Die größte Herausforderung für Elder Scrolls 6 heißt Elder Scrolls Online

Meinung: Wir müssen über The Elder Scrolls 6 reden. Denn das Rollenspiel steht durch ESO vor der bisher größten Herausforderung aller Elder-Scrolls-Teile. Und das macht Géraldine Sorgen.

von Géraldine Hohmann,
06.12.2020 10:10 Uhr

Der 11.11.2011 - ein geschichtsträchtiger Tag in der Spielewelt. Das Wetter ist außergewöhnlich trocken, die elektrische Spülmaschine feiert ihren 125. Geburtstag und kein Mensch interessiert sich dafür, denn zeitgleich erscheint auf der ganzen Welt The Elder Scrolls 5: Skyrim.

Seitdem sind neun Jahre vergangen und The Elder Scrolls 6 scheint noch in weiter Ferne zu liegen. Trotzdem muss ich darüber sprechen, auch und gerade weil ich mich schon jetzt auch sehr darauf freue. Aber ich mache mir auch Sorgen. Denn Bethesdas neuer Rollenspiel-Teil steht vor einer großen Herausforderung, mit der noch kein Elder Scrolls zuvor kämpfen musste.

Über die Autorin
Géraldine wird nie vergessen, wie sie an jenem besonderen Freitag im November 2011 nach der Mathestunde ins Einkaufszentrum gestürmt ist, um sich ihre vorbestellte Kopie von Skyrim inklusive T-Shirt abzuholen … und wie sie dann in jenem T-Shirt bis spät in die Nacht auf den Steam-Download warten musste, weil die Server unter dem Ansturm zusammenbrachen. In Himmelsrand, Cyrodiil und Morrowind kennt sie sich inzwischen besser aus als in ihrer Heimatstadt.

Vom MMO zum Solo-Rollenspiel

Eines ist sicher: Nach dem stellaren Erfolg von Skyrim lastet auf The Elder Scrolls 6 ein enormer Druck. Und das obwohl bisher nicht viel mehr als ein kurzer Teasertrailer existiert. Zumindest eines geht aus dem aber hervor: Mit sehr großer Wahrscheinlichkeit verschlägt es uns in The Elder Scrolls 6 nach Iliac Bay. Dazu gehören Hochfels, die Heimat der Bretonen und Hammerfell, die der Rothwardonen. Und eines unterscheidet diese Region drastisch von Himmelsrand, Cyrodiil und Vvardenfell: Wir kennen sie bereits.

The Elder Scrolls 6 - Teaser-Trailer: Es existiert tatsächlich! 0:36 The Elder Scrolls 6 - Teaser-Trailer: Es existiert tatsächlich!

Immerhin war Skyrim nicht das letzte Lebenszeichen der Elder-Scrolls-Reihe. 2014 bekamen wir Elder-Scolls-Fans mit The Elder Scrolls Online einen MMORPG-Ableger, der uns nach und nach die ganze Welt von Tamriel zu Füßen legte. Die Ganze. Welt. Für mich als Elder-Scrolls-Lore-Nerd damals ein absoluter Traum.

ESO verband nicht nur die bereits bekannten Orte Himmelsrand, Cyrodiil und Morrowind in einem Spiel, sondern packte auch noch die meisten Regionen von Tamriel obendrauf, die ich bisher nur von den schicken beigelegten Karten oder ausschweifenden Lore-Artikeln kannte.

Das stellt uns aber für Elder Scrolls 6 vor eine extrem ungewöhnliche Situation: Bethesda muss eine Welt, die bereits in einem MMO existiert, in ein Singleplayer-Spiel verwandeln. Für alle bisherigen Singleplayer-Spiele - Arena und Daggerfall mal ausgeklammert - funktionierte das genau umgekehrt. Und bis auf einige Details waren sich die Solo-Welten und ihre MMO-Version immer verdammt ähnlich.

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Der verlorene Reiz einer unbekannten Welt

Skyrim konnte von Grund auf eine völlig neue Welt erschaffen. Eine Welt, die ganz speziell für Singleplayer ausgelegt war und die Fans sich bisher nur ausmalen konnten. Das Gefühl, meinen ersten Schritt in das raue verschneite Himmelsrand zu setzen, bereitet mir heute noch Gänsehaut.

