Die VIP-Demo von Anthem war ein technisches Desaster - Der Bioware-Shooter zeigt aber auch enormes Potenzial

Die erste Demo von Anthem litt unter etlichen Bugs und war für viele Vorbesteller kaum spielbar. Wir haben in Biowares Koop-Shooter aber nicht nur Negatives erlebt.

von Michael Herold,
28.01.2019 17:45 Uhr

War die Anthem-Demo wirklich nur schlecht? Die GameStar-Redaktion ist zwiegespalten.War die Anthem-Demo wirklich nur schlecht? Die GameStar-Redaktion ist zwiegespalten.

Die erste Demo-Phase von Anthem verlief alles andere als reibungslos: Überlastete EA-Server, endlose Ladescreens und haufenweise Bugs im Spiel. All diese Probleme sorgten am vergangenen Wochenende für enttäuschte Anthem-Fans. Die Entwickler haben zwar ihr Bestes gegeben, um möglichst schnell Updates und Fixes zu veröffentlichen, aber gerade für eine VIP-Demo war der erste öffentliche Anthem-Test für viele Fans eine herbe Enttäuschung.

Schließlich hatte zur ersten von zwei Demos nur die zahlende Kundschaft Zutritt erhalten, sprich alle Vorbesteller und Abonnenten von Origin Access. Erst am kommenden Wochenende darf in der offenen Demo jeder in Biowares Koop-Shooter in den Javelin-Kampfanzug einsteigen und Probe spielen.

Umso schlimmer also, dass in der VIP-Demo so viel schief ging. Wie genau die Probleme aussahen und warum wir trotzdem glauben, dass Anthem ein gutes Spiel werden könnte, klären wir hier und jetzt.

Die größten Probleme der VIP-Demo von Anthem

In den offiziellen EA-Foren und im Anthem-Subreddit finden sich haufenweise Threads, in denen Spieler von ihren negativen Erlebnissen mit dem Shooter berichten. Auch wir GameStar-Redakteure sind beim Spielen auf jede Menge Hindernisse gestoßen. Negativ fielen uns vor allem die folgenden Dinge auf:

  • Verbindungsprobleme mit den EA-Servern: Kaum startete die Demo am 25. Januar um 18 Uhr machten die Server von Origin dicht. Die Anthem-Demo und selbst andere EA-Titel wie FIFA 19 oder Battlefield 5 waren zeitweise nicht spielbar. Laut Bioware waren allerdings nicht die Server-Kapazitäten das Problem, sondern »andere Fehler«.
  • Freundes-Codes werden nicht akzeptiert: Jeder Vorbesteller und Origin-Access-Kunde hatte die Möglichkeit, bis zu drei Freunden über einen extra generierten Code Zugang zur Demo zu verschaffen. Aus unerfindlichen Gründen hat das Spiel aber viele dieser Codes nicht anerkannt.
  • Kein Zugriff auf die VIP-Demo trotz Zugriff auf die VIP-Demo: Wer dieses Problem hatte, kam nicht mal bis zum Startbildschirm. Obwohl man im Browser live überprüfen konnte, dass man mit seinem EA-Konto sehr wohl Zugangsrecht zur Demo hat, behauptete das Spiel einfach etwas anderes.
  • Ladebildschirm-Bug oder »95-Prozent-Bug«: Die wohl nervigste Macke der Demo sorgte dafür, dass Ladebalken regelmäßig kurz vor Schluss stecken blieben (nämlich bei 95 Prozent). Einzige Lösung: Das Spiel per Alt+F4 oder Task-Manager schließen und neu starten.
  • Man bleibt im Startbildschirm von Anthem hängen: Aus ebenfalls unbekannten Gründen kam man manchmal einfach nicht über den Startbildschirm der Demo hinaus. Auch hier half nur der Task-Manager oder das gute, alte Alt+F4.
  • Finale Zwischensequenz wird nicht abgespielt: Drei Story-Missionen waren in der Demo spielbar, zum Abschluss sollte man eigentlich ein letztes Mal mit seinem Auftraggeber sprechen, das war allerdings nicht möglich. Sobald man sich zu dem entsprechenden NPC begab und die Sequenz startete, fror das Bild ein. Im Hintergrund dudelte nur noch der dramatische Soundtrack, während wir erneut Alt+F4 bemühten.
  • Zweiter Javelin lässt sich nicht freischalten: In der Demo konnte man sich von Level 10 bis 15 hochleveln, ab der Stufe 12 schaltete man sich theoretisch einen zweiten Javelin-Kampfanzug frei. Aber aus dieser Theorie wurde häufig keine Praxis. Viele Spieler, die von diesem Bug betroffen waren, mussten auf ihren zweiten Javelin verzichten. Wenigstens verspricht ihnen Bioware dafür eine Entschädigung in der Open Demo.
  • Rubberbanding innerhalb der Spielwelt: Bei vielen Spielern kam es während den Missionen oder Spaziergängen in der offenen Spielwelt zu sogenanntem »Rubberbanding«, also störenden Lags, die uns hin und her zuckeln lassen.

