte Spionage oder hilfreiche Zufallsereignisse erlangte Druckmittel einsetzen kann. Ich erwische den Herzog von Burgund in flagranti mit einer Dame, die so gar nicht nach seiner Ehefrau aussieht? Na, dann erpresse ich ihn doch einfach, mich beim Mord am Kaiser zu unterstützen, unserem gemeinsamen Lehnsherrn. Außerdem kann ich Mitglieder am Hofe des Opfers bestechen, damit sie sich den Mordplänen anschließen. Es sei denn, das Opfer ist ohnehin unbeliebt, dann strömen die Mitverschwörer ganz freiwillig herbei.

Bei Crusader Kings... Natürlich gibt es auch in Crusader Kings 3 wieder Kreuzzüge und auch...

...ist der Name Programm … Kreuzritterkönige. In diesem Fall meine Tochter, da ich am meisten zur Eroberung Jerusalems beigetragen hatte.

Die Fähigkeiten des aktuellen Herrschers wirken sich zudem auf den Ausgang von Events aus. Je gebildeter die Frau oder der Mann, umso höher die Chance, etwa einen alten Folianten zu übersetzen und dafür Prestige oder Pietät zu gewinnen - neben dem klassischen Gold die beiden Währungen im Spiel. Mit Gold bezahlen wir Truppen, bauen Provinzverbesserungen oder bestechen andere Personen, die dann auf unterschiedlichste Weise nützlich sein können.

Modding
Paradox befürwortet und fördert seit jeher die Kreativität der Community. Daher wird da Modding auch in Crusader Kings 3 wieder aktiv unterstützt. Wie im Forum des Entwicklers nachzulesen ist, wurden die Möglichkeiten für Hobby-Programmierer sogar erweitert. Ihr dürft euch also schon in absehbarer Zukunft auf die ersten kostenlosen Inhalte freuen, denn die nächste Game-of-Thrones-Mod kommt bestimmt.

Treibt der Herrscher hingegen etwas Unmoralisches oder Gesetzloses, bezahlen wir stattdessen mit der pro Charakter angesammelten religiösen Pietät oder dem weltlichen Prestige, je nachdem ob die Aktion eher strafbar in den Augen Gottes oder der Mitmenschen ist. Möchten wir uns beispielsweise scheiden lassen, geht das aufs Konto der Pietät. Erklären wir ohne echten Grund einen Krieg, kostet das Prestige.

Wenn die Mechanik Geschichten erzählt

Crusader Kings 3 erzählt aufgrund der einzigartigen Mixtur aus Rollenspiel und Strategie wieder sonderbarste Geschichten. Auf Politikebene entstehen selbst ohne das Zutun des Spielers in jeder Partie einzigartige Situationen, einfach aufgrund der dynamischen Simulation im Hintergrund. Da herrscht dann schon mal Bayern über ganz Deutschland und Schottland schluckt zwei Drittel der britischen Insel, während es nebenbei die Wikingerinvasion zurückschlägt.

Jeder Charakter kann aus fünf Lebensschwerpunkten wählen. Wird er alt genug, schafft er es ungefähr, drei der fünfzehn Talentbäume zu komplettieren. Jeder Charakter kann aus fünf Lebensschwerpunkten wählen. Wird er alt genug, schafft er es ungefähr, drei der fünfzehn Talentbäume zu komplettieren.

Aus Rollenspielsicht ist ebenso alles beim Alten geblieben. Mal wird die Familienfeier etwas merkwürdig, weil meine Schwester mir erklärt, dass sie ein Kind von mir erwartet. Ein andermal verrät mich mein Spionagemeister und erzählt der ganzen Welt von meinen unbedeutenden Sünden wie Ehebruch, Bestechung, Kriegstreiberei und was sich sonst so im Leben einer gerechten, zufriedenen und großzügigen Herrscherin ansammelt.

Den Lebensweg meines Hauptcharakters kann ich nun zudem noch detaillierter bestimmen, nämlich über Talentbäume wie - genau - in einem Rollenspiel. Statt wie vorher nur aus einer von zehn Spezialisierungen zu wählen, gibt's jetzt 15 richtige Talentbäume, drei pro Charakterwert. Im Bereich Bildung etwa darf ich meine über die Jahre passiv gesammelten Punkte beliebig in den Spezialisierungen Gesundheit, Gelehrsamkeit und Frömmigkeit verteilen.

Die dadurch freischaltbaren Talente sind teilweise enorm mächtig. Im Gelehrsamkeits-Baum erwartet mich zum Beispiel die Fähigkeit »Anspruch kaufen«, mit der ich mir für eine stattliche Summe Pietät sogar Ansprüche auf Königreiche holen kann, ohne dass irgendjemand zuzustimmen braucht oder ermordet werden muss. Investiere ich stattdessen im Bereich Intrige in den Lebenswandel »Verführer«, steigen die Chancen auf außereheliche Affären dramatisch an.

Wie gewonnen... Ich bin der Erbe des Kleinkönigs von Ostsachsen. Ich würde den Erbvorgang gerne beschleunigen. Da ich aber ehrlich und gerecht bin, erhalte ich jede Menge geistiger Anspannung ob meiner bösen Tat …

...so zerronnen … und erleide kurz darauf einen geistigen Zusammenbruch, als auch noch meine geliebte Gemahlin stirbt. Das bringt mir eine der schlechten Eigenschaften Trunkenbold oder Appetitlos ein.

Da diese Boni derart mächtig sind, unterscheiden sich die Jahre unter einem Verwaltungs-Herrscher mitunter deutlich von denen eines Intriganten. Hinzu kommt der neue Religions-Baukasten, mit dem ich meinen Wunschglauben basteln kann. Wie wär's beispielsweise mit religiöser Fleischeslust und rituellem Kannibalismus? Globalstrategisch ist das von geringer Bedeutung, es bereichert aber die rollenspielerischen Möglichkeiten.

Angespannte Persönlichkeiten

Ein weiteres neues, wenn auch nicht so zentrales Element von Crusader Kings 3 ist die sogenannte »Anspannung«. Ein Charakter erleidet Anspannung bei Schicksalsschlägen wie dem Tod eines Kindes, vor allem aber bei Handlungen, die seinen Persönlichkeitsmerkmalen entgegenstehen. Ein gerechter Herrscher verhaftet ungern willkürlich seine Untertanen, und eine ehrliche Königin leidet, wenn sie ein Mordkomplott initiiert.

Als Königin von England muss man schwere Entscheidungen fällen. Da ich wahnsinnig bin (was natürlich immer auf den Blickwinkel ankommt!), erkenne ich, dass Kleidung überbewertet ist. Als Königin von England muss man schwere Entscheidungen fällen. Da ich wahnsinnig bin (was natürlich immer auf den Blickwinkel ankommt!), erkenne ich, dass Kleidung überbewertet ist.



Auf diese Weise muss ich die Eigenschaften meiner Figur tatsächlich berücksichtigen und kann nicht ungestraft den gottesfürchtigen Wohltäter spielen, wenn ich in Wahrheit ein gieriger, zynischer Sadist bin. Die Anspannung äußert sich je nach Intensität in geistigen Zusammenbrüchen, die meiner Figur neue negative Charaktermerkmale verpassen. Sie verringert die Fruchtbarkeit und vor allem die Gesundheit. Abbauen lässt sich der psychische Stress durch Handlungen entsprechend der Persönlichkeit, sowie durch Feste und Jagdausflüge.

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