The Elder Scrolls: Der spannendste Ort wird von den Spielen zu Unrecht ignoriert

Meinung: Einer der spannendsten Provinzen auf der Karte von Tamriel wird bisher viel zu wenig Liebe geschenkt. Und Géraldine möchte sie endlich mal besuchen.

von Géraldine Hohmann,
17.10.2021 08:12 Uhr

Erinnert ihr euch noch an das erste Mal, als ihr in Morrowind vor die Tür getreten seid? Am (zugegeben etwas nebligen) Horizont standen Häuser aus Insektenschalen, euch begrüßten blauhäutige Dunkelelfen und in der Nähe ertönte das sanfte Blöken eines gigantischen Schlickschreiters, auf dessen Rücken ihr in eine Welt voller Vulkane, riesiger Pilze und noch nie gesehener Kreaturen aufgebrochen seid.

Morrowind bleibt bis heute der Punk unter den Elder-Scrolls-Spielen. Die mittelalterliche High Fantasy von Oblivion und die glattgebügelte Wikinger-Fantasie von Skyrim sind dagegen richtig zahm. Und dabei existiert auf der Karte von Tamriel ein Ort, der Morrowind in Sachen rebellisches Rock’n’Roll-Setting locker in den Schatten stellen könnte: die bisher nie richtig gezeigten Sümpfe von Schwarzmarsch.

Die Autorin
Wenn Géraldine genauso viele Stunden in Gitarrenunterricht gesteckt hätte wie in das Lesen von Elder-Scrolls-Lore, wäre sie heute vielleicht Mitglied einer angesehenen Rockband. Stattdessen ist sie GameStar-Redakteurin - auch gut. So kann sie immerhin über all die Orte sprechen, die sie in The Elder Scrolls noch bereisen möchte. Vor allem die düstere Heimat der Argonier hat es ihr angetan, die von den Spielen bisher sehr stiefmütterlich behandelt wurde.

Einmal nach Schwarzmarsch, bitte!

Okay, okay. Streng genommen kam die Heimat der Argonier Schwarzmarsch schon einmal vor. Und zwar 1994 in der kastigen MS-DOS-Welt von The Elder Scrolls: Arena. Aber das erlaube ich mir mal, auszuklammern. Selbst in The Elder Scrolls Online, das eigentlich die ganze Welt von Tamriel zugänglich macht, bleibt Schwarzmarsch bisher ein dunkler Fleck auf der Karte. Klar, wir können ein bisschen nahe der nördlichen Grenze abhängen und der DLC Murkmire schickt uns an den südlichsten Zipfel nahe der Küste - aber ich als echte Abenteurerin will mehr!

Ich will ins schwarze Herz des Dschungels abtauchen, die lebenden Bäume treffen, von giftigen Pflanzen angegriffen und vom mysteriösen fauligen Schlammregen überrascht werden. Ich möchte die stillgelegte argonische Assassinen-Akademie in Archon besuchen und aus dem sichersten Gefängnis von ganz Tamriel ausbrechen - das den unverfänglichen Namen »Die Rose« trägt. 

Arena Könnt ihr etwas erkennen? Nein? Wir auch nicht so richtig. So sah die Schwarzmarsch-Stadt Seelenruh im ersten Elder Scrolls 1994 aus. (Quelle: elderscrolls.fandom.com)

ESO Die Concept Arts von Elder Scrolls Online geben einen Eindruck davon, wie es im Herzen von Schwarzmarsch aussehen könnte.

Schwarzmarsch ist anders als alles, was wir aus Tamriel kennen. Die Argonier haben eine wilde und unerforschte Kultur - man erzählt sich, dass die Hist-Bäume telepathisch mit ihnen kommunizieren können und eine Schwarmintelligenz besitzen. 

Das Land ist immer im Wandel. Städte wechseln durch den weichen Schlamm und die Wetterbedingungen gerne mal ihre Position oder werden überflutet - und die Behausungen deshalb einfach durch neue ersetzt. Der Küstenort Kleinmottien wurde von der fliegenden Höllenstadt aus dem gleichnamigen Elder-Scrolls-Roman vollständig ausgelöscht. So viel Potenzial für spannende Geschichten!

In der größten Skyrim-Mod aller Zeiten werden wir Schwarzmarsch übrigens besuchen können. Denn Beyond Skyrim eröffnet uns die Grenzen von Himmelsrand hinaus nach ganz Tamriel. Wie sich das Team hinter der Mod Schwarzmarsch vorstellt, seht ihr in ihrem Video:

Beyond Skyrim: So sieht das exotische Schwarzmarsch in der gewaltigen Mod aus 5:44 Beyond Skyrim: So sieht das exotische Schwarzmarsch in der gewaltigen Mod aus

Wann werden wir Schwarzmarsch erleben?

Wir wissen bereits, dass The Elder Scrolls 6 in Iliac Bay spielen soll - also der Wüstenprovinz Hammerfell und dem europäisch-mittelalterlichen Hochfels. Übrigens dasselbe Gebiet, in dem auch schon The Elder Scrolls 2: Daggerfall angesiedelt war. Klar, für ein großes Singleplayer-Rollenspiel ist das eine sichere Bank. Hätte ich mir mehr Mut beim Setting gewünscht? Vielleicht.

Bisher existiert Schwarzmarsch fast nur in meiner Fantasie. Ob es am Ende wirklich so düster, wild, exotisch und abenteuerlich wäre, weiß ich nicht. Vielleicht würden mir die ewigen schlammigen Sümpfe auch irgendwann auf die Nerven gehen. Aber der Punkt ist: Schwarzmarsch ist alles, was mir von meiner früheren Elder-Scrolls-Neugierde noch geblieben ist. 

Bevor The Elder Scrolls Online plötzlich fast alle Gebiete Tamriels auf einmal enthüllte, habe ich vor jedem neuen Singleplayer-Teil monatelang spekuliert, welche Provinz ich als nächstes würde bereisen dürfen. Das waldige Valenwood und das orientalische Elsweyr waren für mich damals genauso eine unbekannte Welt wie heute Schwarzmarsch. Allein beim Gedanken, sie irgendwann besuchen zu können, bekam ich Herzklopfen. 

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Am wahrscheinlichsten ist es, dass auch Schwarzmarsch seinen ersten Auftritt in ESO haben wird. Vielleicht ist es sogar Thema des neuen jahresumfassenden Abenteuers für 2022. Aber wenn ich so darüber nachdenke, darf sich Bethesda damit ruhig Zeit lassen. Wenn Schwarzmarsch je seinen Weg in die Elder-Scrolls-Spiele findet, dann bitte nicht als kleine Randnotiz - sondern mit einem Knall!

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