Das beste Siedler: Alle Aufbauspiele im Ranking

Die Siedler-Serie hatte einige Höhen und Tiefen. Wir haben alle sieben Serienteile unter die Lupe genommen und festgelegt, welches Siedler an die Spitze gehört.

von GameStar Redaktion, Fabiano Uslenghi,
22.02.2021 19:30 Uhr

Welches Siedler ist das beste? Wir haben alle sieben Hauptteile bewertet und in ein großes Ranking gepackt. Welches Siedler ist das beste? Wir haben alle sieben Hauptteile bewertet und in ein großes Ranking gepackt.

Wenn schon ein neues Siedler so lange auf sich warten lässt, dann blicken wir jetzt eben zurück! Denn die Vergangenheit von Die Siedler war eine glorreiche! Zumindest die meiste Zeit über. Na gut, es gab auch ein paar derbe Ausreißer. Doch selbst für die gibt es den einen oder anderen Fan.

Woher wir das wissen? Na, wir haben in der Redaktion nachgefragt und bei dieser Gelegenheit gleich ein Ranking erstellt, in dem wir alle Spiele der Serie ihrem rechtmäßigen Platz zuweisen. Und darüber lässt sich auch nicht streiten. Denn wann war schon jemals irgendwer bei einer Topliste einer anderen Meinung als wir?

Spaß beiseite. Natürlich entscheidet jeder für sich selbst, welches Siedler für ihn ganz oben steht und welchen Teil er dann doch lieber vergisst. Unser Siedler-Experte Maurice hat zum Release der History Collection etwa bereits über seine ganz persönlichen Highlights gesprochen. Okay, Maurices Topliste entspricht in großen Teilen auch unserem Redaktions-Ranking. Aber der Mann weiß auch einfach, wovon er spricht!

Wenn ihr das anders seht, dann schreibt es gerne in die Kommentare (oder eine private Nachricht an Maurice)! Hier seht ihr jetzt auf jeden Fall unsere Top-Liste mit allen sieben Siedler-Spielen.

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Platz 7: Die Siedler 5 - Das Erbe der Könige

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Jochen Redinger: Ich entschuldige mich schon mal für das Wortspiel, aber wer mit so einem Namen daherkommt, sollte sich ziemlich sicher sein, dass er das große Erbe einer Spieleserie wie Die Siedler auch antreten kann. Für die meisten Fans ist Die Siedler 5 bei diesem Versuch kläglich gescheitert - und genau dafür mag ich es!

Ja, holt die Fackeln und Mistgabeln raus, aber ich konnte mit dem gemächlichen Tempo und dem unterirdischen Militär-Management der Reihe nie etwas anfangen. Und während ich dank Alter und mehr Weisheit inzwischen den ersten Teil meiner Aussage nicht mehr so stehen lassen kann, würde ich Die Siedler 5 nur wegen seiner eher kriegerischen Ader immer noch jedem anderen Teil vorziehen.

Direkte Kontrolle über alle Aspekte eines Strategiespiels und gute Kampfmechaniken sind für mich nämlich mit das Wichtigste, um überhaupt auf meiner Festplatte bleiben zu dürfen. Die Siedler 5 hat sich für mich deshalb genau an den richtigen Stellen vom Rest der Serie entfernt und es sogar geschafft, dass ich auf LAN-Partys aktiv dafür geworben habe, es mit mir zu spielen!

Und während alle anderen Siedler-Teile für mich in der Erinnerung zu einem großen Brei verschmelzen, habe ich immer noch klare und schöne Erinnerungen an die realistischere Grafik, die coolen Heldeneinheiten und die spannenden Schlachten des gescheiterten Erben. Alter und Weisheit sagen mir heute, dass ich einfach was anderes spielen sollte, wenn wieder alle über Die Siedler schwärmen, aber auch für den alten und weisen Jochen ist Die Siedler 5 - Das Erbe der Könige immer noch sein Lieblings-Siedler.

