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Mafia hat verstanden, auf was es bei einem Remake wirklich ankommt

Die Mafia: Definitive Edition legt das legendäre Gangster-Epos komplett neu auf. Wir haben sie endlich gespielt und können sagen - sie ist auf dem richtigen Weg.

von Fabiano Uslenghi,
26.08.2020 17:00 Uhr

Bitte, nehmen sie doch Platz. Der Don erzählt ihnen heute von seiner Zeit bei der Mafia von Lost Heaven. Also die neue, die etwas schöner aussieht. Bitte, nehmen sie doch Platz. Der Don erzählt ihnen heute von seiner Zeit bei der Mafia von Lost Heaven. Also die neue, die etwas schöner aussieht.

Genre: Action-Adventure | Entwickler: Hangar 13 | Plattformen: PC, PS4, Xbox One | Release: 25. September 2020

Dieser Satz muss einfach sein: Das Mafia-Remake ist für mich ein Angebot, das ich unmöglich ablehnen kann. Wir reden hier von einem kompletten Remake eines der besten Gangster-Spiele aller Zeiten. Eine der atmosphärischsten Geschichten, zu denen Videospiele in der Lage sind. Das alles wird ergänzt mit einer zeitgemäßen Optik und ein paar inhaltlichen Anpassungen, um das Optimum aus der Geschichte rauszuholen? Nie gab es ein weniger ablehnbares Angebot als das.

Als Don Heiko in der Redaktion dann rumfragte, ob denn jemand Lust auf eine spielbare Preview-Version hätte, da konnte ich folgerichtig auch nicht Nein sagen. Ich schnappe mir also den Key, werfe Steam an und kehre zum ersten Mal seit langer Zeit wieder nach Lost Heaven zurück. In eine Stadt, in der man besser keine fremden Italiener in schwarzen Anzügen in sein Taxi steigen lässt.

Insgesamt konnte ich die ersten fünf Kapitel der Storykampagne anspielen. Zusätzlich gab es als kleinen Bonus noch die zehnte Mission »Ausflug aufs Land«. Die konnte sich bisher allerdings auch jeder andere als Gameplay-Video reinziehen:

Mafia 1 Remake - Gameplay: So wird der Open-World-Klassiker verbessert 10:35 Mafia 1 Remake - Gameplay: So wird der Open-World-Klassiker verbessert

Casa mia - Endlich wieder in Lost Heaven

Doch so verzückend das Angebot auch klingt - es bleibt eine gewisse Skepsis. Das Warcraft-Reforge-Debakel von Anfang des Jahres sitzt immerhin noch tief. Glücklicherweise braucht das Remake nicht lange, bevor mich ein wohliger Schwall der Nostalgie überflutet. Denn beim Intro erschallt der selbe Klang eines tragenden, von Streichern dominierten Orchesters wie im Original, während die Kamera über die gesamte Open World fährt. Doch schon in der nächsten Szenen lässt mich das Remake kurz stutzen.

Tommy kommt nicht mehr zu spät zu seinem Treffen ins Restaurant, sondern der Detective. In den Zwischensequenzen fallen einige Details und Facetten etwas anders aus als früher. Das sorgt manchmal für Verwirrung, aber eben nur bei echten Kennern der Vorlage. Hätte ich das Original nicht mehrere Male durchgespielt, wäre diese Änderung wohl kaum der Rede wert. Denn das Mafia: Remake verändert nichts am grundlegenden Handlunsgverlauf. Auch die Inszenierung erinnert an die Bildsprache des Originals und übernimmt teilweise sogar die Kameraeinstellungen.

Besonders wenn sich die Salieri-Familie trifft, kommt im Mafia-Remake richtig Atmosphäre auf und erinnert dann fast schon an Film-Klassiker wie Der Pate. Besonders wenn sich die Salieri-Familie trifft, kommt im Mafia-Remake richtig Atmosphäre auf und erinnert dann fast schon an Film-Klassiker wie Der Pate.

Die Dialoge wurden so umgeschrieben, dass die Kernaussage gleich bleibt - mit zusätzlichem Drumherum. Beispielsweise spricht Don Salieri jetzt viel deutlicher darüber, welche Grenzen seine Familie im Vergleich zu den Morellos zieht. Da könnte ich jetzt einwerfen, dass die Gespräche in ihrer Tonalität von den oft trockenen und etwas pointierteren Aussagen im Original abweichen. Gerade was den Humor angeht. Doch letztlich blutet das Spiel weiterhin absolute Gangster-Atmosphäre.