Natürlich steht The Elder Scrolls für weit mehr als sein Setting, aber ich persönlich habe meine Wartezeiten auf einen neuen Teil am liebsten mit langen Spekulationen verbracht, welche Welt sich mir als nächstes öffnen würde - und ob sie so sein würde, wie ich sie mir über die Jahre vorgestellt hatte.

The Elder Scrolls 6 hat diese Möglichkeit nicht mehr, das Geheimnis um Hochfels und Hammerfell wurde schon lange gelüftet. Und eine Welt, die für hunderte gleichzeitige Spieler designt wurde, in ein Solo-Rollenspiel übersetzen? Mit all dem Environmental Storytelling und all den abstrusen kleinen Details, für die wir die Reihe kennen und lieben? Eine gewaltige Aufgabe. Und dabei hätte Bethesda es sich auch leichter machen können.

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Die Möglichkeiten von The Elder Scrolls 6

Das Gebiet Schwarzmarsch ist die einzige Provinz, die auch 2020 noch ein beinahe unbeschriebenes Blatt in ESO ist. Die Randgebiete lassen sich zwar dank Updates und DLCs mittlerweile besuchen, aber das Herz der Argonier-Heimat ist noch immer ein großes Geheimnis.

Und was gäbe das für ein herrliches Setting ab! Von Sümpfen und Dschungel, von unbekannten Kreaturen und von lebenden Bäumen ist die Rede. Das ruft warme Erinnerungen an das abgedrehte Setting von Morrowind wach - den wir in unserem Elder Scrolls-Ranking sogar zum besten Teil der Reihe erkoren haben.

Längst haben engagierte Mod-Entwickler das Potenzial der Region erkannt, bei Beyond Skyrim arbeiten Dutzende Fans an neuen Inhalten für Schwarzmarsch - und sechs andere Provinzen, was die Total Conversion zum größten Elder-Scrolls-Rollenspiel aller Zeiten machen soll:

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Hochfels mit seinen mittelalterlichen Fantasy-Wäldern und Hammerfell mit seinen orientalischen Wüsten sind natürlich auch nicht zu verachten - und dürften am Ende ein viel breiteres Publikum ansprechen. Und natürlich, nicht jeder hat The Elder Scrolls Online bereits gespielt. Nicht jeder weiß bereits, wie Hochfels und Hammerfell dort umgesetzt wurden. Aber entzaubert sind sie dennoch - zumindest in der Zweiten Ära der Elder-Scrolls-Geschichte.

Hochfels Hochfels ist in ESO vor allem durch seine grünen Wälder und bergige Landschaft geprägt.

Hammerfell In Hammerfell erkunden wir eine orientalisch angehauchte Wüsten-Region mit regen Handelshäfen.

Denn es gibt noch eine Möglichkeit, uns zu überraschen. Angesichts der bisherigen Elder-Scrolls-Geschichte wird ES6 sehr wahrscheinlich in der Fünften Ära oder sogar danach spielen - also mehr als tausend Jahre nach den Ereignissen von The Elder Scrolls Online und auch weit nach der Geschichte von Skyrim. Einer Ära, über die bisher so gut wie nichts bekannt ist. Und es wäre nicht das erste Mal, dass ein verheerendes Ereignis die Welt von Tamriel auf den Kopf stellt.

Der Kampf am Roten Berg etwa ließ mit den Dwemern kurzerhand eine ganze Rasse spurlos verschwinden. Der anschließende Vulkanausbruch tauchte ganz Morrowind in Ascheregen, während der erste die Insel Vvardenfell überhaupt erst geschaffen hatte. Die Möglichkeiten, Hochfels und Hammerfell in einem ganz neuen Licht zu zeigen sind quasi grenzenlos.

Zudem bietet die Existenz von The Elder Scrolls Online auch Chancen: Schließlich könnten wir dort schon vor Release von Elder Scrolls 6 Hinweise auf deren Geschichte bekommen oder sogar unseren ganz persönlichen ES6-Prolog. Die Entwickler scheinen diesbezüglich durchaus einiges in Planung zu haben, wie sie uns im Interview verraten:

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Ich kann es jedenfalls kaum erwarten, irgendwann wieder in die Welt von Tamriel einzutauchen. Aber ich hoffe, dass ich sie ein weiteres Mal von einer neuen Seite kennenlerne. Und nicht einfach nur gelangweilt durch eine aufgehübschte Singleplayer-Version einer mir bereits bekannten Welt latsche.

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