House of the Dragon ist kein Game of Thrones. Klar, erneut streiten sich die mächtigsten Häuser von Westeros um den Eisernen Thron und ebenso sind die Targaryens mit ihren Drachen involviert.
Doch die Verfilmung des Tanz der Drachen, wie ihn George R.R. Martin in seinem fiktiven Historienroman Feuer und Blut beschreibt, erreichte bisher nie die gleiche Qualität oder den selben Zuspruch wie die Mutter-Serie.
Und das hat viele Gründe. So etwa eine sich schleppende Handlung, konfuse Zeitsprünge, kaum vorhandene Sympathieträger oder ständig stagnierende Charakterentwicklungen entfachten nicht gerade großflächige Flammen der Begeisterung für House of the Dragon.
Für Fans der Buchvorlage (also mich) kam dann allerspätestens in Staffel 2 noch ein Haufen fragwürdiger Änderungen erschwerend dazu. Hier haben sich Showrunner Ryan Condal und Drehbuchautorin Sara Hess derart selbst in eine Ecke geschrieben, dass ich mich selbst nach vier Folgen der dritten (und vorletzten) Staffel frage, wie sie da wieder rauskommen wollen.
Über die Änderungen zur Buchvorlage meckern aber nicht nur ich und ein ziemlich großer Teil der GoT-Community, sondern sogar George R.R. Martin persönlich. Mit einem öffentlichen (mittlerweile längst gelöschten) Blogpost und den Worten Das ist nicht länger meine Geschichte
sorgte der 77 Jahre alte Autor für Aufsehen.
Und trotz dieses Vorgeplänkels und all meiner Skepsis gegenüber der Zukunft von House of the Dragon muss ich nach den ersten vier Folgen von Staffel 3 feststellen: Ich bin überraschend zufrieden.
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»Hätte ich nicht erwartet« - Der finale Trailer zu House of the Dragon: Staffel 3 verspricht ein gewaltiges Spektakel
Um was geht es in Staffel 3 von House of the Dragon?
Aber beginnen wir von vorn. Die zweite Staffel von House of the Dragon ist schon ziemlich genau zwei Jahre her und ihr wisst vielleicht schon gar nicht mehr, was zuletzt überhaupt vorgefallen ist. Hier also erstmal der aktuelle Status Quo, möglichst kurz und kompakt zusammengefasst:
- Die Grünen Targaryens (unter Aegon II.) und die Schwarzen Targaryens (unter Rhaenyra) befinden sich weiterhin im Clinch. Nach ersten Reibereien, die immer größere Ausmaße und immer herbere Verluste forderten, ist in Westeros nun ein regelrechter Bürgerkrieg ausgebrochen.
- Nach der Schlacht um Rooks Nest ist König Aegon (Tom Glynn-Carney) schwer verwundet, sein Drache Sonnenfeuer augenscheinlich tot und sein Bruder Aemond (Ewan Mitchell) wittert die Chance, sich selbst auf den Eisernen Thron zu schwingen.
- Königin Rhaenyra (Emma D’Arcy) erhebt von Drachenstein aus ihren Anspruch auf die Krone und rüstet mit der Hilfe von Daemon (Matt Smith), der Seeschlange Corlys Velaryon (Steve Toussaint) und ihrer Gefolgschaft für die nächste Schlacht.
- Inmitten des Konflikts sucht Aegons Mutter Alicent Hightower (Olivia Cooke) ihre ehemalige(?) Kindheitsfreundin Rhaenyra auf und bietet ihr einen Deal an: Sie überlässt Rhaenyra Königsmund, den Eisernen Thron und sogar den Kopf ihres Sohnes Aegon, um endlich Frieden zu schließen.
- Was Alicent jedoch nicht weiß: Aegon ist mit der Hilfe von Ser Larys Strong (Matthew Needham) längst aus Königsmund geflohen.
- Währenddessen rekrutiert Tyland Lannister (Jefferson Hall) im Auftrag von Aegon die Seestreitkräfte der Triarchie unter der Führung der Piratin Lohar (Abigail Thron), um so die Blockade von Corlys Velaryon zu durchbrechen. Damit wird direkt die legendäre Schlacht in der Gurgel vorbereitet.