Dazu trägt auch der neue Soundtrack bei. Aus Lizenzgründen erschien bereits das Original auf Steam ohne die kultigen Radio-Lieder, die im Remake jetzt ersetzt wurden. Dem 30er-Jahre-Charm tut das aber keinen Abbruch. Alle Charaktere haben zudem neue Stimmen, sowohl auf deutsch als auch englisch. Die Synchonisation ist in beiden Fällen gut, die englische Vertonung passt aber noch besser zur Mafia-Atmosphäre.

Eine unverwüstliche Geschichte

Etwas schwerer als die Inszenierung wiegen die überarbeiteten Persönlichkeiten der Charaktere. Auch hier gilt: Nostalgiker werden stutzig, Neueinsteiger schert's nicht. Gerade wichtige Figuren wie Paulie weichen teilweise stark von der Vorlage ab.

In Paulies Fall nicht nur äußerlich, sondern auch charakterlich. Er erinnert kaum noch an den von Joe Pesci inspirierten Heißblüter. Ob sich diese Änderung langfristig darauf auswirkt, wie die Geschichte und die Entwicklung dieses Charakters wirken, lässt sich nach den ersten fünf Kapiteln noch nicht abschätzen.

Zumal mir nicht jede charakterliche Änderung missfiel. Ich persönlich mag die etwas aktivere und deutlich menschlichere Interpretation von Tommy sehr viel lieber als die stoische Version im Original. Auch Sam versprüht mehr Persönlichkeit. Einige Charaktere strahlen zudem die selbe Aura aus wie früher. Vor allem Don Salieri und sein Consigliere Frank Colletti bleiben Ehrfurcht gebietend.

Paulie sah im Original noch aus wie Joe Pesci, jetzt steht der Schauspieler Jeremy Luke pate. Dieser sammelte schon Mafia-Erfahrung in der Fernsehserie Mob City. Paulie sah im Original noch aus wie Joe Pesci, jetzt steht der Schauspieler Jeremy Luke pate. Dieser sammelte schon Mafia-Erfahrung in der Fernsehserie Mob City.

Zu der famosen Geschichte trug im Original auch die stringente Erzählung bei. Das scheint Hangar 13 verstanden zu haben, denn zumindest in den fünf ersten Missionen wurde der Spielfluss nicht mit unnötig integrierten Open-World-Abschnitten gestört. Die Missionen folgen Schlag auf Schlag und Lost Heaven dient eher als eine Verbindungselement.

Tommy beginnt also als Taxi-Fahrer, gerät in eine Verfolgungsjagd zwischen Mafiosi. Die gehörnten Verfolger wollen sich rächen, Tommy flieht zu den Salieris, zerdeppert dann mit deren Hilfe den Fuhrpark der Konkurrenz und gehört schließlich zur Familie. Es bleibt alles so, wie im Original. Das gilt jedoch nicht für das Gameplay.

Wir können mit dem Baseballschläger weiterhin Auto zerdellen. Allerdings könnte das etwas präziser ablaufen. Momentan steuern sich Nahkampfangriffe noch sehr ungenau. Wir können mit dem Baseballschläger weiterhin Auto zerdellen. Allerdings könnte das etwas präziser ablaufen. Momentan steuern sich Nahkampfangriffe noch sehr ungenau.

Und wie spielt sich das?

Die Mafia: Definitive Edition setzt jetzt auf eine vollwertige Deckungsmechanik, die es in dieser Form früher nicht gab. Zusätzlich kann Tommy sich jetzt wirklich anschleichen und Gegner aus dem Hinterhalt ausschalten. In den fünf ersten Missionen gab es aber nur eine neue Schleichpassage, die zudem recht kurz ausfiel.

Die Gefechte folgen auch mit Deckungssystem der selben Dramaturgie wie früher. Sie sind intensiv, schnell vorbei und recht blutig. Nie gibt es Zusammentreffen mit unrealistisch vielen Gegner, auch wenn die Anzahl gerade bei Verfolgungen angehoben wurde. Doch während Hangar 13 bei der Story keineswegs den Fluss des Originals antastet, ziehen sie das Tempo in einigen Missionen gehörig an.

Die Shooter-Einlagen wurden eindeutig von Mafia 3 übernommen. Aber Tommy steuert sich etwas behäbiger als Lincoln und sein Zielkreis ist etwas größer. Wer will, kann sogar die neue Zielhilfe komplett ausschalten. Die Shooter-Einlagen wurden eindeutig von Mafia 3 übernommen. Aber Tommy steuert sich etwas behäbiger als Lincoln und sein Zielkreis ist etwas größer. Wer will, kann sogar die neue Zielhilfe komplett ausschalten.

