Kingdom Come: Deliverance - Hör auf Mama Mittelalter!

Kingdom Come: Deliverance schafft es, dass Jochen ohne Murren die dreckigen Stiefel auszieht und sich blöd vorkommt, wenn er ohne nach draußen geht.

von Jochen Redinger,
25.02.2018 13:40 Uhr

Ungefähr so schaut Jochen vor dem Bildschirm drein, wenn er sich in Kingdom Come: Deliverance aus Versehen wie ein Volltrottel benommen hat.Ungefähr so schaut Jochen vor dem Bildschirm drein, wenn er sich in Kingdom Come: Deliverance aus Versehen wie ein Volltrottel benommen hat.

Eine kleine, im Licht gut sichtbare Spur von meiner Wohnungstür zum Schreibtisch (und damit dem Ablageort meines Handys) zeigt an, wie gut ich mich seit dem letzten Schneefall daran gehalten habe, bloß nicht mit meinen matschigen Schuhen durch die Wohnung zu spazieren. Jetzt erinnert mich ein nach dem Wischmopp schreiender Boden jeden Tag daran, dass ich in Kingdom Come: Deliverance ordentlicher bin als im echten Leben.

Im Spiel bin ich seit dem frühen und ernsten Hinweis von Ritter Robard, mich bloß nicht mit dreckigen Stiefeln ins Bett zu legen, penibel darauf bedacht, mich durch gute Manieren und ein tadelloses Erscheinungsbild auszuzeichnen! Schlafengehen, um zu speichern und die Werte wieder aufzufüllen, klar. Aber erst werden Schwert, Bogen und Pfeile sowie alle für den Tag wichtigen Kleidungsstücke wie Helm, Bundhaube, Handschuhe und natürlich das schmutzige Schuhwerk abgelegt!

Und danach geht es weiter: Mein Heinrich startet mit einem Besuch beim Wassertrog (Badehäuser will ich mir als Geizhals nicht leisten) seinen Tag, dann gibt's Frühstück und erst wenn das alles erledigt ist, widme ich mich wieder meinen Quests oder der Welterkundung. Ich, der beim Zocken manchmal komplett vergisst, dass er was essen oder trinken muss! Erzieherische Lektion Nummer Eins gelernt!

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Jochen Redinger
@GuetigerGott
Als Fan von harten Spielen wie Battle Brothers fuchst sich Jochen gern in auch Spiele ein, die ihm viel abverlangen und manchmal hart an der Grenze zur Arbeit wandeln. Kingdom Come: Deliverance tänzelt ebenfalls auf diesem schmalen Grat, schafft es mit seiner liebevoll gestalteten Welt aber, ihn mehr zu begeistern als zu frustrieren.

Kingdom Come: Deliverance - Testvideo: Open World mit Schneid und Kante 12:57 Kingdom Come: Deliverance - Testvideo: Open World mit Schneid und Kante

Zehn Tage Kerker als Schuss vor den Bug

Auch wenn ich im wahren Leben bis auf ein paar Knöllchen wegen zu schnellen Fahrens weit von einer Verbrecherkarriere entfernt bin, setze ich in Spielen üblicherweise voll auf die wirtschaftliche Macht des Nicht-Bezahlens durch Diebstahl, Einbruch und kreatives Leihen - nicht in Kingdom Come! Dort beherrsche ich das Diebeshandwerk zwar in den Grundzügen ebenfalls, habe allerdings auch ständig Angst, für meine Gaunereskapaden belangt zu werden.

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Einer meiner ersten Ausflüge in fremde Truhen endete nämlich prompt mit meiner Entdeckung und vollen zehn Tagen im Knast. Zehn Tage, in denen ich meine Fähigkeiten hätte leveln oder die Welt erkunden können, einfach weg. Von den Attribut-Mali nach dem Kerkeraufenthalt ganz zu schweigen. Obwohl ich von Tester Dimi weiß, dass sich ein Leben als Langfinger in Kingdom Come wirklich lohnen kann, werde ich mich nach anderen Einkommensquellen umsehen, denn ins Kittchen geh ich nicht mehr zurück! Erzieherische Lektion Nummer Zwei gelernt!

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Junge, wie siehst du denn aus?

Der dritte pädagogische Rat, den mir Kingdom Come erteilt, ist, nicht vollkommen unpassend gekleidet vor die Tür zu gehen. Gut, das tue ich auch im echten Leben selten, wenn man von meiner Sammlung an nicht-Abendgarderobe-tauglichen-Bannerlord-Shirts absieht, aber das hier ist das erste Mal, dass ich mich in einem Spiel aktiv geschämt habe, in welchem Aufzug mein Heinrich in einer Zwischensequenz unterwegs war.

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Rüstung, Halstuch, Helm und Handschuhe passten allesamt zusammen und waren höchstens etwas dreckig von der Reise, aber die Stiefel… fehlten! Bei meiner morgendlichen Routine habe ich die Schuhe einfach vergessen! Spielerisch ist das ja erst mal kein Beinbruch, wenn man nicht vorhat, bei einem Adligen vorzusprechen, denn arme Schlucker ohne Schuhe gibt's im virtuellen Böhmen zur Genüge. Immersiv aber kam ich mir ziemlich bäurisch vor, mich so draußen blicken zu lassen.

Das beste an diesen erzieherischen Lektionen ist jedoch, dass sie mir zu keiner Zeit auf den Keks gehen. Im Gegenteil, ich nehme die Extrazeit, die für Aus- und Anziehen, Waschen, Essen und dem seelischen Ringen, nicht doch mal was zu klauen, gern in Kauf, weil mich die Welt von Kingdom Come: Deliverance so begeistert. Dass ich aus eigenem Antrieb darauf achte, mich halbwegs ordentlich zu benehmen, auch wenn mir keine (mehr oder weniger schlimmen) spielerischen Konsequenzen drohen, lässt mich Warhorses böhmisches Abenteuer ins Herz schließen.

Und jetzt muss ich weg, den Boden wischen.

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