Cyberpunk 2077: CD Projekt Red ordnet Samstagsarbeit bis zum Release an

Bei CD Projekt Red kommt es bis zum Release von Cyberpunk 2077 zum Crunch für die Mitarbeiter - entgegen ursprünglicher Statements des Entwicklerstudios.

von Vali Aschenbrenner,
30.09.2020 12:00 Uhr

Die Entwickler von Cyberpunk 2077 wurden bis zum November 2020 zu zusätzlichen Überstunden verpflichtet. Die Entwickler von Cyberpunk 2077 wurden bis zum November 2020 zu zusätzlichen Überstunden verpflichtet.

Bei CD Projekt Red fallen in den letzten Wochen vor dem Release von Cyberpunk 2077 nun doch Überstunden an. So wurden die Mitarbeiter des Entwicklerstudios dazu aufgefordert, bis zur Veröffentlichung des Rollenspiels auch samstags zu arbeiten, also sechs Tage pro Woche.

Letztes Update: 12:20 Uhr
Hinzugefügt: Offizielles Statement des Studio-Chefs Adam Bawoski auf Twitter

Das geht aus einem Bericht des US-Magazins Bloomberg hervor, dem eine interne Mail von Adam Bawoski vorliegt - seines Zeichens Leiter des Entwicklerstudios CD Projekt Red.

Darin wird betont, dass die zusätzliche Arbeitszeit notwendig sei, um den finalen Feinschliff von Cyberpunk 2077 zu gewährleisten. Demnach sei intern im Studio kommuniziert worden: »Ab heute befindet sich das komplette Studio im Overdrive.«

Vorgeschriebene Sechs-Tage-Woche bei CDPR

Das bedeute konkret, dass die Mitarbeiter von CD Projekt Red zusätzlich zu ihrer regulären Fünf-Tage-Woche einen Arbeitstag am Wochenende leisten müssen. Rein rechnerisch ergeben sich daraus sieben Tage Mehrarbeit bis zum Release am 19. November, die nach dem polnischen Arbeitsrecht entsprechend bezahlt und ausgeglichen werden müssen. Es kommt also zumindest nicht zu unbezahltem und ungeregeltem Crunch.

Zumindest nicht laut der offiziellen Ankündigung des Studios. Im Bericht von Bloomberg kommt allerdings zusätzlich ein anonymer Mitarbeiter zur Sprache: Demzufolge leistet zumindest ein Teil des Teams bereits seit über einem Jahr zusätzliche Überstunden, die sowohl an Wochenenden als auch nachts erfolgen. Inzwischen äußerte sich Studio-Chef Adam Bawoski auch auf Twitter und bezieht darin direkt zum Bloomberg-Bericht Stellung.

Link zum Twitter-Inhalt

Demnach sei ihm die Entscheidung nicht leicht gefallen, aber notwendig gewesen und stoße auch bei einem Großteil der Entwickler auf Verständnis. In seinem öffentlichen Statement heißt es:

"Diese letzten sechs Wochen sind der finale Sprint für ein Projekt, in das wir alle viel von unserem Leben investiert haben. Es ist uns unfassbar wichtig. Der Großteil des Teams versteht diesen Vorstoß - vor allem, weil wir uns jeden Tag sichtlich der Fertigstellung nähern und das Spiel, auf das wir alle stolz sein wollen, gerade zur Zertifizierung eingereicht haben. Es ist eine der härtesten Entscheidungen, die ich je treffen musste, aber jeder wird für die Überstunden fair entschädigt. Und so wie in den letzten Jahren auch, werden 10 Prozent von unserem Firmenprofit von 2020 direkt unter dem Team aufgeteilt. "

Widersprüchliche Aussagen des Entwicklers

Mit seiner Maßnahme agiert CD Projekt im Widerspruch zu den Aussagen, die das Studio in der Vergangenheit getroffen hatte: Im Mai 2019 wurde den eigenen Mitarbeitern noch versichert, dass es bei der Entwicklung von Cyberpunk 2077 nicht zu verpflichtenden Überstunden kommen werde. Im darauffolgenden Juni bekräftigte CEO Marcin Iwinski dieses Versprechen noch einmal gegenüber Kotaku.

Cyberpunk 2077 wurde bereits zweimal verschoben. Jetzt soll das nächste Rollenspiel von CD Projekt Red am 19. November 2020 erscheinen. Cyberpunk 2077 wurde bereits zweimal verschoben. Jetzt soll das nächste Rollenspiel von CD Projekt Red am 19. November 2020 erscheinen.

Diese Aussagen relativierte Präsident Adam Kicinski (via Polygon) aber bereits im Zuge einer Investorenkonferenz Anfang 2020: Zu diesem Zeitpunkt kam zur Sprache, dass in der finalen Entwicklungsphase von Cyberpunk 2077 Crunch nicht komplett auszuschließen sei.

Die Widersprüchlichkeit der von CD Projekt getätigten Aussagen werden ebenfalls in der internen Email angesprochen, die Bloomberg vorliegt. Badwoski schreibt darin konkret:

"Ich nehme die komplette Gegenreaktion auf diese Entscheidung auf mich. Ich weiß, dass dies im direkten Gegensatz dazu steht, was wir bezüglich Crunch kommuniziert hatten. Es steht im direkten Widerspruch dazu, was ich vor einer Weile selbst noch geglaubt hatte - dass Crunch niemals die Antwort sein sollte. Jedoch haben wir bereits alle anderen Möglichkeiten ausgereizt, um diese Situation zu meistern."

Das Thema Crunch ganz allgemein behandelt unser Michael Graf ebenfalls in der folgenden Episode GameStar TV auf Basis einer Entwicklerumfrage:

PlayStation 5, Epic Store, Crunch & mehr: Der Zustand der Spiele-Industrie PLUS 1:11:27 PlayStation 5, Epic Store, Crunch & mehr: Der Zustand der Spiele-Industrie

Crunch bei CDPR & in der Gaming-Branche

Das Thema Crunch ist für CD Projekt Red kein Neues: Schon bei der Entwicklung von The Witcher 3: Wild Hunt stand das Studio diesbezüglich in der Kritik. Und auch einige Ex-Entwickler von CD Projekt Red erhoben gegen ihren ehemaligen Arbeiter Vorwürfe.

Im Folgenden sprachen sich Marcin Iwinski und John Mamais von CD Projekt (ebenfalls gegenüber Kotaku) dafür aus, in Zukunft geregelte Arbeitszeiten sicherzustellen und Crunch bestmöglich einzuschränken - sofern dies denn möglich sei.

Crunch betrifft auch andere Entwickler: Bei Studios wie Naughty Dog, Rockstar Games oder BioWare kam es in jüngster Vergangenheit immer wieder zu zusätzlichen Überstanden und großen Stress-Phasen. Daraufhin klagten Mitarbeitern teilweise über psychische und physische Folgen.

Mehr zum Thema Crunch - und wie man ihn vermeiden kann - erfahrt ihr in unserem Plus-Report, in dem wir auf die Arbeitszustände in der deutschen Spielebranche eingehen:

Wie geht »Crunch« auf Deutsch? Die Arbeitszustände in der Spielebranche   11     12

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Cyberpunk 2077 erscheint nach bereits zwei Verschiebungen am 19. November 2020 für PC, PS4 und Xbox One. Umsetzungen für die NextGen-Konsolen Playstation 5 und Xbox One sind ebenfalls geplant.

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