Platz 6: Die Siedler 6 - Aufstieg eines Königreichs

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Martin Deppe: Nach dem klar schlechtesten Serienteil Die Siedler 5 (siehe oben) ruderte Siedler 6 pünktlich zu meinem Geburtstag 2007 wieder zurück. Und zwar in die richtige Richtung, puh! Weg vom hektischen Echtzeitstrategie-Gedöns, hin zu den coolen neuen Sektoren, die ich einzeln erobern und ausplü… wirtschaftlich optimieren kann. Dieses motivierende Sektorensystem mochte ich schon bei einem ganz anderen Genre, nämlich in Company of Heroes.

Außerdem hat das sechste Siedler kräftig beim hauseigenen Konkurrenten Anno abgeguckt. Das ist ja bekanntlich nie verkehrt. Meine Untertanen haben jetzt Bedürfnisse, sie wollen sauber sein (Seife! Besen!), sich schick kleiden, Party machen. Ich muss mehr auf die Jahreszeiten und die Wetterlage achten - unter Eis und Schnee gibt's halt wenig Fische und Getreide, darum sind Vorräte entscheidend.

Auch die Logistik ist neu: Ab sofort wandern Waren erst mal ins Hauptgebäude und von dort zu den weiterverarbeitenden Betrieben. Klingt anfangs umständlich, weil ungewohnt, macht den Siedlungsbau aber logischer und »mittelalterlicher«. Das Heldensystem ist sinnvoll entschlackt, ich setze meine Recken vor allem zum Erkunden und Handeln mit neutralen Dörfern ein. Manche Sektoren müssen erst von Wölfen oder Banditen gesäubert werden, doch die Kampf-KI ist ziemlich Grütze, und KI-Herrscher bauen ihre Gebiete nicht mal gescheit auf. Das macht mein Serienfavorit Siedler 7 viel besser!

Platz 5: Die Siedler

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Heiko Klinge: Nur Platz 5 für den Serien-Vater? In meinen Augen ist das fast so ein großer Skandal wie die Nicht-Berücksichtigung von Lands of Lore bei den 100 besten PC-Rollenspielen aller Zeiten. Die Siedler von 1993 mag vielleicht nicht mehr ganz taufrisch sein, aber ohne diesen Meilenstein hätten Aufbauspiele nie zu dem werden können, was sie heute sind. Denn es holte das Genre aus der Abstraktion. Zuvor passierten Produktionsketten vor allem in Tabellen, hier konnte ich plötzlich jeden Arbeitsschritt einzeln nachvollziehen.

Zuvor gab's nur eine Nachricht, wenn eine Ware von A nach B geliefert wurde, hier konnte ich mit eigenen Augen zusehen, wie meine Träger das Korn vom Bauernhof in Richtung Mühle, das Mehl zum Bäcker und schließlich das Brot ins Lager transportierten. Heute eine Selbstverständlichkeit, damals eine Revolution. Nicht nur grafisch, sondern auch spielerisch - viele Elemente aus Die Siedler finden sich noch genauso in modernen Aufbauspielen.

Außerdem war Die Siedler eines der ganz wenigen Spiele, bei denen sich die Faszination sofort erschloss und - heute eine Phrase, damals ein Novum - bereits das Zugucken Spaß machte. Egal ob Nachbarsjunge, Geschwister oder Eltern: Jeder hat mir beim Spielen (oder beim Schauen) mal über die Schulter geschaut und ehrlich interessiert gefragt, was das ist, wie das funktioniert und was da gerade passiert.

Es mag pathetisch klingen, aber kaum ein anderes Spiel dürfte für die Akzeptanz meines nerdigen Hobbys einen solch großen Beitrag geleistet haben. Mal ganz abgesehen davon, dass es für seine Zeit nicht nur ein technisches, sondern auch ein spielerisches Meisterwerk war, das mit seiner cleveren Verzahnung aus Aufbau, Wirtschaft und Eroberung selbst heute noch Spaß macht, fast 30 Jahre später. Platz 5? Echt nicht zu fassen.

