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Football Manager 2021 im Test: Ein lässiger Sieg

Der Football Manager 2021 lässt auf den ersten Blick Innovation vermissen - doch brilliert im Test an viel wichtigerer Stelle.

von Dennis Zirkler,
23.11.2020 18:25 Uhr

Wenn ein Trainer im Interview mal so richtig an die Decke geht, ist das in der Regel ein denkwürdiges Ereignis, an das sich Fußballfans auch noch Jahre später gerne zurückerinnern. Das prominenteste Beispiel dafür dürfte wohl die Pressekonferenz des FC Bayern aus dem Jahr 1998 sein, als Giovanni Trapattoni wie ein sizilianischer Vulkan explodierte und uns mit »Flasche leer« und »Ich habe fertig« Redewendungen für die Ewigkeit bescherte.

Als größte Neuerung der diesjährigen Version des Football Manager preist Entwickler Sports Interactive die überarbeitete Kommunikation an: Eine Änderung, die ich schon lange sehnsüchtig erwarte - schließlich waren die Pressegespräche in den vergangenen Jahren nicht viel mehr als nerviges Beiwerk.

Endlich kann ich im Gespräch mit Journalisten so richtig auf den Tisch hauen und meiner Wut freien lauf lassen! Doch so legendär wie Trapattonis Wutrede ist das Feature bei weitem nicht - allerdings punktet der Football Manager diesmal an einer anderen Stelle, die ohnehin viel, viel wichtiger ist.

Wie die hunderttausenden Spieler und Vereinsmitarbeiter ihren Weg in die riesige Datenbank finden, könnt ihr in unserer Plus-Reportage nachlesen:

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Auf den ersten Blick nichts Neues

Wenn man im Football Manager 2021 den ersten Spielstand startet, hat sich auf den ersten Blick wenig getan. Wie immer begrüßt mich ein wahrer Dschungel aus Menüs, in dem sich Veteranen sofort heimisch fühlen und Neulinge heillos überfordert. Doch wie jedes Jahr gilt: Wer sich einarbeitet, wird belohnt.

Auf dem Transfermarkt kaufe ich neue Spieler, trichtere den Jungs im Trainingsbildschirm neue Formationen und Spielzüge ein und sehen ihnen dann während des Spieltages bei der (hoffentlich erfolgreichen) Umsetzung meiner erhabenen Taktikkenntnisse zu.

Das sieht auch dieses Jahr wieder ganz schön hässlich aus: Der Football Manager versprüht in seinen Menüs den Charme einer aufgepimpten Tabellenkalkulation und auf dem tatsächlichen Rasen kicken die Jungs so technisch beeindruckend wie die Polygon-Kader von FIFA 98- aber immerhin wurden die Laufanimationen nun soweit verbessert, dass die Spieler nicht mehr so aussehen, als würden sie Schlittschuhlaufen.

Der Football Manager 2021 sieht immer noch bescheiden aus Der Football Manager 2021 sieht immer noch bescheiden aus

Schlimm ist das alles aber nicht: Sport Interactive schafft es erneut, das vielschichtige Ökosystem des Fußballsports perfekt einzufangen und so eine realistische Nachbildung des Trainer- und Manageralltags darzustellen: Mithilfe eines E-Mail-Postfachs, einiger Menüs und ganz, ganz vieler Statistiken.

Der Football Manager ist halt ein bisschen wie die Spielweise von Thomas Müller: Nichts fürs Auge, liefert dafür aber konstant ab und wird mit fortschreitendem Alter sogar immer besser.

