Ghost Recon Frontline: Ubisoft versteht die Spieler nicht mehr

Tausende Dislikes bei YouTube, enttäuschte Fans: Ubisoft scheint gerade an den Spielern vorbeizuentwickeln. Dabei hat der Wahnsinn Methode.

von Dimitry Halley,
07.10.2021 05:00 Uhr

Ich schieße mir jetzt mal ein Eigentor. Eigentlich wollte ich diesen Artikel hier mit der Überschrift Ghost Recon Frontline ist Ubisofts beste Idee seit Ewigkeiten auf die Startrampe schieben. Wir konnten intern nämlich schon ein paar Tage vorher Ubisofts neuen Shooter unter die Lupe nehmen und ich war mir sicher: Von all den Free2Play-Experimenten der letzten 12 Monate hat das hier die besten Chancen.

Kein abgedrehtes Hipster-Punkfest wie XDefiant, kein erzwungener Twitchhype wie bei Hyper Scape - Ghost Recon Frontline setzt auf ganz klassische Tom-Clancy-Ästhetik. Es sieht aus wie das letzte wirklich gute Ghost Recon - also Wildlands -, hat mehr mit Escape from Tarkov und Hunt gemeinsam als mit Fortnite. Und der Wildlands-Multiplayer war damals ein völlig unterschätztes PvP-Juwel, das Ubisoft sogar in Breakpoint zurückbrachte, aber was bringt einem ein edler Schmaus, wenn man ihn auf der Titanic serviert? Doch im Kern existierte immer Potenzial im Ghost-Recon-Multiplayer.

Ghost Recon Frontline hat also faire Chancen. Dachte ich zumindest, bis der Ankündigungstrailer auf YouTube live ging. Denn der Kommentarbereich gleicht einem Trümmerfeld, jeder römische Gladiator bekäme es mit der Angst zu tun, wenn es so viele Daumen runter hageln würde - auf allen möglichen Kanälen:

  • Frontline-Trailer bei Ubisoft North America: 2.600 Likes zu 9.000 Dislikes.
  • Frontline-Gameplay bei Ubisoft North America: 1.300 Likes zu 5.200 Dislikes.
  • Frontline-Trailer auf Ubisofts regulärem YT-Kanal: 2.400 Likes zu 4.900 Dislikes.
  • Frontline-Trailer bei GameSpot: 800 Likes zu 2.700 Dislikes.

Die Mehrheit der Leute mag Frontline gelinde gesagt überhaupt nicht. Nach den Gründen muss niemand lange suchen, die Kommentare sprechen eine deutliche Sprache: Wieso verhunzt Ubisoft klassische Tom-Clancy-Marken, statt uns mal ein ordentliches neues Splinter Cell oder ein klassisches Ghost Recon zu geben? Warum entwickelt Ubisoft so stark an der Community vorbei?

Aber das tun sie gar nicht. Ganz im Gegenteil, denn das mit der Community ist heutzutage komplizierter denn je. Und deshalb haben wir diese Art Fuckup garantiert nicht zum letzten Mal gesehen.

Der Autor: Man mag es dem kontroversen Test zu Assassin's Creed Valhalla nicht anmerken, aber Redakteur Dimi liebt unterm Strich kein Spiele-Lineup so sehr wie das von Ubisoft. Prince of Persia, Splinter Cell, Ghost Recon, Rainbow Six, Assassin's Creed, Rayman, Far Cry sowie am allerwichtigsten Hype: The Time Quest und Donald Duck: Quack Attack - die meisten Ubisoft-Marken prägen ihn seit seiner Jugend. Nur Just Dance nicht. Aber das liegt hauptsächlich daran, dass Dimi tanzend aussieht wie ein Mini-Kühlschrank mit Fehlfunktion.

Warum existiert Ghost Recon Frontline?

Um mich mal bei englischem Bürosprech zu bedienen: Ubisoft wirft gerade Ideen an die Wand und schaut, welche hängen bleibt. Anders lassen sich drei Free2Play-Shooter in 12 Monaten kaum erklären. Hyper Scape sollte den Twitch-Zuschauermarkt ähnlich erobern wie Valorant - hat nicht geklappt. XDefiant will klassischen CoD-Deathmatches die Stirn bieten - kam auf YouTube ziemlich schlecht an. Und Frontline haut in eine sehr ähnliche Kerbe: wieder Free2Play, wieder Multiplayer, wieder auf der Jagd nach diesen saftigen Milliarden, die der Battle-Royale-Markt theoretisch abwerfen kann.

Ghost Recon Frontline - Neuer Multiplayer-Shooter mit Gameplay-Trailer enthüllt 1:44 Ghost Recon Frontline - Neuer Multiplayer-Shooter mit Gameplay-Trailer enthüllt

Und um diese Milliarden geht es. Ja, ein Assassin's Creed Valhalla hat sich verkauft wie warme Wikingersemmeln, aber a) absolute Unsummen an Produktionskosten verschlungen und b) trotzdem nicht im Ansatz die Marge erzielt, die ein Warzone oder Fortnite erreicht. Ein erfolgreiches Service Game (und das beweist Ubi ja selbst mit Rainbow Six: Siege) druckt quasi Geld. Über Jahre.

Doch Ubisofts bisherige Live-Service-Experimente sind oft gescheitert: Ghost Recon: Breakpoint wollte klassische Singleplayer-Open-Worlds mit Battle Pass, Seasons und stetigem Content-Fluss verheiraten. Die Ehe wurde schneller geschieden als jede Las-Vegas-Hochzeit. Assassin's Creed rettete sich letztlich doch immer ins klassische Season-Pass-Modell mit kostenpflichtigen Story-Erweiterungen.

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