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The Longing: Wie viel Spaß macht ein Spiel, an dem man genau 400 Tage sitzt?

Im Rampenlicht des DCP 2020 stehen große Spiele wie Anno 1800 und Star Wars Jedi: Fallen Order. Hochklassige Indie-Nominierungen wie The Longing verdienen mehr Aufmerksamkeit, findet Géraldine.

von Géraldine Hohmann,
27.04.2020 15:30 Uhr

The Longing ist inspiriert von der Kyffhäuser-Sage des schlafenden Königs Barbarossa. The Longing ist inspiriert von der Kyffhäuser-Sage des schlafenden Königs Barbarossa.

Unter den Nominierten des Deutschen Computerspielpreises 2020 finden sich dieses Jahr so viele hochklassige Indie-Spiele wie selten zuvor. Das historische Strategiespiel Through the Darkest of Times und die Weltraum-Sandbox Avorion haben ihre Qualität bereits im GameStar-Test bewiesen.

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Doch ein Spiel sticht für mich besonders hervor, über das meiner Meinung nach noch viel zu wenig gesprochen und geschrieben wird. Denn The Longing bringt eines der mutigsten Spielkonzepte der letzten Jahre auf den Tisch.

Das Adventure dauert 400 Tage, bevor ihr eines von mehreren Enden erlebt - und zwar in Echtzeit. Dabei erzählt es eine manchmal düstere und manchmal extrem humorvolle Geschichte und lässt Einsamkeit, Zeit und vor allem Spiele in einem ganz neuen Licht erscheinen.

Die Autorin:
Trainee Géraldine wartet nicht gern. Serien schaut sie nur, wenn bereits alle Staffeln erschienen sind, damit sie sämtliche Folgen sofort parat hat. Sie isst ihre Pizza lieber halb durch, statt sie noch fünf Minuten drin zu lassen und Wartezimmer sind ihr schlimmster Alptraum.
Aber sie liebt Indiespiele, die sich nicht um Massentauglichkeit scheren und einfach ihr Ding durchziehen. Also hat sie The Longing eine Chance gegeben - und wurde von ihrer eigenen Geduld überrascht.

Worum geht es in The Longing?

Das Spiel beginnt mit dem König eines einsamen unterirdischen Höhlenreichs. Er ruft seinen Diener und die scheinbar einzig andere lebende Seele des Reiches zu sich, bevor er in einen langen Schlaf fällt. Sein Diener - genannt der Schatten - soll den Palast nicht verlassen und ihn in 400 Tagen aufwecken. In Echtzeit. Dann schläft er auch schon ein. Und da stehen wir nun. Ich und der Schatten und fragen uns, was wir die nächsten 400 Tage tun sollen.

Denn eine Aufgabe haben wir nicht, wir sollen nur warten. Neben dem Thronsaal, in dem der tiefe, ruhige Atem des schlafenden Königs von den Wänden hallt, befindet sich das Schlafzimmer des kleinen Schattens. Dort gibt es nicht viel, die Hauptattraktion ist ein alter Sessel, auf dem wir entweder sitzen und durch die Gegend starren oder ein Buch lesen können. Und ein Buch lesen heißt in diesem Fall: dicke Wälzer wie Moby Dick mit über 1.000 Seiten - natürlich ebenfalls in Echtzeit und vollständig im Spiel implementiert. Denn wir haben's schließlich nicht eilig.

Unsere aufregenden Optionen: sitzen und starren oder sitzen und lesen. Da weiß man gar nicht, was man zuerst machen soll. Unsere aufregenden Optionen: sitzen und starren oder sitzen und lesen. Da weiß man gar nicht, was man zuerst machen soll.

Alternativ können wir die verwinkelten und scheinbar unendlichen Gänge des Palastes erforschen und nach Geheimnissen Ausschau halten. So viel sei verraten: Von denen gibt es mehr als genug, um eure 400 Tage zu füllen. Sofern ihr die Geduld mitbringt, denn The Longing nimmt sich Zeit. Alle Zeit der Welt. Ihr wollt über diesen Abgrund springen? Klar, kein Problem, das Moos da unten wird euren Sturz abfangen, sobald es buschig genug ist. Das wird höchstens zwei Wochen dauern.

Was macht The Longing besonders?

Grund 1: The Longing läuft immer weiter. Selbst, wenn ihr es gerade nicht spielt. Die Tage und Minuten vergehen auch völlig ohne euer Zutun. Außerdem könnt ihr dem Schatten quasi als Spielbefehl sagen »Lies doch schon mal diesen Klassiker der Literatur, bis ich wieder da bin« oder »Laufe einfach an irgendeinen Ort des Palastes, mal gucken, wo ich dich finde, wenn ich wieder reinschaue«. Dadurch fühlt es sich ungeheuer real und lebendig an und ich habe mich tagsüber häufiger dabei ertappt, wie ich mich plötzlich fragte, was der Schatten wohl gerade tut.

