Der Anblick stimmt mich tieftraurig: Wo vor hunderten Jahren Werkstätten, Scheunen und Ställe standen, liegen nun Müllberge und kaputte Möbel. Ein stolzer Glockenturm ragt immer noch beeindruckend hoch in den Himmel, aber das Dach sieht ungefähr so vertrauenserweckend aus wie Sigismunds marodierende Kumanen-Trupps. Was ein lebendiges Stück Geschichte sein könnte, ist eine bröckelnde Ruine, nicht betretbar.
Es ist Juni 2025 und ich stehe im Burghof von Pirkstein. Also, nicht im nachgebauten Schauplatz, der in Kingdom Come: Deliverance vorkommt, sondern in der echten Festung, die heute noch existiert – aber in einem Zustand, der mein Historienherz bricht.
Doch es gibt gute Nachrichten: Die Anlage soll nun endlich professionell restauriert werden! Und dabei leistet die Fan-Community von KCD wertvolle Unterstützung. Ich habe darüber mit dem Leiter der Initiative und mit dem Veranstalter des jährlichen Rattay-Fan-Fests gesprochen – beide sind Feuer und Flamme für den Rettungsversuch.
Kurz zur Auffrischung: Was war nochmal Pirkstein?
Pirkstein - von Deutsch Birkenstein - hat eine lange Geschichte hinter sich. Die Burg wurde Anfang des 14. Jahrhunderts gegründet und befand sich 1403 wirklich im Besitz von Jan Ptáček (der historischen Vorlage für die Figur des Hans Capon). Auch der echte Radzig Kobyla hielt sich nach dem Überfall auf Skalitz eine Weile dort auf.
Wer das erste Warhorse-Spiel kennt, wird dort so einige Stunden verbracht haben. Für KCD wurde die Burg rekonstruiert und sehr originalgetreu nachgebaut, ihr würdet euch im echten Pirkstein sofort zurechtfinden – wenn ihr denn reinkommen würdet.
Dass ich Pirkstein überhaupt persönlich anschauen konnte, grenzt an ein kleines Wunder. Eigentlich ist die Anlage nämlich für die Öffentlichkeit gesperrt. Sie wurde aber ausnahmsweise für ein paar Stunden zum 3. Fan-Fest in Rattay geöffnet, und da war ich zusammen mit hunderten Spiele-Fans am Start.
So steht es aktuell um die Burg
Der führende Kopf der Initiative zur Reparatur von Pirkstein ist Radim Cigánek, Professor für Geschichte und Priester aus dem Kloster Sasau (das Kingdom-Come-Fans natürlich auch bestens kennen). Laut ihm ist vor allem der Glockenturm, insbesondere das Dach, in sehr schlechtem Zustand. Auch die Treppe und der Eingangsbereich sollen repariert werden.
Cigánek erklärte mir die Gesamtkosten für das Projekt folgendermaßen:
- Insgesamt werden rund 7 Millionen Tschechische Kronen (280.000 Euro) benötigt.
- Ungefähr die Hälfte davon bezahlt die EU.
- Die Pfarrgemeinde Sasau zahlt 1 Million Kronen (40.000 Euro).
- Damit fehlen jetzt noch rund 2,5 Millionen Kronen (100.000 Euro) für die Fertigstellung.
Die Bauarbeiten sind bereits seit Mai 2025 in Gange, nun hofft die Kirchengemeinde auf Spenden und Unterstützung der Öffentlichkeit. Und natürlich sattelt die KCD-Community da sofort die Pferde.
Wie die Fan-Gemeinschaft dem Projekt hilft
Darüber konnte ich mit SirDoenny sprechen, dem in der Community bestens bekannten Veranstalter des jährlichen inoffiziellen KCD-Turniers in Rattay. Er hofft, dass das Projekt bis zum Juni 2026 fertiggestellt ist, wenn das Event zum 4. Mal stattfindet.
Um das zu erreichen, bewirbt er die Initiative in den sozialen Medien – auch mit Unterstützung anderer prominenter Gesichter aus der KCD-Gemeinschaft. Zum Beispiel den Schauspielern Michael Pitthan (die englische Stimme von Sir Radzig) und Jim High (Baron Kuno, Erik), die sich vor einer Weile augenzwinkernd über den Zustand der Burg beschwerten:
Link zum Twitter-Inhalt
Angesichts der großen fehlenden Summe wollte ich von SirDoenny wissen, wie er die Chancen für das Projekt einschätzt. Seine Antwort ist eindeutig:
Sehr optimistisch. Ich bin nur eine Person, die dabei hilft, das Projekt in den sozialen Medien zu bewerben, und in nur zwei Tagen hat das mehr als 100.000 Views erreicht. Ich bin mir sicher, dass sich noch mehr Leute und Organisationen beteiligen werden – von lokalen und internationalen Unternehmen bis hin zu den Mainstream-Medien. [...]
Ich glaube an das Gute im Menschen und an die Kraft der Gemeinschaft – und daran, dass wir alle von Natur aus dazu neigen, Gutes zu tun, das Menschen, Orte und sogar die Geschichte verändern kann.
Wenn man darüber nachdenkt, KCD1 hat rund 10 Millionen Exemplare verkauft. Wenn nur 2,5 Prozent der Spieler 10 Euro spenden würden, hätten wir das Ziel fast sofort erreicht. Und stellt euch vor, was passieren könnte, wenn sie etwas mehr spenden würden – wie viele historische Orte könnten dann noch restauriert werden!
23:26
Maurice hat Kingdom Come 1 erst für Teil 2 gespielt und es war glorreich!
Laut SirDoenny ist ihm neben Spendengeldern besonders wichtig, dass das Projekt weiterhin diskutiert, gezeigt und geteilt wird, um mehr Aufmerksamkeit dafür zu gewinnen. Solchen Initiativen ginge nach einem starken Anfang oft schnell die Puste aus, wie er sagt.
Wollt ihr selbst für die Pirkstein-Restauration spenden, findet ihr hier auf der Website des Klosters Sasau alle Daten dafür, zusammen mit einem offenen Brief von Radim Cigánek. Und wer eine Chance haben will, das Ergebnis mit eigenen Augen zu sehen: Das nächste Rattay-Turnier findet am 13. Juni 2026 statt.
Wie geht's mit dem Spiel von Warhorse weiter? Zwei von drei geplanten Erweiterungen sind bereits erschienen, die dritte soll noch diesen Winter herauskommen. Ein Release-Datum ist aber noch nicht bekannt. Ab 2026 will sich das Entwicklerstudio dann an das nächste Projekt machen. Auch dazu gibt's bisher keine Details, eine KCD-Fortsetzung steht ausdrücklich nicht fest.
Aber auch, wenn der zweite Teil das Ende ist, die Fan-Community wird das Spiel und seine Schauplätze sicher noch viele Jahre am Leben halten.


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