Ich verbringe deutlich weniger Zeit damit, im Auto durch die Stadt zu gondeln. Die sich im Übrigen wahlweise genauso schwerfällig steuern wie früher. Während ich im Original noch fünf Gäste im Taxi umherfahre, sind es im Remake nur drei. Um zum Motel zu gelangen, muss ich jetzt auch die Karte nicht mehr verlassen, sondern erreiche es komplett ohne Ladebalken nach ein paar Minuten außerhalb der Stadt.

Klar, die Entwickler wollen damit die Behäbigkeit abschütteln. Das hat aber einen Preis. Im Original halfen diese immensen Fahrzeiten dabei, wirklich jede Ecke und jede Gasse von Lost Heaven kennen zu lernen. Im Remake könnte die Stadt auf Dauer dadurch ein wenig was von ihrem Charakter einbüßen. Dafür nutzen die Entwickler die wenige Zeit im Auto deutlich besser. Denn jetzt unterhalten sich Tommy, Sam und Paulie ununterbrochen. Man erfährt so viel mehr über die Gangsterfamilien und lernt vor allem die Charaktere besser kennen.

Auch wenn Gebäude wie das Motel äußerlich anders aussehen, im Inneren befinden sich die Räume fast noch alle an der selben Stelle wie früher. Auch wenn Gebäude wie das Motel äußerlich anders aussehen, im Inneren befinden sich die Räume fast noch alle an der selben Stelle wie früher.

Mafia-Puristen könnte dafür der Versuch sauer aufstoßen, ungelenke Designentscheidungen anzupassen. Das Remake opfert den fast schon krampfhaften Realismus des Originals, um die Spielbarkeit zu verbessern. In einer Mission verfolgt Tommy etwa ein fliehendes Auto und hat unendlich viel Munition im Revolver.

(Fast) alles richtig

Ich kann das so deutlich sagen: Hangar 13 macht gerade mit der Mafia: Definitve Edition fast alles richtig. Ich könnte euch noch viel mehr über dutzende Details erzählen. Autos können immer noch Stück für Stück zerlegt werden. Wer im Kreis fährt, muss irgendwann tanken. Auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad geht verbleibende Munition im alten Magazin beim Nachladen verloren. Das berüchtigte Autorennen gleicht einer reinen Höllenfahrt.

Wer auf normal spielt und alle Fahrhilfen einschaltet, sollte mit dem Autorennen weniger Probleme haben als früher. Im Klassik-Modus sind verzweifelte Bisse in die Tastatur aber garantiert. Wer auf normal spielt und alle Fahrhilfen einschaltet, sollte mit dem Autorennen weniger Probleme haben als früher. Im Klassik-Modus sind verzweifelte Bisse in die Tastatur aber garantiert.

Wenn es nach der Preview-Version was zu meckern gibt, dann aufgrund einiger technischer Ärgernisse, die sich hoffentlich zum Release noch legen. Auf meinem Rechner lief das Spiel selbst auf den niedrigsten Einstellungen nie mit mehr als 30 Bildern pro Sekunde und aus irgendeinem Grund wirkt das Feuer pixelig. Da sollte Hangar 13 nochmal ran.

Ansonsten scheinen die Entwickler sehr viel Verständnis für die Vorlage mitzubringen. Es gibt natürlich Änderungen, die aber nur echte Fans stören könnten. Schießereien, Schleichpassagen, Autofahrten - das alles spielt sich sogar besser als früher. Und wer will, kann alle Hilfen ausstellen, womit es sich weiterhin so realistisch anfühlt, wie es sollte. Wenn man mal von dem Missions-Design an manchen Stellen absieht.

Allerdings ist das auch nur mein erster Eindruck. Knapp 4 Stunden habe ich für die Preview-Version gebraucht (eine Stunde davon allein fürs Autorennen, das ich unbedingt auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad schaffen wollte, verflucht nochmal). Sollten später noch Änderungen erfolgen, mit denen die Geschichte ihren Reiz verliert oder die Vereinfachungen überwiegen, wäre das ein Problem. Bislang bleib ich aber zuversichtlich und denke, dass selbst mich alten Nostalgiker mit der Zeit kleine Änderungen nicht mehr stören werden.

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