Ist Moukoko im Spiel?
Der Hype um Youssoufa Moukoko von Borussia Dortmund ist aktuell riesig. Einen Tag nach seinem 16. Geburtstag, am 21. November 2020, hat er sein erstes Bundesligaspiel im Profibereich bestritten und ist seitdem der jüngste Spieler der Ligageschichte. Leider war es Sports Interactive nicht möglich, das Talent ins Spiel zu integrieren, wie sie uns auf Anfrage bestätigten:

»Yousouffa Moukoko war zum gesetzlichen Annahmeschluss für das Hinzufügen von Spielern zur FM21-Datenbank unter 16 Jahre alt, und die Datenschutzgesetze hindern uns daran, Kinder unter 16 Jahren ohne schriftliche Zustimmung der Eltern, die wir nicht erhalten haben, in das Spiel aufzunehmen.«

Interviews zum Vergessen

Dass das Spiel immer besser wird, liegt aber dieses Jahr nicht an den Neuerungen: Im vergangenen Jahr haben die Entwickler mich mit Ingame-Herausforderungen wie den Klubzielen oder dem Nachwuchszentrum dazu gezwungen, meine Herangehensweise beim Management komplett zu überdenken. Das war motivierend und ist auch dieses Jahr wieder ein wichtiger Teil des Spiels.

Ähnlich große und vor allem spaßige Feature-Zugänge suchen wir diesmal aber vergeblich. Gut, Sports Interactive hat daran herumgeschraubt, wie wir mit Spielern, Vorstand und Pressevertretern kommunizieren. Statt reinen Textfenstern bekommen wir nun Textfenster auf einem vorgerenderten Hintergrund. Da gibt's ein Pressezentrum, eine Umkleidekabine und ein Taktikzimmer - viel mehr nicht.

Pressekonferenzen haben jetzt einen vorgerenderten Hintergrund und ein neues UI – der Rest bleibt größtenteils gleich Pressekonferenzen haben jetzt einen vorgerenderten Hintergrund und ein neues UI – der Rest bleibt größtenteils gleich

Zwar gibt es hier ein paar neue oder leicht veränderte Fragen zu beantworten, größtenteils sind die Dialoge aber inhaltsgleich mit denen des Vorgängers. Dasselbe gilt übrigens für die von WhatsApp inspirierten »Quick Chats« - alles sieht halt irgendwie minimal moderner aus, aber dennoch verstecken sich hier dieselben Einzelgespräche wie im Vorjahr.

Auch dass man nun die Möglichkeit hat, seinen Aussagen mit Gesten zusätzlichen Nachdruck zu verleihen, macht das Ganze nicht aufregender. Ich kann jetzt auf den Tisch hauen, Wasserflaschen durch die Kabine pfeffern oder meine Spieler mit offenen Armen begrüßen. Die positiven und negativen Auswirkungen auf Stimmung der Spieler sind aber genau dieselben, wenn ich diese Gesten weglasse.

Nur 0:0 gegen den HSV zur Halbzeit. Das riecht ganz stark nach Flaschenwurf. Nur 0:0 gegen den HSV zur Halbzeit. Das riecht ganz stark nach Flaschenwurf.

Der einzige Unterschied, den ich bemerkt habe: Nach jedem Flaschenwurf will mein Kapitän eine Teamsitzung einberufen, weil ich angeblich überreagiert hätte. Selbst nach einer peinlichen Pokalniederlage gegen den VFL Bochum. So witzig ich mir meine Ausraster auch vorstelle: Einen wirklichen Sinn dahinter konnte ich in meinen knapp 90 Spielstunden nicht entdecken.

Unterm Strich hat also vor allem nur einer Spaß mit den überarbeiteten Gesprächen: mein KI-gesteuerter Co-Trainer, den ich zukünftig wieder alle Pressekonferenzen und Team-Talks übernehmen lasse. Hätte ich's für den Test nicht gründlich erforschen müssen, wäre das schon nach spätestens zwei Spielstunden der Fall gewesen.

