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Test: Naraka Bladepoint ist das spannendste Battle Royale des Jahres

Naraka: Bladepoint verleiht dem Battle-Royale-Genre einen neuen Spin und wird damit zum Steam-Hit. Doch lohnt sich das Spiel wirklich? Unser Test verrät es.

von Dennis Zirkler,
29.08.2021 09:12 Uhr

Naraka: Bladepoint hat auf Steam regelmäßig um die 100.000 Spieler gleichzeitig. Der Test zeigt, was dahintersteckt, und vergibt eine Wertung. Naraka: Bladepoint hat auf Steam regelmäßig um die 100.000 Spieler gleichzeitig. Der Test zeigt, was dahintersteckt, und vergibt eine Wertung.

Dass es aktuell zu wenige Battle-Royale-Spiele zur Auswahl gibt, darüber kann man sich nun wirklich nicht beschweren. Höchstens darüber, dass die erfolgreichsten Genrevertreter wie Fortnite, Apex Legends oder Call of Duty: Warzone im Kern alles Shooter sind und sich dementsprechend ähnlich spielen.

Naraka: Bladepoint vom chinesischen Entwickler 24 Entertainment bringt nun tatsächlich mal frischen Wind ins Genre, indem es Schusswaffen gegen Schwerter, Speere und Messer tauscht - und wird damit über Nacht zum Riesenerfolg auf Steam. Ob der Hype allerdings auch berechtigt ist, erfahrt ihr in unserem Test.

Mal wieder Battle Royale, aber…

Wie ihr euch nach der Einleitung sicher denken könnt, handelt es sich bei Naraka: Bladepoint um ein Battle-Royale-Spiel. Dementsprechend finden sich hier auch sämtliche Grundpfeiler des Genres wieder. 60 Spieler tummeln sich auf einer weitläufigen Insel. Sie sammeln Beute in Form von Waffen, Rüstungen, Upgrades und Heilungsgegenständen. Eine Todeszone schrumpft immer weiter, bis nur noch ein Spieler beziehungsweise Dreierteam übrigbleibt. Ihr kennt das, ist schließlich alles nichts Neues.

Trotzdem fühlt sich Naraka: Bladepoint vollkommen anders an als die altbekannten Genrevertreter - und das nicht nur, weil es deutlich hübscher und durch das asiatische Setting atmosphärischer anmutet als beispielsweise ein biederes Playerunknown's Battleground.

Grafik und Art Style überzeugen auf ganzer Linie. Grafik und Art Style überzeugen auf ganzer Linie.

Den größten Unterschied zur Konkurrenz stellt der Fokus auf den Nahkampf dar. Es existieren zwar auch Schusswaffen wie Bögen, Musketen und Pistolen, aber diese dienen in der Regel nur dazu, um den Feind vor dem eigentlichen Duell etwas anzukratzen. Wenn ihr in Naraka das Zeitliche segnet, dann garantiert an der Spitze eines Speers oder durch die Klinge eines Schwertes.

Damit euch das nicht zu oft passiert, werdet ihr überaus behutsam an das Spiel herangeführt. Es gibt mehrere Tutorials, Trainingsmodi und Bot Matches - zu Letzteren werdet ihr sogar gezwungen. Denn selbst wenn ihr direkt nach der Einführung in die quasi nichtvorhandene Story in den Ranglistenmodus startet, erwarten euch in den ersten Runden hauptsächlich KI-Gegner.

Im Training können wir Waffen, Fähigkeiten und Upgrades nach Herzenslust ausprobieren. Im Training können wir Waffen, Fähigkeiten und Upgrades nach Herzenslust ausprobieren.

Die Bots sind nicht besonders helle und lassen sich durch stumpfes Hämmern der Angriffstasten umnieten. Besonders spaßig fanden wir das nicht. Auch auf den Kampf mit menschlichen Gegnern haben uns die Bots nur spärlich vorbereitet - obwohl dies bitter nötig gewesen wäre.

Naraka: Bladepoint will uns ständig dazu verlocken, noch mehr Geld auszugeben. Naraka: Bladepoint will uns ständig dazu verlocken, noch mehr Geld auszugeben.

Achtung: Mikrotransaktionen überall!
Obwohl Naraka: Bladepoint ein Buy-to-Play-Titel ist (Kaufpreis: 20 bis 50 Euro), erinnert uns die weitere Monetarisierung an Free2Play-Spiele. Neben einem kostenpflichtigen Premium Battle Pass gibt es einen Ingame Shop, in dem ihr Lootboxen oder bestimmte Skins direkt für Echtgeld kaufen könnt.

Gut: Alle angeboten Gegenstände sind rein kosmetisch. Weniger gut: Das Spiel nervt uns ständig mit Angeboten. Wollen wir etwa Belohnungen aus dem kostenlosen Battle Pass einfordern, müssen wir jedes Mal zuerst einen Hinweis auf die Premium-Variante wegklicken.

