Cyberpunk 2077: Alles zum Gameplay in der Open World

Cyberpunk 2077 erntet sehr viel Lob für die bisherigen Gameplay-Präsentationen, doch in der Open World verstecken sich die spannendsten Herausforderungen.

von Dimitry Halley, Elena Schulz,
01.08.2020 07:03 Uhr

Die Open World Night City unterteilt sich in unterschiedliche Bezirke wie hier Pacifica. Die Open World Night City unterteilt sich in unterschiedliche Bezirke wie hier Pacifica.

Was macht man bloß mit seiner Open World? Heutzutage lassen sich beeindruckende Spielwelten erschaffen. Wir können uns im digitalen Bolivien von Ghost Recon: Wildlands herumtreiben, malerische Wälder in The Witcher 3 erkunden, Chaos in der Großstadt von GTA 5 anrichten. Derart imposante Kulissen zu erschaffen, ist für sich genommen schon eine gigantische Unternehmung.

Trotzdem scheitern viele Open-World-Spiele gar nicht an der Umsetzung einer opulenten Szenerie, sondern an lahmen Aktivitäten. An fehlender spielerischer Abwechslung. An zu viel Wiederholung. Die schönste Open World bringt nichts, wenn das Herumtoben darin schlicht keinen Spaß macht.

Lange wussten wir nicht, wie die Open World von Cyberpunk 2077 funktioniert. Seitdem wir das Spiel selbst angezockt haben, sind wir schlauer. Wir wissen, was sich hinter Nebenaktivitäten, Cyberpsychos als Minibossen, Kopfgeldjagden und den unterschiedlichen Distrikten verbirgt.

Mehr zum Gameplay in der Welt erfahrt ihr in Michas großer Angespielt-Preview bei GameStar Plus - und zwar so umfangreich wie nie zuvor in der GameStar Geschichte. Etwas kompakter lest ihr die Erfahrungen aber auch in Elenas Vorschau, die das Open-World-Rollenspiel ebenfalls gespielt hat.

Erstes Gameplay aus der Open World liefert auch unser umfangreiches Preview-Video zu Cyberpunk 2077:

Cyberpunk 2077 endlich gespielt: Preview-Video mit massig Gameplay 23:56 Cyberpunk 2077 endlich gespielt: Preview-Video mit massig Gameplay

Dieser Artikel erschien ursprünglich am 28. Juni 2019. Wir haben ihn um aktuelle Infos zur Open World von Cyberpunk 2077 ergänzt.

Wie funktioniert die Open World von Cyberpunk 2077? Alles zum Gameplay:

Cyberpunk 2077 wird in erster Linie eine quest- und story-basierte Open World. Das Gameplay wird also direkt mit der Geschichte verknüpft.

