Die kürzlichen Entlassungen bei Microsoft (mehr dazu in der Link-Box) ziehen weite Kreise. Auch id Software, der Entwickler hinter Doom, ist massiv betroffen. So sehr, dass viele fassungslose Fans und Entwickler gerade online ihrem Ärger Luft machen.
Wie Eurogamer berichtet, wurden so viele entlassen, dass das Studio wahrscheinlich keine eigenen Spiele mehr hervorbringen kann. Id Software ist auf die Größe eines kleinen Support-Entwicklers geschrumpft, was auch der Sargnagel für die gerade erst vorgestellten, zukünftigen Projektideen sein dürfte. Auf X und Steam zeigen sich viele Fans empört über den Schritt.
Der Schock sitzt tief bei den Entwicklern
Insgesamt wurden 136 Menschen bei id Software rausgeworfen. Eine so gewaltige Zahl, dass der Staat Texas aus rechtlichen Gründen verpflichtet ist, eine Warnung auszusprechen (das greift immer, wenn in den USA 100 Leute oder mehr auf einen Schlag entlassen werden). 96 davon waren wohl direkt in Texas tätig und 40 arbeiteten Remote.
Damit verbleiben nur 49 Mitarbeiter, was es id Software in Zukunft schlichtweg unmöglich macht, im gleichen Umfang wie bisher Spiele zu entwickeln. Ehemalige Entwickler üben scharfe Kritik an Microsoft und zeigen sich geschockt über den Schritt. So formuliert etwa der ehemalige Principal VFX Artist Derek Best einen Post auf Linkedin:
Ich bin sprachlos darüber, wie brutal die Entlassungen waren. Insgesamt wurden Jahrzehnte an Wissen im Studio auf einen Schlag ausgelöscht. [...] Tolle Arbeit, Microsoft. Nichts steht so sehr für ein erfolgreiches Business wie ein Team dem Erdboden gleichzumachen und sie zu einem Support-Studio zu degradieren, während man gleichzeitig enorme technologische Errungenschaften über Bord wirft.
Der frühere id-Software-Entwickler findet damit klare Worte. Auch die Kollegen von Gamesbeat haben mit ehemaligen Mitarbeitern gesprochen. Die zeigen sich nicht nur ebenfalls fassungslos, sondern reden auch über Ideen und Konzepte für zukünftige Projekte, die nun wohl nie entstehen werden.
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Spiel gut, Microsoft schlecht
Dabei klangen die Entwürfe durchaus vielversprechend: Intern wurde wohl über ein Spiel im John-Wick-Stil diskutiert, das den Codenamen Fury trug und auf ein modernes Cyberpunk-Gangster-Setting mit Noir-Elementen setzen sollte. Spielerisch wollte das Projekt flottes Gunplay mit Martial Arts verknüpfen.
Ein weiterer Pitch drehte sich um ein von Westworld inspiriertes Roboter-Survival-Spiel unter dem Decknamen Ironwood, und auch Multiplayer- und Koop-Versionen von Doom waren im Gespräch. Auch wenn es sich dabei nur um erste Ideen handelt, die vielleicht so oder so nie das Licht der Welt erblickt hätten, dürfte der Gedanke daran viele Fans schmerzen.
Die Nachricht schmerzt zudem besonders, weil erst vor drei Tagen eigentlich der Revelations-DLC für Doom: The Dark Ages erschienen ist und sehr gut aufgenommen wurde. Nun hat der Release für viele aber einen faden Beigeschmack. So schreibt Nutzer yardsale etwa auf Steam:
Ich hatte vor, dieses Spiel bis zur Veröffentlichung des DLCs durchzuspielen, doch leider wurde dieses großartige Erlebnis durch die Entlassungen bei Id Software getrübt. Die Entwickler dieses Spiels haben das nicht verdient, und es ist wirklich inakzeptabel, dass die derzeitige Unternehmenskultur in der Spielebranche davon ausgeht, dass man gute oder gar stimmige Ergebnisse erzielen kann, wenn man Teams, die jahrelang zusammengearbeitet haben, einfach ausdünnt. Spiel gut, Microsoft schlecht.
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Ein tragisches Ende für einen legendären Entwickler
Auch auf X finden sich viele Posts zu dem Thema. The DOOM Dominion veröffentlicht etwa eine Liste mit den betroffenen Entwicklern, was für viel Anteilnahme und Fassungslosigkeit in den Kommentaren sorgt.
Link zum Twitter-Inhalt
Nutzer Fancy Overture reagiert etwa so:
Darunter sind so viele Lead- und Senior-Postionen. Das sind die Entwickler-Veteranen, die wissen, was sie tun. Sie sind die, die gefeuert werden. Wie erbärmlich von Microsoft.
James Fisher ergänzt zynisch, dass es wahrscheinlich einfacher wäre, eine Liste mit denen zu veröffentlichen, die überhaupt noch da sind
. Auch User MakMisle23 wird jetzt erst so richtig bewusst, welches Ausmaß die Entlassungen annehmen:
Weißt du, wenn du hörst, dass 96 Leute gefeuert wurden, dann klickt es irgendwie, aber nicht so ganz. Aber wenn du liest, woran diese Leute tatsächlich gearbeitet haben, dann spürst du die Auswirkungen so richtig. Das ist ein gottverdammtes Massaker. Von id ist nichts mehr übrig und Xbox ist noch nicht mal fertig mit den Entlassungen.
Gerade bei den zahlreichen Entlassungen im QA-Bereich, haben manche Nutzer zudem KI im Verdacht und fürchten einen Abfall bei der Qualität zukünftiger Titel. Nur wenige zeigen sich in den Kommentaren optimistisch und hoffen, dass es sich vor allem um bewusste Verschlankungsmaßnahmen handelt, die schmerzhaft, aber notwendig sind.
Id Software hat sich vor allem über Doom einen Namen gemacht, sowie die Engine id Tech, die auch bei Wolfenstein oder Indiana Jones zum Einsatz kam. Wie es nun weitergeht, ist unklar.
Gerüchten zufolge könnte sich das Studio stärker auf die technische Seite rund um id Tech konzentrieren, um Lizenz-Kosten für externe Engines einzusparen. Allerdings wurden auch aus diesem Bereich einige Mitarbeiter gefeuert. Eine andere naheliegende Option ist die zukünftige Rolle als kleines Support-Studio, etwa für Machine Games, die an einem neuen Wolfenstein werkeln sollen.
Mehr zu den Entlassungen bei Microsoft und Xbox lest ihr in der Link-Box etwas weiter oben. Unabhängig von den konkreten Gründen oder davon, wie es mit id Software und den gefeuerten Mitarbeitern weitergeht, möchten wir allen Betroffenen unser tiefes Mitgefühl aussprechen.
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