Natürlich sind beim Tanz der Drachen noch viele Figuren, Häuser und Drachen mehr involviert. Etwa Rhaenyras neue Drachenreiter oder Aegons Verbündete der Königsgarde und bei den Hightowers. Aber mit diesen Infos solltet ihr einigermaßen abgeholt sein.
Lohnt sich Staffel 3 von House of the Dragon denn?
Schon mal das Wichtigste vorweg: Ihre grundlegenden Probleme wird die Serie in Staffel 3 nicht auf einmal los. Showrunner Ryan Condal machte sowieso deutlich, dass sich die Kritik der Zuschauer nicht auf seine Vision von House of the Dragon auswirkt.
Es bleibt also bei einem Ensemble an vielschichtigen, aber nur selten sympathischen Figuren, von denen man eigentlich keine auf dem Eisernen Thron sehen will. Und damit, dass manche der spannendsten Aspekte aus Feuer und Blut zugunsten einer simplifizierten Handlung über Bord geworfen wurden (R.I.P., Nettles, mit dir ist echt ein wahnsinnig spannender Charakter verloren gegangen) müssen sich Buchleser abfinden.
Im direkten Gegensatz zu der sehr schleppenden und teilweise frustrierend zähen zweiten Staffel stellt Season 3 aber schon mal eine signifikante Verbesserung dar.
- Es geht endlich voran: Sowohl die Hauptstory als auch die Entwicklung einzelner Figuren treten nicht länger auf der Stelle. In den ersten vier Folgen macht der Tanz der Drachen gefühlt mehr Schritte nach vorn, als in der gesamten Laufzeit von Staffel 2. Das betrifft vor allem Rhaenyra, aber auch etwa Aegon, Jacaerys (Harry Collett) oder Neuzugang Ormund Hightower (James Norton).
- Es passiert auch mal was: Nicht falsch verstehen, von dem GoT-Universum erwarte oder erhoffe ich mir nicht ständig spektakuläre Gefechte oder epische Schlachten – die waren bisher primär ein Bonus. Doch wenn Haupthandlung und Charakterzeichnung schwächeln, kann ihr Beisein schon was rausreißen. Und nachdem Staffel 2 über acht Folgen hinweg auf eine Seeschlacht mit Drachen vorbereitete, die dann nie kam, liefert Season 3 nun endlich ab. Aber sowas von! Alleine für die erste Folge lohnt sich ein Blick auf die dritte Staffel.
- Es gibt Konsequenzen: Paradoxerweise wirkte der interne Konflikt einer Herrscherdynastie in House of the Dragon bisher recht konsequenzlos. Ist etwa der eigene Nachwuchs verstorben, spielte das kaum eine nennenswerte Rolle. Ermordete ein Mitglied der Königsgarde auf einer Hochzeit den Ritter eines der mächtigsten Häuser von Westeros, interessierte das niemanden. Staffel 3 macht in der Hinsicht einen wichtigen Schritt nach vorne – fairerweise keinen riesigen, aber ich nehme, was ich kriegen kann.
Und wo House of the Dragon wie gewohnt abliefert: Staffel 3 sieht wieder fantastisch aus. Kostüme, Rüstungen, Schwertgravuren, Kulissen und Sets strotzen geradezu vor Details und könnten eine jeweils eigene Geschichte erzählen. Ich hätte es zuerst nicht gedacht, bin aber dann doch wieder schnell in das lebende und atmende Westeros versunken.
House of the Dragon ist für mich noch immer weit davon entfernt, das Niveau des (frühen) Game of Thrones zu erreichen. Dafür sitzen die grundlegenden Probleme der Drachentanz-Verfilmung zu tief und die würden sich an dieser Stelle auch längst nicht mehr einfach so lösen lassen.
Doch gerade nach dem tiefen Tiefpunkt, den für mich Staffel 2 erreichte, konnte es zwangsläufig nur bergauf gehen. Ich bin schon mal froh darüber, dass House of the Dragon jetzt genügend Schauwerte und Bildgewalt bietet, um mich über die vielen kleinen und großen Wehwehchen hinwegzutrösten.
Mein Herz schlägt mittlerweile ohnehin für ein ganz anderes Spin-off: A Knight of the Seven Kingdoms.
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