Die schlechten Nachrichten rund um GTA-Entwickler Rockstar reißen aktuell nicht ab: Anfang November wurde bekannt, dass das Studio den heiß erwarteten sechsten Teil der Open-World-Reihe noch einmal um ganze sechs Monate nach hinten verschiebt.
Nur kurz zuvor war publik geworden, dass der Entwickler rund 34 Mitarbeiter in Großbritannien und Kanada entlassen hat - mutmaßlich, weil sie vorhatten, eine Gewerkschaft im Unternehmen zu etablieren.
Rockstar bestreitet die Vorwürfe und begründet die Personalentscheidung mit grobem Fehlverhalten
der Betroffenen, da diese angeblich vertrauliche Firmengeheimnisse in offenen Chats geleakt hätten.
Doch jüngste Enthüllungen eines anonymen Mitarbeiters legen nahe, dass die betroffenen Mitarbeiter wohl tatsächlich entlassen wurden, weil die Unternehmensführung eine zu starke Gewerkschaft verhindern wollte:
Denn anscheinend hatte die Zahl der Gewerkschaftsmitglieder in den britischen Rockstar-Niederlassungen im Oktober einen Schwellenwert von um die 200 - und damit rund 10 Prozent der Belegschaft - überschritten, was es der Gewerkschaft ermöglicht hätte, in Zukunft direkte Tarifverhandlungen mit der Unternehmensleitung zu führen und sich wirkungsvoller für fairere Arbeitsbedingungen einzusetzen.
Für die britische Gewerkschaft IWGB (Independent Workers' Union of Great Britain) ein klarer Fall von Union Busting
. Die Betroffenen seien einzig und allein gefeuert worden, um die Arbeit der Arbeitnehmervertretung zu behindern. Weil die Gewerkschaft hier einen deutlichen Gesetzesverstoß sieht, hat sie nun offiziell eine Rechtsforderung (legal claim) gegen Rockstar Games eingereicht.
Zunächst habe die Gewerkschaft noch versucht, mit Rockstar über die Wiedereinstellung einiger der gekündigten Mitarbeiter zu verhandeln. Allerdings habe das Unternehmen ein Treffen mit der Gewerkschaft verweigert. Die IWGB schreibt auf ihrer Webseite:
Trotz unserer Versuche, [...] uns mit Rockstar zu treffen, um die Angelegenheit durch Verhandlungen zu klären, hat Rockstar dies abgelehnt und beharrt weiterhin auf die Kündigungen von Gewerkschaftsmitgliedern in einer Weise, die inakzeptabel und rechtswidrig ist. Dementsprechend haben wir nun im Namen der Kläger formelle Rechtsansprüche gegen Rockstar geltend gemacht.
IWGB-Präsident Alex Marshall fügte hinzu:
Wir sind überzeugt, dass es sich hier um einen klaren Fall von Union Busting handelt, und wir werden mit unserer Expertengruppe aus Sachbearbeitern, Rechtsberatern und Rechtsanwälten eine umfassende rechtliche Verteidigung aufbauen. Arbeitgeber wie Rockstar sollten sich bewusst sein, dass private Räume wie Discord-Server von Gewerkschaften geschützt sind und dass die Vertragsklauseln ihres Unternehmens nicht über dem britischen Recht stehen.
Hierbei ist zu beachten, dass eine Rechtsforderung nicht dasselbe ist wie eine Klage. Es handelt sich vielmehr um eine Aufforderung, die Angelegenheit außergerichtlich zu klären. Sollte die Rechtsforderung nicht erfolgreich sein, müssen die IWGB und die ehemaligen Mitarbeiter eine ordentliche Klage vor Gericht einreichen. Insgesamt dürfte sich die Angelegenheit somit noch eine ganze Weile hinziehen.
32:50
Die GTA 6-Verschiebung stellt das ganze Spielejahr 2026 auf den Kopf!
Doch auch außerhalb der Spielebranche sind die Kündigungen mittlerweile ein Thema und beschäftigten jüngst das Unterhaus des britischen Parlaments. Die liberaldemokratische Abgeordnete Christine Jardine, die Edinburgh, wo besonders viele Rockstart-Mitarbeiter entlassen wurden, im Unterhaus vertritt, bat die Regierung, die Betroffenen zu unterstützen und dafür zu sorgen, dass so etwas nie mehr passieren könne.
Sie habe Rockstar Games bereits schriftlich um Informationen zu den Kündigungen gebeten, will nun allerdings ein Treffen mit dem zuständigen Ministerium erwirken, um weitere mögliche Schritte gegen Rockstar zu besprechen.
Link zum BlueSky-Inhalt
Rockstar selbst schweigt sich zu der Angelegenheit bisher aus. Doch auch im Unternehmen selbst ist die Stimmung dieser Tage nicht gut. Der eingangs erwähnte anonyme Whistleblower, der die mutmaßlichen Umstände der Kündigungen öffentlich bekannt machte, sprach von einem Klima der Angst
, das derzeit im Studio herrsche. Jeder Mitarbeiter habe Angst, der nächste auf der Abschussliste zu sein.
Trotzdem haben sich nun offenbar über 200 Mitarbeiter zusammengetan und einen offenen Brief unterzeichnet, in dem die Wiedereinstellung aller Gekündigten gefordert wird (via GameSpot).
Es sei herzerwärmend, schreibt einer der Entlassenen, wie viele unserer Kollegen uns unterstützen und das Management zur Rechenschaft ziehen – in einer Zeit, in der Rockstar uns Angst einjagen will, marschieren meine mutigen ehemaligen Kollegen direkt vor die Tür unseres Chefs und fordern, dass unsere Stimmen gehört werden, ohne zurückzuweichen. Rockstar beschäftigt so viele talentierte Spieleentwickler, und jeder Einzelne ist für die Entwicklung unserer Spiele entscheidend.
Angesichts dieser Umstände dürfte sich das Rockstar-Management mittlerweile fragen, ob die jüngsten Entlassungen eine so gute Idee waren. Sollte sich nämlich vor Gericht herausstellen, dass diese in der Tat rechtswidrig waren, hätte die Firma ein großes Image-Problem. Es scheint, als steuerten die GTA-Macher hier auf einen rechtlichen Sturm zu, der noch einige Monate andauert.
Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.
Dein Kommentar wurde nicht gespeichert. Dies kann folgende Ursachen haben:
1. Der Kommentar ist länger als 4000 Zeichen.
2. Du hast versucht, einen Kommentar innerhalb der 10-Sekunden-Schreibsperre zu senden.
3. Dein Kommentar wurde als Spam identifiziert. Bitte beachte unsere Richtlinien zum Erstellen von Kommentaren.
4. Du verfügst nicht über die nötigen Schreibrechte bzw. wurdest gebannt.
Bei Fragen oder Problemen nutze bitte das Kontakt-Formular.
Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.
Nur angemeldete Plus-Mitglieder können Plus-Inhalte kommentieren und bewerten.