Platz 4: Die Siedler 4

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Markus Schwerdtel: Böse Menschen - und die sind unter Siedler-Spielern ja erwiesenermaßen selten - könnten dieses Spiel natürlich auch Die Siedler 3,5 schimpfen. Denn es stimmt schon: So richtig viele Neuerungen hatte der vierte Teil nicht zu bieten. Das Volk der Römer kennt man schon aus Teil 3, die Wikinger und Mayas (und im Addon dann auch Trojaner) unterscheiden sich auch nicht so wirklich von den Völkern des Vorgängers.

Die größte Verbesserung ist die Invasion durch das Dunkle Volk, das man zwar zurückschlagen soll, aber blöderweise nicht selber spielen darf. Und dank Zoomfunktion kann ich meinem Volk ganz besonders gut beim Werkeln zuschauen. Der Rest ist gewohnte Aufbaukost, die dem Erfolgsrezept von Die Siedler 3 folgt.

Aber trotzdem: Die Siedler 4 ist mein Serienfavorit. Das liegt natürlich ein Bisschen daran, dass der Bluebyte-Besuch bei uns in der Redaktion zur Ausgabe 12/2000 einer meiner ersten größeren Entwicklertermine war. Doch auch ganz ohne persönliche Nostalgie ist Die Siedler 4 das Spiel der Reihe, das ich auch heute noch am liebsten hervorkrame.

Denn hier sind alle Kinderkrankheiten von Teil 3 ausgebügelt, die Technik mit den vielen Landschaftsdetails passt ebenfalls, und der Schwierigkeitsgrad ist angenehm hoch. Ich brauche keine krampfhaft reingeschraubten 3D-Elemente und aufgezwungene Innovation, wenn ein Aufbauspiel auch ohne so rund und vor allem motivierend flutscht.

Platz 3: Die Siedler 3

Die Siedler 3 - Test-Video PLUS-Archiv 3:35 Die Siedler 3 - Test-Video

Dimitry Halley: Es fällt mir sehr schwer, über Die Siedler 3 einen sachlichen Absatz zu schreiben, weil alleine das Hammerklopfen der Arbeiter mich geschwind in meine Kindheit zurückschleudert. Selbst über die Soundeffekte könnte ich hier drei Texte lang schwärmen: das Tschirpen der Vögel, das (merkwürdig blecherne) Rauschen der Wellen, das emsige Werkeln der Siedler in Schmiede, Bäckerei oder Holzhütte - und diese unvergessliche Atmosphäre, die all das erzeugt hat.

Die Siedler 3 war kein so eleganter Baukasten wie der zweite Teil. Ohne Straßen fehlte beispielsweise die Kontrolle, sich wirklich zum Siedlungsplaner aufzuschwingen. Klar, ich kann meine Soldaten jetzt selbst befehligen, aber in Die Siedler sind mir Soldaten grad egal.

Auf der anderen Seite hatte Die Siedler 3 dafür eben diesen improvisierten Survival-Charme, dass ich mein kleines Dörfchen irgendwie in der wilden Natur platziere, um daraus ein emsiges Handwerkszentrum zu machen. Und der Wiederspielwert war dank der (mit Addon) vier Völker enorm: Römer, Ägypter, Amazonen und Asiaten brachten jeweils ihren eigenen Wusel-Look mit, an dem ich mich auch nach Wochen nicht satt sehen konnte.

Die Siedler 3 war kein so brillanter Meilenstein wie Die Siedler 2. Aber dass mir das Spiel auch 23 Jahre später noch Spaß macht, ist nicht nur ein gutes Zeichen, sondern auch ein Ritterschlag, den gar nicht so viele Spiele von mir erhalten.

Platz 2: Die Siedler 7

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Fabiano Uslenghi: Hätte jemand im Jahr 2010 (Siedler 7 ist über 10 Jahre alt?!) mal prophezeit, dass dieser Teil in einer Siedler-Topliste nicht nur auf Platz zwei landet, sondern extrem knapp an der Goldmedaille vorbeischrammt, wäre er wohl kommentarlos vor die Tür gesetzt worden. Nicht, weil Die Siedler 7 2010 ein schlechtes Spiel gewesen wäre, aber Ubisoft trat eben in die Online-Falle. Always-On war damals einfach kein Konzept, das man geborenen Einzelspielern einfach mal so vor die Nase setzen konnte. Und dann hat der ganze Kram nicht einmal richtig funktioniert!