Mod-Support an Bord
Wir bemängeln zwar im Wertungskasten die zum Teil fehlenden Lizenzen, die Football-Manager-Serie hat aber eine treue Community, die den jeweils aktuellen Serienableger bis in die untersten Ligen immer fleißig mit allen fehlenden Vereinslogos, Spielerbildern und mehr versorgt. Diese lassen sich auf diversen Fanseiten im Internet finden. Im Steam Workshop lassen sich außerdem kleinere Community-Inhalte wie vorgefertigte Taktiken oder Listen der besten Talente im Spiel direkt ins Spiel herunterladen.

Auf den zweiten Blick überragend

Genug gemeckert! Denn der Football Manager 2021 ist überragend - und zwar da, wo es wirklich drauf ankommt! Die »Match Engine«, die für die Echtzeitberechnung der Partien zuständig ist, hat letztes Jahr noch regelmäßig für kleinere und größere Problemchen gesorgt. So schien es beinahe unmöglich, dass Stürmer in Eins-gegen-Eins-Situationen den Ball im Tor versenken können oder dass Flügelspieler viel zu oft den Ball blind in den Strafraum flanken.

Der 2D-Modus ist die Wahl für alle, die ihre taktischen Entscheidungen optimal nachverfolgen wollen. Der 2D-Modus ist die Wahl für alle, die ihre taktischen Entscheidungen optimal nachverfolgen wollen.

Quasi alles, was ich noch im letzten Jahr bemängelt habe, gehört mit dem FM21 der Vergangenheit an. Keine fruchtlosen Fernschüsse mehr. Keine sinnlosen Passkombinationen. Kein übermächtiges Gegenpressing.

Dazu kommen ganz neue Spielzüge, von denen ich vorher gar nicht wusste, dass ich sie je vermisst habe: Meine Außenspieler können doch tatsächlich mit der Pille am Fuß nach innen ziehen und das Ding zurücklegen oder zu einem freistehenden Mitspieler passen, statt den Ball ins Außennetz zu zimmern. Und im One-on-One umkurven und überlupfen meine Stürmer den gegnerischen Torhüter nun so souverän, als hätte es den Football Manager 2020 nie gegeben.

Unsere Stürmer verwandeln dieses Jahr endlich Eins-gegen-Eins-Situationen. Unsere Stürmer verwandeln dieses Jahr endlich Eins-gegen-Eins-Situationen.

Und das ist beeindruckend: Schon in den vergangenen Jahren muteten die Partien äußerst realistisch an, doch dieses Jahr macht die Berechnung nochmal einen ganz, ganz großen Sprung nach vorne.

Einziger Wermutstropfen: Zwischen den Spielszenen wird der Bildschirm mit so vielen Infoeinblendungen zugekleistert, dass hier ganz schnell der Blick fürs Wesentliche verloren gehen kann. Insbesondere die Pass-Maps sind so nützlich wie ein Sandkasten in der Wüste.

Zwischen den Highlights gibt’s die volle Dosis Informationen – viele davon sind aber komplett unnütz. Zwischen den Highlights gibt’s die volle Dosis Informationen – viele davon sind aber komplett unnütz.

Für wen lohnt sich der FM21?

Letztlich ist und bleibt der Football Manager 2021 im Kern wie sein Vorgänger: Alles, was in den Menüs passiert, läuft genauso ab wie im Vorjahr - substanzielle Neuerungen sucht ihr vergeblich, nur die bereits angesprochenen Gespräche wurden etwas aufgehübscht.

Auf dem Spielfeld bekommen Fans dafür aber das realistischste Fußballerlebnis in der langen Geschichte der Simulationsserie geboten - selbst im 2D-Modus gibt's hier traumhafte schöne Spielzüge zu bestaunen. Wenn es einen Kaufgrund für Besitzer des FM20 gibt, dann liegt er auf dem Platz.

Ob es sich lohnt, dafür erneut 55 Euro auszugeben, müsst ihr selbst entscheiden - zumal die Vorjahresversion dank Mod-Support und Steam Workshop schon jetzt mit aktuellen Kadern und Spielerdaten bestückt werden kann.

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