Cyberpunk 2077: Lead Quest Designer spricht offen über die schwierige Entwicklung

Entwickler Pawel Sasko hat sich in einem Twitch-Stream den Fragen der Spieler gestellt und erklärt, was schief lief und warum er auch scharfe Kritik schätzt.

von Stephanie Schlottag,
26.04.2021 16:26 Uhr

Entwickler Pawel Sasko spricht im Stream ausführlich über die Situation von Cyberpunk. Entwickler Pawel Sasko spricht im Stream ausführlich über die Situation von Cyberpunk.

Klare Worte und Verständnis für kritische Spieler: Der Lead Quest Designer von CDPR, Pawel Sasko, plaudert in seinem Twitch-Stream ganz offen über die Entwicklung von Cyberpunk 2077. Unter anderem erklärt er, was schief lief, was er in Zukunft besser machen will und warum er selbst den feindseligsten Redditforen dankbar ist.

Wir fassen in diesem Artikel Saskos sehr persönliche Sicht auf die Lage zusammen, den kompletten Stream könnt ihr euch hier bei Twitch ansehen.

»Wir wollen nicht nur positive Kommentare hören«

Im Stream stellt sich Sasko den Fragen der Community und geht auch ausführlich auf Kritik ein. Er liest laut eigener Aussage sowohl das »Low Sodium Reddit« als auch das »High Sodium Reddit«, mehr dazu im Info-Kasten. Für ihn ist auch die oft sehr scharf und laut geäußerte Kritik der Spieler wertvoll.

»Low Sodium« und »High Sodium«: Das Subreddit LowSodiumCyberpunk konzentriert sich bewusst auf positives Feedback und die Freude am Spiel. Als High Sodium Reddit werden die Foren bezeichnet, in denen es vor allem nach Release ordentlich abging, dort schlug die Stimmung manchmal in richtigen Hass gegen die Entwickler um. Aber nicht alle User dort sind Hater, es ist ein buntes Sammelbecken von kritischen Meinungen.

Gegen Ende des Streams beantwortet Sasko die Kommentare und Anfragen der Zuschauer. Auf die Frage, ob er mit diesen Reddit-Gruppen vertraut ist, sagt er:

"Ja, natürlich! Ich kenne Low Sodium und ich kenne auch High Sodium. Beide lese ich fast schon religiös. Was ich dazu sagen möchte: Die Leute denken oft, wir wollen nur die positiven Kommentare hören, aber das stimmt überhaupt nicht. Ich weiß wirklich zu schätzen, was das High Sodium Reddit tut. Die Diskussionen, die Leute dort führen und so weiter, und die Probleme, die sie aufzeigen. Denn ehrlich, ich persönlich will mich als Designer und Teamleiter immer verbessern."

Er weiß die Kritik laut seinen eigenen Worten also sehr zu schätzen, würde sich aber auch wünschen, dass Spieler und Medien besser wahrnehmen, wie fordernd die Entwicklung von Cyberpunk 2077 für das Studio war:

"Ich höre oft von Leuten - was ist passiert? Dass das Unternehmen, das The Witcher gemacht hat, Cyberpunk herausgebracht hat und so weiter. Was passiert ist: Wir haben nach einer neuen IP gegriffen, wir haben versucht, so viel zu lernen wie möglich. Unsere Ziele waren extrem ambitioniert. Und ich fühle nicht wirklich, dass Spieler und Journalisten so richtig verstehen, wie schwer es war, dieses Spiel zu machen.

Ich sage nicht, dass ihr uns mehr Anerkennung geben solltet. Ihr solltet ein voll funktionierendes und gut gemachtes Spiel verlangen, das ist euer Recht. Ich spreche einfach von Verständnis, dass es ein sehr schwieriges und ambitioniertes Spiel war und wir an allen Fronten unser Bestes versucht haben. An vielen ist es uns gelungen und an vielen müssen wir uns noch verbessern."

Für ihn zeigen die bereits veröffentlichten Patches, wohin die Reise geht. Mit Hotfix 1.21 wurden zum Beispiel viele weitere Quest-Bugs behoben und die Polizei-KI weiter verbessert:

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Laut eigener Aussage hat er aber keine Ahnung, wann die geplanten DLCs für Cyberpunk 2077 veröffentlicht werden.

Warum war The Witcher 3 für ihn leichter zu entwickeln?

Der Erfolg von The Witcher 3 scheint für CDPR sowohl Segen als auch Fluch gewesen zu sein. Einerseits hat Sasko in über zehn Jahren beim Studio extrem viel gelernt und sich auch persönlich als Designer verbessert. Aber er spricht auch darüber, dass es nicht leicht ist, auf einem solchen Riesenerfolg aufzubauen.

"Mit Witcher 3 haben wir es an die Spitze geschafft […] Wenn man versucht, dann noch besser zu werden, kann man Fehler machen. Man kann in eine Richtung gehen, für die man nicht richtig ausgestattet ist, um sie komplett durchzuziehen. Und ich glaube, dass ist uns teilweise passiert."

Ihm persönlich falle es viel leichter, sich in Fantasy-Settings zurechtzufinden. Teilweise läge das bestimmt an seiner jahrelangen Erfahrung mit der Witcher-Serie, er war bereits für The Witcher 2 an Bord. Aber generell sei Science Fiction viel schwieriger. Denn bei Fantasy könne man sich auf die Realität der Menschen im Mittelalter stützen. Für Sci Fi (also auch Cyberpunk) müsse man das Ganze dagegen für die Menschen der Gegenwart glaubhaft machen - und die ständigen Verbesserungen in der Technologie erschweren das zusätzlich.

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Was will er in Zukunft besser machen?

Ein Zuschauer fragt Sasko, was er nach den Erfahrungen mit Cyberpunk 2077 in Zukunft verbessern will. Die Antwort:

"Da gibt es so viele Sachen, die Liste wäre sehr lang. […] Ich rede da nicht über Cyberpunk, sondern auch über mich als Künstler und uns als Studio. Zum Beispiel würde ich gerne verbessern, wie die einzelnen Elemente ineinandergreifen, damit zum Beispiel Szenen, Quests und Open World besser zusammenfließen. Alles läuft auf bessere Koordination, besseres Verständnis hinaus. Wir brauchen viel mehr Training für uns und unsere Teams, um wirklich besser zu werden. "

Er scheint bei dieser Frage mit den offiziellen Plänen des Studios übereinzustimmen. Erst vor kurzem gab CDPR die neue Strategie bekannt, die zur besseren Zusammenarbeit der einzelnen Entwickler-Teams führen soll:

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Sein Twitch-Stream wird ab jetzt jeden Sonntag Abend laufen. Darin erklärt er viele Design-Entscheidungen und macht auf spannende Details aufmerksam. Natürlich findet ihr auch bei uns eine Liste mit 25 coolen Easter Eggs, die euch bestimmt entgangen sind.

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