Manchmal landet ihr in einem völlig unbekannten Teil des Palastes, der ein neues Geheimnis birgt. Manchmal landet ihr in einem völlig unbekannten Teil des Palastes, der ein neues Geheimnis birgt.

Grund 2: Das Spiel bringt euch regelmäßig zum Lachen, weil es sich seiner Langsamkeit genau bewusst ist und euch damit aufzieht. Während ihr im atemberaubenden Tempo einer gelangweilten, 80 Jahre alten Rentner-Schnecke eine Treppe hinaufkraxelt und hektisch mit Doppelklicks um euch werft, damit der Schatten endlich mal die Rennanimation auspackt, erklärt er euch in Seelenruhe: »Es gibt keinen Grund zur Eile, ich habe genügend Zeit zum Laufen.« Tja, wo er Recht hat.

Grund 3: The Longing stellt euer Zeitempfinden völlig auf den Kopf. Ihr geht einen Gang entlang, sammelt ein Stückchen Kohle ein, öffnet eine Tür - und plötzlich sind 20 Minuten vergangen. Durch euer langsames Spieltempo scheint die Zeit mit einem Mal viel schneller zu vergehen. Und das ist nicht das einzig mysteriöse an The Longing. Was passiert eigentlich, wenn ihr den Rat des Königs missachtet und den aus dem Palast flieht? Das Rätsel um den König, seinen Schlaf, den Schatten und den Palast verdichtet sich mit der Zeit immer mehr und führte immer wieder dazu, dass ich in einer ruhigen Minute doch nochmal ins Spiel schaute, um vielleicht mehr herauszufinden.

Weitere spannende Indie-Nominierungen beim DCP 2020

- Avorion: Weltraum-Sandbox, die quasi Elite mit Minecraft mixt
- Sea of Solitude: Story-Adventure, das sich ebenfalls mit dem Thema Einsamkeit beschäftigt
- Through The Darkest of Times: Strategiespiel zu Zeiten des Kampfes gegen den Nationalsozialismus
- Lonely Mountains: Downhill: Physikbasiertes Radrenn-Spiel, in dem ihr halsbrecherisch einen Berg hinabrast
- Lost Ember: Story-Adventure, in dem ihr die Welt aus den Augen eines Tieres seht

Noch mehr Geheimtipps? Kollegin Elena stellt euch ihre Indie-Empfehlungen für den April vor.

Für wen eignet es sich? Für wen nicht?

Wer damals schon Tamagotchis geliebt hat, der wird mit The Longing garantiert glücklich werden. Denn vom Moment an, in dem ihr es startet, adoptiert ihr den kleinen Kerl namens Schatten. Klar, ihr KÖNNTET ihn einfach die nächsten 400 Tage allein lassen. Aber man fühlt sich ja jetzt auch irgendwie verantwortlich für ihn. Er hat doch sonst niemanden.

Und wenn ihr wie ich mutige Spiele wie Pony Island oder The Stanley Parable liebt, die sich trauen, bekannte Konzepte aus dem Fenster zu werfen, dann werdet ihr auch mit The Longing etwas Einzigartiges erleben, das ihr nie wieder vergesst. Im Gegensatz zu gewöhnlichen Spielen könnt ihr es nicht mal so eben beiseite legen.

The Longing weiß genau, dass sein Spieltempo euch gerade wahnsinnig macht - und schmunzelt darüber. The Longing weiß genau, dass sein Spieltempo euch gerade wahnsinnig macht - und schmunzelt darüber.

Klar ist allerdings auch: Wer richtige Action oder klar strukturierte Spielmechanismen wie Quests oder Erfahrungspunkte benötigt, wird nur wenig Freude an The Longing haben. Die einzige Motivation von The Longing ist eure Neugierde.

Denn selbst, wenn ihr The Longing nie wieder anfasst, wird der Tag kommen, an dem der König geweckt werden will. Und das nicht zu tun, ist ebenfalls eine ganz bewusste Entscheidung. Die meisten Spiele warten nicht auf eure Rückkehr. Sie werden erst lebendig, wenn ihr sie spielt und verfallen in ewigen Schlaf, wenn ihr sie wieder weglegt. The Longing spielt sich selbst, ob ihr nun da seid oder nicht - ihr könnt euch lediglich entscheiden, Einfluss zu nehmen.

Ich würde nicht behaupten, dass ihr unbedingt ein geduldiger Mensch sein müsst, um The Longing zu genießen. Im Gegenteil: Für ungeduldige Menschen ist die Erfahrung vielleicht sogar noch intensiver, den Spiegel vorgehalten zu bekommen und gegen seine eigenen Muster zu handeln.

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