Finstere Nacht. Regen prasselt gegen ein angelaufenes Fenster, hinter dem heller Lichtschein eine warme Zuflucht verspricht. Die abgenutzte Holztür schwingt knarrend auf und sofort schlägt dir der Duft von heißem Eintopf und frisch gebackenem Brot entgegen. Du nimmst deinen Schwertgurt ab, setzt dich an einen Tisch und winkst dem sommersprossigen Schankknaben, der dir schwungvoll einen Krug Bier hinstellt. Als du den prickelnden ersten Schluck nimmst, betritt ein neuer Gast den Raum und ruft: »Ich suche tapfere Helden, die sich ein Goldstück verdienen wollen!«.
So oder so ähnlich beginnt ein Großteil aller Pen & Paper-Abenteuer, im gemütlichsten aller Fantasy-Schauplätze: der Taverne. Hier rauft man sich mit Fremden zusammen, startet zur großen Quest und verprasst am Ende die Belohnung. Und in einem neuen Spiel darf ich endlich selbst so eine Taverne leiten! Ich habe die Demo von Brewmastery Tavern Simulator bei Steam gespielt und brauche jetzt eure moralische Unterstützung, um meine Erlebnisse zu verarbeiten.
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Brewmastery: Tavern Simulator will euch zum Fantasy-Wirt machen
Kapitel 1: Ich erbe eine Taverne
Schon die offizielle Spielbeschreibung bei Steam überzeugt mich, dass hier ein ganz besonderes Abenteuer auf mich wartet:
Nicht langweilige Quests geben dir die Freiheit der Wahl, wobei sich jede deiner Entscheidungen auf den Verlauf der Ereignisse auswirkt. Versehentlich (nein) einen Fliegenpilz in den Bottich mit dem Lieblingsbier des Gouverneurs, einem lokalen Stammgast, fallen lassen oder das Malz überhitzen? Bereite dich auf die Folgen vor - sowohl lustige als auch nicht so lustige!
Nicht langweilige Quests? Lustige und nicht so lustige Folgen meiner Entscheidungen? Count me in! Ich hülle mich mental in eine überdimensionierte Kochschürze, krempel die Ärmel hoch und starte die Demo. Mich empfängt genau die Art von Musik, die man findet, wenn man bei YouTube »Medieval Fantasy Music« eingibt - perfekt. Die Kampagne steht noch nicht zur Verfügung (der finale Release ist irgendwann 2023 geplant), also klicke ich auf Endlos-Spiel.
Das Intro ist eine verwirrend detaillierte Abhandlung darüber, dass Alkohol für Abenteurer schlimmer ist als Drachen und dass Zwerge Bürokratie lieben. Außerdem habe ich eine Taverne geerbt, von meinem Onkel mit dem epischen Fantasynamen Jeff. Dessen Beerdigung ich verpasst habe, wegen der bürokratischen Zwerge.
Kapitel 2: Ich braue Bier und zerstöre das Raum-Zeit-Gefüge
Drinnen wartet eine gemütliche und ziemlich schicke Gaststube auf mich, in der ein nicht ganz so schicker Griesgram auf mich wartet. Ist das vielleicht einer dieser Zwergbürokraten? Nein, er stellt sich als »Der Scribe« vor, der alles weiß (laut eigener Aussage). Praktisch. Er erklärt mir, dass die Taverne das Herzstück des Dorfes ist und dass ich sie hoffentlich wieder zu blühendem Leben erwecken werde. Dann schickt er mich ohne Abendessen ins Bett.
Brewmastery hat einen Tag-Nacht-Zyklus, bestimmte Ereignisse geschehen nur nachts oder in den Morgenstunden. So zum Beispiel meine erste Lehrstunde im Bierbrauen mit Scribe, denn ein richtiger Tavernenwirt muss offenbar eigenen Alkohol herstellen. Erst lässt er mich Getreide ernten, dann führt er mich Schritt für Schritt durch den Vorgang. Als ich mittels Sanduhr einen Tag vorspulen soll, dreht sich das Teil ohne mein Zutun einfach immer weiter und weiter. Draußen ziehen die Jahrhunderte vorüber, Könige werden geboren, gekrönt und ermordet, während ich mit der rotierenden Uhr in der Hand panisch durch meine Taverne renne und schließlich einen Sack Getreide aufhebe. Das beendet den Fluch.
Kapitel 3: Ich hänge meine Tavernen-Pläne an den Nagel
Solche technischen Stolperer prägen die Demo durchwegs, ihr braucht wahlweise sehr viel Humor oder sehr viel Bier, um darüber hinwegzusehen. Im Moment ist Brewmastery eine kantige Techdemo mit einer coolen Idee. Viel zu oft stehe ich da und kapiere einfach nicht, was genau ich als Nächstes tun soll, ausnahmsweise hätte ich gern blinkende Ausrufezeichen, die mich durch das Tutorial führen. »Röste Getreide im Ofen« klingt einfach, aber das Spiel lässt mich das nur machen, wenn das Getreide noch im Inventar des Getreidesacks ist. Aus meinem eigenen heraus geht nichts, was mir das Spiel aber nicht erklärt - warum?! Scribe hat keine Antwort für mich, obwohl er doch alles weiß.
Trotzdem merkt man Brewmastery an, dass jemand mit Ahnung vom Bierbrauen und Liebe zu klassischen Fantasy-Tropes daran arbeitet. Das komplexe Brausystem hat mir in wenigen Minuten viel über Malz und Gärung beigebracht, in Mini-Games darf ich Temperaturen einstellen oder Röstaromen zusammenwerfen, was dann verschiedene Sorten hervorbringt. Am Ende beschäme ich meine Vorfahren, indem ich beim Einschenken kläglich versage und nur Bierschaum ins Glas sprudelt. Der Scribe ist zutiefst von mir enttäuscht: »Das trinkt man besser nicht. Versuch beim nächsten Mal keine Fehler zu machen«. Hey, mein Lebensmotto!
Vielleicht lerne ich es ja dann im fertigen Spiel. Das soll deutlich mehr Inhalt bieten, zum Beispiel die Nicht Langweiligen Story-Quests, eigene Einrichtung, Gäste, die Klatsch und Tratsch mit mir teilen, während ich Bierkrüge mit einem schmierigen Tuch poliere. Klingt im Moment angesichts der durchwachsenen Demo leider fast zu ambitioniert, um wahr zu sein. Auch mit allen Wassern gebraute Simulations-Fans sollten besser erstmal abwarten, wie rund die fertige Version am Ende wirklich läuft. Falls ihr euch aber gerne in solche nischigen Sim-Spiele stürzt, dann ladet euch die Demo runter und erzählt mir in den Kommentaren von euren Abenteuern!
Ihr hättet lieber eine ausgefeilte, fertige Brau-Simulation? Dann habe ich gleich mehrere Tipps für euch!
- Schaut euch mal Brewmaster: Beer Brewing Simulator mit modernem Setting an
- Im schicken Potion Craft: Alchemist Simulator kocht ihr Tränke, Gifte und alles dazwischen
- Das Aufbauspiel Tavern Master lässt euch eine (fast) perfekte Mittelalter-Taverne errichten:
Berufsbedingt müsste ich mein eigenes Gasthaus natürlich “Zum Spielstern” taufen. Wie würdet ihr die Taverne eurer Träume nennen? Folgt ihr dem klassischen Schema “Zum - Adjektiv - Tier”? Zum Roten Eber? Zum Bärtigen Bären?
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