Das Jahresabenteuer: ESOs Sonderweg hat viele Vorteile - aber auch Probleme

Mit dem seit 2019 genutzten Jahresabenteuer-Modell bricht The Elder Scrolls Online mit seiner normalen Veröffentlichungspraxis. Wie gut das für ESO-Spieler funktioniert, beleuchten wir für euch genauer.

von Gloria H. Manderfeld,
07.06.2020 13:00 Uhr

The Elder Scrolls Online erzählt seine Geschichten seit 2019 auf neue Art und Weise. The Elder Scrolls Online erzählt seine Geschichten seit 2019 auf neue Art und Weise.

Seit dem »Jahr des Drachen« 2019 erscheinen alle DLC-Kapitel von The Elder Scrolls Online im Rahmen einer umfassenden Geschichte, die das ganze Jahr umfasst. Die startet im Frühjahr mit einem Dungeon-DLC, wird im Frühsommer durch ein umfangreiches neues Kapitel und im Sommer durch einen weiteren Dungeon-DLC ergänzt sowie im Herbst mit einem Story-DLC abgerundet und beendet.

Zeit für uns, nach der kürzlichen Veröffentlichung von ESO: Greymoor im Jahresabenteuer Das Schwarze Herz von Skyrim einen Blick auf die Stärken und Schwächen von derart planbarem Spielfutter zu werfen!

Wenn ihr länger nicht in ESO unterwegs wart, ganz neu in das MMORPG einsteigt, oder als Veteran noch tiefer in die Materie eintauchen wollt, dann haben wir euch in unserem Greymoor-Sonderheft und auf GameStar Plus zahlreiche hilfreiche Guides rund um Charakter-Builds, Handwerk, Skills und vieles mehr zusammengestellt:

Die Stärken: Abwechslung und verlässliche Qualität

Während andere MMORPGs bestenfalls vage ankündigen, wann eine neue Erweiterung erscheint, können sich The Elder Scrolls Online-Fans auf planbaren Nachschub freuen. Langjährige Spieler von Star Wars: The Old Republic kennen das Trauerspiel vieler vollmundiger Bioware-Versprechungen, die dann in Update-Verschiebungen oder gleich mehrmonatiges Schweigen auf Entwicklerseite münden.

Gerade PvE-Spieler von The Elder Scrolls Online profitieren so von regelmäßig nachgelieferten täglichen Quests, Weltbossen, Gewölben, Verliesen und Prüfungen sowie der damit einher gehenden Abwechslung.

Daneben liefern die Entwickler abseits der Server-Performanceprobleme stets auf einem hohen Durchschnittsniveau ab und fügen immer wieder neue Spielelemente wie die Drachengarde-Armbrust oder Rätselvarianten hinzu. Mehr zu den Stärken von Greymoor findet ihr übrigens in unserem Test:

The Elder Scrolls Online: Greymoor – Gewohnte Stärken, ungewohnte Schwächen   92     5

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The Elder Scrolls Online: Greymoor – Gewohnte Stärken, ungewohnte Schwächen

Die Schwächen: Schlappe Storylines, straffes Veröffentlichungskorsett

Vorhersehbare Veröffentlichungen bedeuten aber auch, dass bei einer in mehrere Teile zerlegten Story das Finale nicht bei einem Kapitel im Frühsommer stattfinden kann. Sowohl Elsweyr als auch Greymoor bieten in der Kapitel-Hauptgeschichte einen brauchbaren Zwischenboss, während sich der eigentliche Drahtzieher den Helden vorerst entzieht.

Den sollen wir schließlich erst im letzten DLC des Jahres zur Strecke bringen! Gleichzeitig nimmt das aber beiden Storys die Spannung, was gerade bei der eher düster gefärbten Greymoor-Handlung viel vom Horror-Flair zerstört.

Mit dem straffen Veröffentlichungsplan bindet sich Zenimax Online zudem an einen Workload, der wenig Raum für Experimente bietet und somit nur kleine Veränderungen möglich macht. Mal ein überraschendes DLC mit außergewöhnlicher, neuer Region oder PvP-Futter als Kontrast ist bei einer solchen Menge an zu schaffenden Inhalten bei gleichbleibender Teamstärke kaum möglich.

Unser Vorschlag: Das könnte Zenimax verbessern

Grundsätzlich meckern wir hier auf hohem Niveau, selbst viele Service Games kommen nicht auf Zenimax' Verlässlichkeit und gleichbleibende Qualität. Dennoch könnten sich die Entwickler von der bisherigen Veröffentlichungsformel lösen, um das Storyproblem in den Griff zu bekommen: Ein umfangreiches Kapitel, das am Ende des Jahres ausreichend Platz für ein furioses Finale mitbringt, lässt sich schließlich auch durch einen kleineren, knackigeren Story-DLC im Frühjahr einleiten.

The Elder Scrolls Online: Greymoor - Screenshots ansehen

Statt eines umfangreichen Kapitels sind auch drei aufeinander aufbauende Story-DLCs pro Jahr denkbar, die von einem Dungeon-DLC ergänzt werden - und so weiter.

Angesichts der vielen interkulturellen und politischen Konflikte der verschiedenen Völker und Allianzen wäre es zudem spannend, würde die Grenze zwischen Gut und Böse viel mehr verwischen. Bei den meisten Kapiteln oder Story-DLCs kämpfen wir gegen einen oder mehrere eindeutig fiesen, bösartigen Gegner.

Wenn Schurken genau wie wir Helden daran interessiert sind, etwas Gutes für ihr Volk oder ihre Fraktion zu erreichen, nur die Wahl ihrer Mittel zweifelhaft bleibt und uns zum Nachdenken zwingt, erhält eine Story die nötige Würze. Zenimax Online zeigt uns in den oft hervorragenden Nebenquests, wie gut sie erzählen können. Jetzt muss dieses Können nur wieder bei den Hauptquests neuer Kapitel und Story-DLCs ankommen, damit »das Schwarze Herz von Skyrim« einen furiosen Abschluss findet.

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