  • Die Open World soll ohne Füller auskommen. Jeder Open-World-Inhalt soll eine eigene Geschichte erzählen. Beim Anspielen fiel uns das tatsächlich positiv auf, zum Beispiel bei den Cyberpsychos. Wer aufmerksam erkundet, erfährt mehr über das tragische Schicksal der durchgedrehten Gegner.
  • Das gesamte Spiel lässt sich ohne einen einzigen Kill durchspielen. Klar, das bezieht sich in erster Linie auf die Hauptquest, aber der pazifistische Pfad soll ja generell Spaß machen. Dazu müssten dann auch viele Open-World-Aktivitäten ohne tödliche Gewalt funktionieren. Ihr könnt euch immer entscheiden, ob ihr Gegner nur bewusstlos wirkt oder ihnen das Lebenslicht auspustet.
  • Gleichwohl soll es viel zu erkunden geben. Wie in Deus Ex lassen sich diverse Appartements betreten - wenn auch nicht jedes. Dort findet ihr Crafting-Materialien, Story-Hinweise und mehr.
  • Viele Details: Überall gibt es viele Details in der Welt zu entdecken. Das liegt auch daran, dass man dank der Ego-Perspektive einfach mehr wahrnimmt und über Cyberware im Auge auch noch zoomen kann. Aufmerksame Spieler darüber zu belohnen, ist den Entwicklern besonders wichtig.
  • Die offene Welt reagiert auf uns und verändert sich. Je nachdem, wem wir helfen oder welche Gang wir angreifen, reagieren die Fraktionen unterschiedlich auf uns und beeinflusst auch, wer welches Gebiet sein eigen nennt.
  • Tieren begegnet ihr wahrscheinlich nur extrem selten, weil sie in Cyberpunk rar geworden sind. Fleisch wird künstlich hergestellt.
  • Ihr werdet eine persönliche Geschichte in einer harten und düsteren Welt erleben, statt als Held die Welt zu retten.
  • Wie in GTA (und im echten Leben) könnt ihr jedes Fahrzeug klauen. Viele davon lassen sich in der eigenen Garage lagern und zu Vs persönlichem Auto oder Motorrad umfunktionieren. Hauptfahrzeuge lassen sich wie Pferde in anderen Spielen zu einem rufen.
  • Fluggleiter lassen sich nicht frei benutzen. Anders als in GTA könnt ihr also nicht per Heli über die Stadt fliegen und das Gefährt selbstständig steuern. Auch die fliegenden Autos bleiben nur festen Sequenzen vorbehalten.
  • Es gibt Boote: Night City liegt an der Küste. Ihr könnt Schwimmen und auch Boote steuern, insgesamt soll das aber keine allzu große Rolle spielen. Wahrscheinlich auch, weil das Schmutzwasser der Großstadt keine Badeidylle hergibt.
  • Es wird Autorennen geben. Das bestätigen uns die Entwickler im Interview.
  • Die Schnellreise funktioniert wie in The Witcher 3: Anders, als ursprünglich angedeutet, dient die Ubahn nicht als Reisemöglichkeit.

Im Rahmen der Gameplay-Demo könnt ihr euch Night City übrigens auch live und in Farbe anschauen:

Cyberpunk 2077 - 48 Minuten Gameplay im kompletten Demo-Walkthrough 48:22 Cyberpunk 2077 - 48 Minuten Gameplay im kompletten Demo-Walkthrough

  • Quests fallen sehr komplex aus: Im Vergleich zu The Witcher 3 gibt es deutlich mehr Wege, Quests anzugehen. Ihr könnt stets schleichen, hacken oder aggressiv vorgehen. Manchmal eröffnen sich aber auch komplexe Story-Pfade und -Alternativen wie zum Beispiel bei der in der Demo gezeigten Flathead-Mission.
  • Nebenmissionen beeinflussen die Hauptgeschichte. Beispielsweise spielen Gangs eine große Rolle in der Open World. Verscherzen wir es uns mit einer Fraktion, kann sich das auf den Verlauf von Story-Missionen auswirken. Zum Beispiel bei der Maelstrom-Bande aus der ersten Demo. Außerdem sind manche Nebenmissionen so wichtig, dass ihr die Hauptstory gar nicht mehr beenden müsst.
  • Es lassen sich keine neuen Appartements kaufen. V besitzt eine Bude samt Garage. An beidem lässt sich nicht viel ändern. Allerdings darf man das Eigenheim kosmetisch anpassen und es verändert sich im Verlauf der Geschichte je nach Entscheidungen.
  • Night City ist der einzige große Schauplatz des Spiels, allerdings geht es mit den Badlands auch ins Umland. Dort startet ihr, wenn ihr euch für den Nomad-Pfad entscheidet.
  • Unterschiedliche Lebenspfade: Je nachdem, ob ihr Nomad, Corpo oder Straßenkind spielt, startet ihr in unterschiedlichen Distrikten. Außerdem reagieren Leute anders auf euch und ihr habt neue Optionen in Dialogen - zum Beispiel wenn ihr in der Story als Ex-Nomad auf andere Nomaden trefft.
  • Die Spielwelt scheut sich nicht vor ernsten Themen: Politik und Religion spielen zum Beispiel eine große Rolle.

