Lootboxen - Drei Gaming-Firmen müssen in Südkorea bis zu 720.000 Euro Strafe zahlen

Die Fair Trade Commission in Südkorea hat drei lokalen Spiele-Firmen eine teils saftige Strafe in Rechnung gestellt. Undurchsichtige Angaben über Gewinnchancen bei Lootboxen und Events sollen Kunden getäuscht haben.

von Martin Dietrich,
09.04.2018 17:57 Uhr

Lootboxen bleiben weiter ein heißes Thema. Eine koreanische Kommission hat jetzt drei Unternehmen mit Bußgeldern abgemahnt.Lootboxen bleiben weiter ein heißes Thema. Eine koreanische Kommission hat jetzt drei Unternehmen mit Bußgeldern abgemahnt.

Drei südkoreanische Unternehmen wurden zu Strafzahlungen von bis zu 720.000 Euro verdonnert, weil sie laut der Auffassung der Korea Fair Trade Commission (KFTC) ihre Kunden getäuscht haben. Die Strafen beziehen sich teilweise auf Geschehnisse im Jahr 2016. Nexon, eines der betroffenen Unternehmen, möchte aber das Urteil jedoch nicht akzeptieren und möglicherweise rechtliche Schritte einleiten, berichtet die Seite Korea Herald.

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Die KFTC ist eine Regulierungsbehörde und kümmert sich um Angelegenheiten des Verbraucherschutzes. Sie haben die drei Firmen mit einer Gesamtstrafzahlung von rund einer Milliarde koreanischer Won bedacht. So viel mussten Videospiel-Unternehmen in Südkorea noch nie aufgrund einer Verletzung des »electronic commerce act« bezahlen. Den Löwenanteil macht dabei die Strafe gegen Nexon aus. Rund 944.5 Millionen Won (umgerechnet circa 720.000 Euro) steht ihnen womöglich bevor.

Ungleiche Chancen auf einen Gewinn

Nexon wird zur Last gelegt, dass sie im »Celebrity Count«-Event im Multiplayer-FPS Sudden Attack ihre Kunden nicht richtig informierten. Die Spieler konnten mithilfe von Lootboxen Puzzleteile freischalten. Wer alle 16 Teile sammelte, erhielt einen besonderen Ingame-Preis. In der Beschreibung sprach Nexon von einer zufälligen Chance auf ein solches Puzzleteil. Die Lootboxen kosteten pro Stück umgerechnet etwa 68 Cent.

Nicht jedes Puzzleteil hatte jedoch die gleichen Chancen, in den Lootboxen aufzutauchen. Einige kamen nur mit einer Wahrscheinlichkeit von 0,5 Prozent ans Tageslicht. Andere Teile kamen häufiger vor. Für die KFTC hätten diese Informationen dem Kunden mitgeteilt werden müssen. Nexon argumentiert, dass »zufällig« eine ungleiche Chance bereits signalisiert. In einem Fall soll ein Spieler rund 350 Euro ausgegeben haben, am an die begehrten Puzzleteile heranzukommen, sagt die KFTC.

Außerdem hat Nexon bei Counter Strike Online 2 seine Kunden nicht richtig darüber aufgeklärt, wie sie Käufe von Items widerrufen können.

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Extrem geringe Wahrscheinlichkeiten

Das Unternehmen Netmarble soll ebenfalls bei ihren Spielen falsche beziehungsweise irreführende Angaben über die Wahrscheinlichkeiten bei Lootbox-Inhalten angegeben haben. In Monster Taiming hatten Spieler während eines Events die Chance auf besonders seltene und starke Monster.

Netmarble bewarb die Aktion damit, dass mit einer Wahrscheinlichkeit von unter einem Prozent sogar ein unbesiegbares Tier darunter wäre. Die tatsächliche Chance lag bei 0,0005 Prozent. Spieler hätten bei einer solchen Werbung damit gerechnet, dass die Chance nur leicht unter einem Prozent liegt, sagt die KFTC.

Darüber hinaus kündigte die Firma bei Everybody's Marble an, dass Kunden nur während eines einzigen Events sechs spezielle Charaktere kaufen könnten, obwohl sie auch anderweitig erhältlich waren. In einem Statement entschuldigte sich Netmarble bereits und kündigte an, seine Geschäftspraktiken anzupassen. Die verhängte Strafzahlung liegt bei rund 45.000 Euro.

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Auch Thema in der Politik

Ein Bußgeld von rund 3.600 Euro müssen die Entwickler von Destiny Child, NextFloor, zahlen. Sie haben ebenfalls die Verkäufe durch künstliche Verknappung in die Höhe getrieben. Wiederkehrende Events wurden als zeitlich einmalige Chance beworben und über Lootbox-Inhalte falsch informiert.

Plus-Report: Machen Lootboxen süchtig?

Als im letzten Jahr die Diskussion über Lootboxen entbrannte, meldete sich auch irgendwann die Politik und andere Regulierungsorgane zu Wort. Belgische und hawaiianische Abgeordnete sowie ein australischer Mitarbeiter der Kommission für Glücksspiel und Alkohol sahen in den Wundertüten Mechanismen des Glücksspiels. Auch im bayerischen Landesparlament waren die Lootboxen im vergangenen Jahr bereits Thema.

Quellen: Korea Herald, MMOCulture

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