Evolve - Balancing unmöglich, Updates zu langsam: Designer spricht über das Scheitern

Evolves Free2Play-Version Stage 2 wird eingestellt. Die Entwickler erklären, warum der asymmetrische Multiplayer-Shooter gescheitert ist.

von Elena Schulz,
06.06.2018 11:35 Uhr

Evolve: Stage 2 wird im September eingestellt. Auf Reddit erklären die Entwickler, was dazu geführt hat.Evolve: Stage 2 wird im September eingestellt. Auf Reddit erklären die Entwickler, was dazu geführt hat.

Wie wir berichteten, wird Evolve: Stage 2 im September eingestellt. Damit ist die Free2Play-Version des asymmetrischen Multiplayer-Shooters offiziell gescheitert. Auf Reddit äußerte sich Writer und Designer Matt Colville dazu und erklärte, was bei Evolve schiefging.

Ein großes Problem sei die Art gewesen, wie die Entwickler an ihr Spiel herangingen. Das 4-gegen-1-Erlebnis sei das Wichtigste gewesen, weil es Evolve von anderen Spielen abhob und damit auch das war, womit der Publisher den Titel bewerben konnte.

Es klang cool und schien in den ersten Prototypen wunderbar zu funktionieren. Allerdings tat sich schon damals ein Problem auf. Colville zufolge hatte ein Freund ihn darauf hingewiesen, dass das Team Evolve fast schon »rollenspielte« und es nur deshalb funktionierte. Mittlerweile glaube er, dass das zutreffe. Jeder im Team habe sich gewünscht, dass Evolve funktioniere und es deshalb auch so gespielt. Als der erste damit begann, es mit dem Ziel zu spielen, zu gewinnen, sei alles auseinandergefallen.

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Zwei Spiele in einem

Es sei fast unmöglich gewesen, das Spiel vernünftig zu balancen. Das liegt laut Colville daran, dass jeder Held und jedes Monster vollkommen unterschiedliche Mechaniken mitbringe und damit unzählige völlig verschiedene Kombinationen möglich seien, die der Entwickler balancen müsse. Neue Inhalte waren damit immer schwierig, jede coole Idee biss sich mit etwas, das bereits im Spiel war. Auch die Asymmetrie war ein Teil dieses Problems: Beide Seiten, Jäger und Monster, spielten vollkommen unterschiedliche Spiele.

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Ohne die Asymmetrie wäre all das nicht problematisch gewesen. Man hätte einfach einen coolen Sci-Fi-Koop-Titel für vier Spieler entworfen, die KI-Monster jagen und eine fremde Alienwelt erkunden. Es wäre ein anderes Spiel mit mehr Spaß und einem größeren Publikum geworden. Das Team, das zum großen Teil aus Artists und nicht Programmierern bestand, sei darauf ausgelegt gewesen, eine mitreißende Welt für einen Koop-Shooter zu erschaffen, nicht aber ein funktionierendes kompetitives Spielsystem.

Als einfacher Koop-Shooter hätte Evolve aber natürlich das verloren, was den Titel so neu und einzigartig machte. Gerade das »Neue« und »Innovative« wurde Evolve ironischerweise aber laut Colville zum Verhängnis. Ein Scharfschützen-Gewehr markierte nur Schwachpunkte des Monsters und ließ Verbündete mehr Schaden austeilen und nicht war nicht wie in anderen Spielen für One Shots da. Das habe zur Natur von Evolve gepasst, aber den Erwartungen der Käufer widersprochen. Ein weiteres Problem, das Evolve schwer verständlich machte. Dem Entwickler sei es einfach nie gelungen, das 4-vs-1-Spielkonzept so aufzulösen, dass es Spaß mache und funktioniere.

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Nur mit Freunden

Gleichzeitig sei ein Spiel schwer zu verkaufen, für dass man eigentlich vier Freunde braucht, die es ebenfalls spielen. Schließlich müsse man sie alle davon überzeugen 50 bis 60 Euro auszugeben. Andere Multiplayer-Shooter könne man einfach mit irgendwelchen Leuten spielen, sich sogar wie ein Arsch im Team verhalten und trotzdem Spaß haben. Aber Evolve verlange einfach, zu kooperieren. Es funktioniere nur, wenn alle von Anfang an zusammenarbeiten und dafür wiederum brauche man im Idealfall Freunde und keine fremden Spieler.

Deshalb erschien Free2Play wie eine gute Lösung. Man erhält das Spiel kostenlos, kann gemeinsam zocken und muss nur für kosmetische Items bezahlen. Allerdings war es dafür zum Start von Evolve Stage 2 wohl schon zu spät. Als letzten Punkt nennt Colville noch die zu sporadischen Updates. Bei einem kompetitiven Online-Spiel würde es einfach nicht ausreichen, den Titel nur alle drei Monate mit Patches oder neuen Inhalten zu versorgen.

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Trotz allem sei Colville davon überzeugt, dass man Evolve hätte retten können, wenn das Team schneller und effizienter mit Updates und Bug-Fixes reagiert hätte. Man habe einen tollen Release gehabt mit haufenweise Leuten, die das Spiel kauften und spielten. Allerdings habe es viel negative Berichterstattung über zu teure DLCs gegeben, die teilweise schlichtweg falsch gewesen sei. Die negativen Stimmen, der zu teure Preis und Updates, die nicht rechtzeitig kamen, hätten laut Colville das Ende von Evolve besiegelt.

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