Von all diesen Dingen waren wir betroffen. Ein Redakteur verbrachte etwa von den knapp 4 Stunden mit Anthem lediglich zweieinhalb im tatsächlichen Spiel. Die anderen 90 Minuten hielt ihn der Ladebildschirm gefangen, als Auflockerung dienten Task-Manager sowie PC-Neustarts.

Was war in der Demo spielbar?
Die Anthem-Demo setzt uns nicht an den Anfang, sondern in die Mitte der Kampagne. Wir starten mit unserem Charakter auf Stufe 10 und können bis Stufe 15 aufleveln. Spielbar sind dabei drei große Missionen, die uns vom NPC Matthias aufgetragen werden. Außerdem können wir im Freien Spiel anch Herzenslust die offene Spielwelt erkunden und in einem Stronghold gegen Gegnerwellen und einen riesigen Endgegner antreten.

Wie ist Anthem? - Video: Das sind die Meinungen der Redakteure 10:24 Wie ist Anthem? - Video: Das sind die Meinungen der Redakteure

GameStar-Fazit zur VIP-Demo von Anthem

Trotz alledem gehen wir jedoch nicht nur mit negativen Gefühlen aus dem Demo-Wochenende. Bioware hatte schließlich angekündigt, dass der Demo noch sechs Wochen an Bugfixes fehlen. Wie schlägt sich also die eigentliche Spielmechanik?

Während manche Kollegen auch innerhalb des Spiels nicht viel Spaß hatten, konnten sich andere ziemlich für das Fliegen und Ballern mit den Javelins begeistern. Hier ein paar Stimmen aus unserer Redaktion.

Redakteur Philipp Elsner hatte beispielsweise viel Spaß mit den Kämpfen und lobt vor allem den Koop-Aspekt. Während wir in Solo-Missionen nämlich schnell ins Gras gebissen haben, liefen die Schlachten im Team mit anderen Javelin-Kollegen viel besser:

"Das kombinieren der Javelin-Fähigkeiten für Kombos funktioniert nur, wenn man sich gut abspricht, belohnt dich aber, indem du selbst fette Gegner in Sekunden platt machst. Außerdem gefällt mir, dass die Waffen eine eher untergeordnete Rolle spielen, die Fähigkeiten sind dein Hauptwerkzeug, was durch die kurzen Cooldowns auch Spaß macht."

Kritik aus der Redaktion

Christoph Klapetek, Chef unseres Video-Teams, kritisiert indes, dass sowohl Story, als auch das Loot-System und die Gegner-KI Mängel aufweisen. Das Hub-Gebiet Fort Tarsis, in dem man sich bei NPCs die Missionen abholt, hatte für ihn den Charakter eines lahmen Walking Simulators. Auch Christian Fritz Schneider gefiel abseits der tollen Grafik kaum etwas an Anthem:

"So hübsch die Spielwelt auch ist, das Weltendesign und die Charaktere sind langweilig. Spielerischer Anspruch entsteht nur durch die lächerlich großen Gegnermassen, die allesamt aber nicht schlau agieren und am Ende werden einfach ganz viel Grafikeffekte über alles drüber geknallt."