Umso freudiger stimmt es mich, dass diese Missetat dem Ruf von Siedler 7 offenbar langfristig keinen Schaden zufügen konnte. Für mich bleibt dieser Teil nämlich das Siedler, das mir die Serie überhaupt erst nahe brachte. Davor wollte ich davon nichts wissen. Ich mochte nicht mal das Brettspiel besonders und fand ohnehin Anno immer deutlich unterhaltsamer als Sieder.

Doch Teil sieben hat mir demonstriert, dass ich damit extrem daneben lag. Hier bot Die Siedler nach einem kurzen Durchhänger endlich wieder lupenreine Aufbaustrategie und dachte die Neuerungen von Teil sechs konsequent weiter. Der Wettkampf um die verschiedenen Sektoren wurde um völlig neue Siegpunkte erweitert und genau das brauchen Aufbauspiele. Militär und Kampf können Spaß machen, aber es sollte nie der einzige Weg zum Erfolg bleiben. Natürlich will ich so berühmt werden, dass ich mich einfach selbst zum Sonnenkönig ausrufe. Natürlich will ich meine Wirtschaft perfekt durchplanen, um die Gegner in riesigen Goldsummen zu ersticken.

So wird garantiert, dass Planung, Wirtschaft und Schönbau wirklich den Raum bekommen, der ihnen in jedem Aufbauspiel zustehen sollte. Die Siedler 7 fehlt der Nostalgiebonus, doch rein spielerisch stünde dem bis heute modernsten Siedler die Goldmedaille eigentlich zu.

Platz 1: Die Siedler 2 - Veni, Vidi, Vici

Platz 8: Die Siedler 2 - »Ich sage jetzt nicht das W-Wort!« - Die zehn besten Strategiespiele PLUS 10:52 Platz 8: Die Siedler 2 - »Ich sage jetzt nicht das W-Wort!« - Die zehn besten Strategiespiele

Maurice Weber: Wie treffend, dass mein allererstes Computerspiel auch den allerersten Platz belegt! Ja, ohne Siedler 2 würde ich euch diese Zahlen vielleicht gar nicht schreiben und wär jetzt … Versicherungskaufmann oder so. Oder hätte als braver Sohnemann das Architektur-Büro meiner Eltern übernommen und wäre damit doch irgendwie wieder beim Aufbau gelandet.

Aber ich bau dann doch lieber virtuell, und daran sind die Siedler schuld! Siedler 2 ist für mich bis heute das Aufbauspiel in Reinform: Die fein säuberliche Organisation meiner Logistik, die schlaue Verzahnung von Warenkreisläufen und natürlich die schiere idyllische Freude daran, mein Dörfchen wachsen zu sehen. Das begeisterte mich schon, bevor ich meinen eigenen PC hatte! Damals tingelte ich nach der Schule immer zu meinem guten Freund Jan, der mich Schritt für Schritt zum Computerspiel-Junkie machte - guter Mann! Und Siedler 2 war als erstes Spiel sogar strategisch clever ausgewählt: Wie könnte man zwei Architekten besser dazu kriegen, dem Sohn einen eigenen Gaming-PC zu gönnen, als mit einem Aufbauspiel?

Aus heutiger Sicht ist Siedler 2 natürlich nicht mehr das komplexeste Spiel seiner Art, die Annos dieser Welt und seine eigenen Nachfolger haben es da längst überflügelt. Aber Siedler 2 hat immer noch eine gewisse … Eleganz. Eben weil es das Genre in seine Essenzen destilliert bleibt. Ohne Schnörkel vielleicht, aber deswegen auch ohne Ballast. Und mit einer fein säuberlichen Struktur durch seinen geregelten Straßenbau, der späteren Siedlern immer fehlte. Ach ja, natürlich immer noch mit jeder Menge Wuselfaktor!

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