GTA 5 hat nicht nur den Altruisten-Kult in den Bergen, sondern auch eine ganz andere Form von Sekte: das Epsilon Program. Wo die Altruisten abgeschottet und bedrohlich wirken, kommt Epsilon fast unangenehm sauber daher.
Babyblaue Kleidung, eigene Website, freundliche Begrüßung mit »Kifflom!«, ein Anführer namens Cris Formage und ein Versprechen, das in Los Santos perfekt funktioniert: Wer zahlt, glaubt und gehorcht, findet angeblich die Wahrheit.
Was das Epsilon Program in GTA 5 ist
Das Epsilon Program existiert in der GTA-Reihe schon länger, spielt in GTA 5 aber seine größte Rolle. Mit Michael startet ihr die Missionsreihe, indem ihr die Epsilon-Website (Epsilonprogram.com.) besucht und einen kurzen Test ausfüllt.
Danach wird Michael Schritt für Schritt in die Gruppe gezogen. Eine typische Epsilon-Mission besteht nicht aus großen Schießereien oder Verfolgungsjagden, sondern aus bewusst absurden Aufgaben: Michael spendet Geld, trägt die babyblaue Epsilon-Kleidung, beschafft bestimmte Fahrzeuge oder läuft minutenlang durch die Wüste, weil ihm der Kult genau das als Teil seiner Erleuchtung verkauft.
Franklin und Trevor können die Website zwar ebenfalls aufrufen, werden dort aber als »Unsaveables« abgewiesen, also als Menschen, die aus Sicht des Kults nicht gerettet werden können. Allein das ist schon ein ziemlich guter GTA-Witz: Selbst eine angeblich universelle Heilslehre sortiert erstmal aus, wer überhaupt gerettet werden darf.
Woran glaubt Epsilon?
GTA 5 macht das Epsilon Program nicht subtil. Und die offiziellen Glaubenssätze des Epsilon Program lesen sich wie eine absurde Liste angeblicher Wahrheiten: Die Welt sei nur 157 Jahre alt, Dinosaurier seien eine Lüge, alle Menschen kämen vom selben Baum und Aliens seien längst auf der Erde.
Am Ende läuft aber vieles auf denselben Punkt hinaus: Wer glaubt, gehorcht und zahlt, soll angeblich glücklich werden.
Das klingt komplett absurd, aber genau darin steckt die Stärke der Satire. Epsilon verkauft nicht nur Glauben, sondern auch Status, Exklusivität und Selbstoptimierung. Die Gruppe wirkt wie ein teures Sinnangebot für Menschen, die sich besonders fühlen wollen.
Auch in GTA Online spielte Epsilon zumindest zeitweise eine kleine Rolle: Nach dem ersten Tod eures Charakters erschien früher Cris Formage und erklärte den Passivmodus. Dieser Einstieg wurde später entfernt, bleibt aber ein schönes Beispiel dafür, wie Rockstar den Kult sogar für Meta-Witze über Spielsysteme genutzt hat.
Die beste Pointe liefert GTA 5 am Ende der Missionsreihe. Nachdem Michael ()Zeit, Nerven und viel Ingame-Geld in Epsilon gesteckt hat, bekommt er für seinen Gehorsam keine Erleuchtung und keinen großen spielerischen Vorteil, sondern einen alten, rostigen Traktor. Wer den Kult dagegen verrät, kann mit dem Geld abhauen. Immerhin 2,1 Millionen GTA-Dollar.
Nach all den Versprechen von Wahrheit und höherem Sinn bleibt am Ende also ausgerechnet die Frage: Kifflom oder Kohle?
Warum ausgerechnet Michael so gut funktioniert
Michael ist reich, gelangweilt, unzufrieden und ständig auf der Suche nach etwas, das sein Leben größer wirken lässt. Genau deshalb ist er für Epsilon die perfekte Zielscheibe. Er ist nicht naiv. Er ist nur empfänglich für das Versprechen, dass hinter seinem Frust vielleicht doch eine höhere Wahrheit steckt.
Für mich ist das der stärkste Punkt an dieser Nebenhandlung. GTA 5 macht sich nicht nur über einen Kult lustig, sondern auch über eine Stadt, in der fast alles käuflich ist: Status, Schönheit, Erfolg und offenbar sogar Erleuchtung.
Das Epsilon Program ist deshalb mehr als ein offensichtlicher Seitenhieb auf Scientology und ähnliche Promi-Religionen. Die Details sind überdreht, die Roben albern und die Missionen bewusst absurd. Aber die Mechanik dahinter kennt man: Gib uns Geld, gib uns Zeit, gib uns Vertrauen, und wir erklären dir, warum du besonders bist.
Mal unter uns: Für mich sind diese Epsilon-Anhänger irgendwie noch gruseliger als die Altruisten!
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GTA 6: Ja, Rockstar hat tatsächlich einen eigenen Trailer fürs Spielecover produziert
Ob das Epsilon Program auch in GTA 6 wieder auftaucht, ist bislang nicht offiziell bekannt.
Passen würde es aber. Denn eine Sekte, die Sinnsuche, Status und Selbstdarstellung verkauft, müsste in Rockstars neuer Social-Media-getriebener Welt eigentlich genug neue Anhänger finden. Was meint ihr, gehört das Epsilon Program auch in GTA 6 wieder dazu, oder sollte Rockstar für den nächsten Teil eine ganz neue Satire auspacken?
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