Cyberpunk 2077 - Screenshots ansehen

  • Quests machen den Großteil der Open-World-Aktivität aus. Ihr findet haufenweise Haupt- und Nebenmissionen, die die Geschichte weiter vorantreiben oder eigene, abgeschlossene Storys erzählen. Schließt ihr viele ab, eröffnen sich euch auch wieder neue. Es gibt auch zufällige Events mit kleinen Geschichten auf die der Spieler unterwegs stoßen kann. Die verändern sich mit der Zeit ebenfalls.
  • Es gibt Händler bei denen man unter anderem Items und Kleidung kaufen kann, um den eigenen Charakter zu personalisieren. Erhört ihr euer Street Cred mit Nebenmissionen, bekommt ihr Rabatte und andere Ware präsentiert.
  • Kinder und Story-NPCs sind unsterblich: Trotz aller Freiheit lässt Cyberpunk 2077 uns nicht jeden in der Welt umnieten. Oft wird das aber auch sinnvoll in die Story integriert - zum Beispiel, wenn ihr in einer Sequenz eure Waffen abgeben müsst, bevor ihr jemanden trefft.
  • Es gibt kein Diebstahlsystem: Weil Reaktionen auf Diebstahl für noch mehr Aufwand und Probleme in einer eh schon komplexen Welt gesorgt hätten, haben die Entwickler darauf verzichtet.
  • Optisch sorgt ein dynamischer Tag-Nacht-Zyklus in Kombination mit Global Illumation, das eine realistische Lichtstreuung simuliert, für Stimmung. Das Raytracing in Cyberpunk 2077 haben wir uns aus Hardware-Sicht bereits genauer angeschaut.
  • Night City hat sechs Distrikte - und nicht jeder soll sich gleich spielen. Im heruntergekommenen Pacifica reagiert die Polizei beispielsweise viel später auf Verbrechen als in edlen Vierteln. Das können wir natürlich nutzen. Allerdings werden uns dort vielleicht die Gangs mit ihrer eigenen Justiz zum Verhängnis. Polizisten werden übrigens generell nur aktiv, wenn wir schlimme Verbrechen wie Mord begehen. Weil Night City generell ein raues Pflaster ist, bleiben sie zum Beispiel bei Prügeleien gelassen.

Einige beeindruckende Details aus der Open World könnt ihr euch in diesem Video anschauen:

Cyberpunk 2077 - Video: 13 versteckte Details aus der Gameplay-Demo 6:03 Cyberpunk 2077 - Video: 13 versteckte Details aus der Gameplay-Demo

  • Die Distrikte unterscheiden sich inhaltlich, thematisch und stilistisch: Jedes Areal erzählt eine eigene Geschichte und orientiert sich optisch an Stilen wie Neokitsch oder Entropismus. Manche Gebiete wirken wie heruntergekommene Gang-Slums, während andere reichen Leuten als Wohngebiet vorbehalten sind oder einfach von Konzeren industriell genutzt werden.
  • Die Welt wird vertikal. CD Projekt grenzt die Spielwelt bewusst vom sehr weiten The Witcher 3 ab und baut stattdessen in die Höhe. Einzelne Gebäudekomplexe lassen sich auf diversen Stockwerken erkunden.
  • Manche Umgebungsteile lassen sich zerstören: Ausgewählte Wände oder Säulen können brechen, zerbröckeln und komplett zerfallen. Auch Kartons lassen sich durch die Gegend katapultieren. Komplett in Schutt und Asche legen kann man ganze Bereiche aber nicht.
  • Die Spielwelt fällt kleiner, aber dichter als beim Witcher aus: Vertikalität und Appartments und Straßenabschitte voller Details und offener Türen sollen über eine insgesamt kleinere Spielwelt hinwegtrösten. Super, findet Elena in ihrer Kolumne. Denn es kommt ja auf den Inhalt an.
  • Der Ripper Doc bleibt eine wichtige Instanz. Upgrades und Verbesserungen für V können wir nur in begrenzter Form zuhause freischalten. Für neue Implantate reisen wir zum Ripper Doc.
  • Es wird keine prozedural generierten Inhalte geben. Jeder Stein in Night City ist handgesetzt, auch die Aktivitäten setzen sich nicht dynamisch zusammen, sondern wurden bis ins Detail geschrieben und konzipiert.
  • Night City ist lebendig: Überall gehen NPCs ihrem Alltag nach - Obdachlose suchen Pfand, Marktschreier preisen Waren an und so weiter.
  • Statt Geld ist Street Cred die wichtigste Währung in der Stadt: Euer Ruf eröffnet euch neue Optionen und Wege in Night City.
  • Hacking: Hackt ihr, startet ein Minispiel, bei dem ihr Zahlenkombinationen geschickt anklicken müsst, um einen Code zu generieren, indem ihr die richtigen Zeilen aus einem Quadrat in möglichst Schritten auswählt.
  • Braindance: Über Braindances könnt ihr ähnlich wie mit dem Hexersinn bereits stattgefundene Ereignisse nacherleben und auf visuelle, hörbare oder auch durch ihre Wärmesignaturen verdächtige Hinweise untersuchen. Das ist allerdings an bestimmte Quests gebunden.