Die Gegner in Anthem haben nicht viel Hirn, sind aber dennoch nicht leicht zu besiegen.Die Gegner in Anthem haben nicht viel Hirn, sind aber dennoch nicht leicht zu besiegen.

Das Spiel Anthem war besser als die Demo

Ich selbst sehe zwischen all den offensichtlichen Problemen der Anthem-Demo viel Positives in Biowares neuem Werk:

  • Das Fliegen macht nicht nur Spaß, sondern ist auch taktisch sehr sinnvoll. Durch geschicktes Nutzen des gesamten Levelgebiets kann man sich extreme Vorteile in den Kämpfen verschaffen oder kurze Regenrationsphasen erschaffen, und das geht am besten, wenn man mal eben auf eine Klippe oder eben weit weg von den Gegnern fliegt. Allerdings braucht es etwas Eingewöhnungszeit, bis man das Fliegen halbwegs beherrscht. Besonders mit Maus und Tastatur.
  • In der Story zeigt sich alte Bioware-Klasse. Zugegeben die Missionen der VIP-Demo von Anthem verliefen fast ausschließlich nach einem Muster: Geh irgendwohin, töte alles, was sich bewegt, geh zur nächsten Markierung, töte wieder, und das dann immer weiter, bis irgendwann ein Endboss kommt. Aber die Story drumherum, sprich die Gespräche im Fort Tarsis zum Beispiel mit Matthias, gaben dem Ganzen den nötigen Kontext und stellenweise auch. Da zeigte sich, dass Bioware immer noch Ahnung von Rollenspielen hat, auch wenn die spärlichen Dialog-Entscheidungen im Spiel noch vollkommen nebensächlich waren. In der einen bisher verfügbaren Questkette sieht man durchaus gute Ansätze.
  • Die Javelins sind extrem unterschiedlich. Es macht wirklich einen Unterschied, ob man als Storm spielt und mit Elementar-Schaden Gegner verbrennt und einfriert, oder ob man als Colossus ein Abwehrbollwerk darstellt. Klar, auch andere Shooter haben verschiedene Klassen, aber »Rad nicht neu erfinden« hin oder her: Anthem macht hier viel richtig.
  • Die Customization der Javelins: Die Kampfanzüge lassen sich auf vielfältige Weise optisch individualisieren. Ein komplett güldener Javelin? Machbar. Ein blassblau-karierter Anzug? Sicherlich auch möglich. Und da die Javelin-Fähigkeiten in den Kämpfen wichtiger sind als unsere Waffen, ist es umso erfreulicher, dass wir unsere Anzüge so frei gestalten können.

Fassen wir also zusammen: Anthem hat noch viele Schwachpunkte und gerade die VIP-Demo hat gezeigt, dass noch etliche technische Mängel im Spiel stecken. Aber die Koop-Kämpfe machen schon jetzt mächtig Laune, sofern man die Elementar-Schäden und das Teamplay richtig nutzt sowie ein Faible für die Besonderheiten des Kampfsystems hat.

Obwohl die Story und die Charaktere noch sehr verwirrend oder belanglos erschienen, konnten wir schon jetzt Charme und Humor darin entdecken (und wir wurden in der Demo ja mitten in die Kampagne geschmissen). Die technischen Probleme der Demo verdeckten also den Blick auf ein sehr vielversprechendes Spiel.

Was habt ihr von der Demo gehalten? Konntet ihr überhaupt spielen oder seid ihr an den vielen Bugs gescheitert und habt nur in den Ladebildschirmen gewartet? Schreibt uns eure Meinung zu Anthem gerne in den Kommentarbereich.

Wie sich Bioware mit Anthem neu erfindet (Plus-Report)

Anthem - Vorschau-Video zum Endgame des Bioware-Shooters 5:04 Anthem - Vorschau-Video zum Endgame des Bioware-Shooters


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