Alles Wichtige zur Geschichte von Night City, den Distrikten un der Größe der Map erfahrt ihr übrigens in dieser separaten Übersicht zur Cyberpunk-Metropole:

Cyberpunk 2077 - Night City: Was wir über Spielwelt und Map wissen   109     9

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Falls euch die Zukunft von Open World Games generell interessiert, empfehlen wir übrigens unser Video dazu, wie es mit offenen Spielwelten weitergeht:

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Bietet die Open World genug?

Aus den bisher vorhandenen Eindrücken ergibt bereits ein stimmiges Bild. Night City wird keine reine Ubisoft-Welt, kein Abklappern von Hotspots, auf der anderen Seite jedoch ebenso wenig eine dynamische Sandbox, in der wir immer wieder neue, prozedural generierte Herausforderungen erleben.

In Cyberpunk 2077 geht es um die Geschichte des Spielers, um Vs Reise vom Niemand zum Jemand. Die Quests stehen im Vordergrund - und davon dürfen wir reichlich erwarten. Aber genügt das, um die Open World wirklich spannend zu halten? Schließlich beteuert nahezu jeder Entwickler, dass die eigene Spielwelt ohne Füller-Inhalte auskommt. CD Projekt hat sich hier die bisher ambitionierteste Open World vorgenommen - und selbst The Witcher 3 hatte mit den Open-World-Inhalten zu kämpfen. Beispielsweise den Skellige-Fässern, die die Entwickler bis heute bereuen.

Das erste Anspielen stimmte uns aber positiv. Von Open-World-Icons, klassischer Schnellreise und simpleren Aktivitäten kommt Cyberpunk 2077 nicht weg. Aber das will man gar nicht, wie Senior Leveldesigner Miles Tost unter anderem im Podcast bei GameStar Plus erzählt. Der Entwickler will den Spielern auch leichte Inhalte für zwischendurch bieten. Letztlich kommt es auf die Mischung an und darauf, wie spannend die einzelnen Geschichten werden. Da war die Demo schon auf einem guten Weg.

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Aktuell kommt im Prinzip keine Story-Open-World ohne Kompromisse aus. Assassin's Creed: Odyssey mag sehr viele Formelhaftigkeiten hinter sich gelassen haben, trotzdem folgen viele Aktivitäten einem gleichbleibenden Muster. Und auch bei einem Meisterwerk wie Red Dead Redemption 2 beklagten viele Spieler das langsame Tempo. Warten wir mal ab, wie konsequent CD Projekt diese Design-Herausforderung bewältigt.

Für noch mehr Infos zur Open World empfehlen wir übrigens unsere diversen Interviews mit CD Projekt RED, darunter den grandiosen Jubiläums-Podcast sowie die folgenden Videos:

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Wollt ihr das volle Programm zu Cyberpunk 2077, solltet ihr unsere umfangreichen Previews lesen, die die Gameplay-Demos bis ins kleinste Detail beschreiben. Sie sind allerdings nur über GameStar-Plus verfügbar:

Ein paar Details aus den umfangreichen Berichten und ein paar neue Informationen darüber hinaus gibt es aber auch gratis zum Nachlesen, wenn es schnell gehn muss:

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