Faszinierende Kämpfe mit Frustpotenzial

Die Nahkampfduelle in Naraka: Bladepoint sind das Herzstück des Spiels und theoretisch einfach zu erlernen. Denn im Kern handelt es sich um ein schnell durchschaubares Schere-Stein-Papier-Prinzip: Mit der linken und rechten Maustasten führt ihr leichte Angriffsketten aus, die in einem besonders starken Angriff münden, vor dem euer Charakter kurz blau aufleuchtet. Ihr könnt diese Tasten auch gedrückt halten, um nach kurzer Aufladezeit direkt einen "blauen" Angriff auszulösen.

Die geladenen Angriffe schlagen zwar immer leichte Angriffe und hauen gut rein, können dafür aber auch mit präzisem Timing von euren Feinden pariert werden. Das kostet euch dann in der Regel einen Großteil eurer Lebens- und Rüstungspunkte.

Der Feind greift mit einem leichten Schlag an und hat damit keine Chance gegen unsere geladene Attacke. Der Feind greift mit einem leichten Schlag an und hat damit keine Chance gegen unsere geladene Attacke.

In der Praxis haben wir uns während unserer Tests aber erstmal extrem schwergetan, uns dieses Wissen überhaupt anzueignen. Denn nachdem wir die Bot-Partien mühelos dominiert haben und mit einem völlig deplatzierten Überlegenheitsgefühl auf die ersten echten Feinde trafen, gab es erstmal volles Pfund aufs Maul.

Die blitzschnellen Kämpfe wirkten viel zu chaotisch, unfair und undurchschaubar - und wir starben uns stundenlang frustriert von einer Partie zur Nächsten. Bis uns irgendwann endlich ein Licht aufging und wir anfingen, nicht mehr das Spiel, sondern unsere Spielweise zu hinterfragen. Denn das Spammen der Standard-Combos, was gegen KI-Gegner hervorragend funktionierte, wird gegen echte Feinde zur Todesfalle. Viel zu vorhersehbar und deshalb einfach zu parieren.

Das Weg zum Erfolg lautet: Weniger ist mehr. Denkt da an Fighting Games wie Street Fighter oder Tekken. Natürlich kann man durch wildes Herumspringen und Button Mashing mal ein Match gewinnen, wie uns unsere kleinen Geschwister und Freunde ohne eigene Konsole in unseren Kindheitstagen gerne spüren ließen. Gegen fähige Spieler habt ihr damit aber keine Chance.

Im Trio-Modus werden die Kämpfe chaotischer. Mit Übung und gutem Timing lassen sich aber auch mehrere Feinde gleichzeitig besiegen. Im Trio-Modus werden die Kämpfe chaotischer. Mit Übung und gutem Timing lassen sich aber auch mehrere Feinde gleichzeitig besiegen.

Wer gewinnen will, muss viel Zeit investieren, um das Gedankenspiel aus Schlägen, Paraden und Ausweichmanövern zu meistern. So auch in Naraka. Sind die Grundlagen erst einmal verinnerlicht, bekommt ihr mit jeder Partie fordernde und aufregende Kämpfe geliefert, in denen es gilt, Fehltritte des Gegners zu provozieren und diese im Bruchteil einer Sekunde zu erkennen und auszunutzen.

Ein weiteres taktisches Mittel sind die Fähigkeiten der Charaktere: Aktuell stehen sieben Helden zur Auswahl, die jeweils zwei aktive Skills mitbringen. Die Wüstenkämpferin Matari kann sich etwa über kurze Strecken teleportieren, während der Mönch Tianhai sich mit seinem Ultimate in einen mächtigen Titanen verwandelt. Diese Fertigkeiten bestimmen die Kämpfe allerdings nicht, sondern bereichern sie lediglich.

Mit dem riesigen Charaktereditor können wir unsere Helden nach Belieben anpassen und so sogar zum Pikachu werden. Mit dem riesigen Charaktereditor können wir unsere Helden nach Belieben anpassen und so sogar zum Pikachu werden.

Für wen lohnt sich Naraka: Bladepoint?

Aufgrund seines gelungenen Kampfsystems ist Naraka: Bladepoint für uns ein überdurchschnittliches gutes Spiel - zumindest nachdem der anfängliche Frust überstanden war. Ob ihr das genau so sehen werdet, hängt hauptsächlich von eurer Geduld ab. Ihr steht total auf das asiatische Setting, mögt den Battle-Royale-Modus und habt zudem die Zeit und Lust, euch richtig in die Mechaniken reinzufuchsen? Dann könnte euch Naraka viele Stunden Spaß bereiten.

Gelegenheitsspieler werden es hingegen eher schwer haben, zumal das Matchmaking auch nicht immer fair ist - in unserem Testzeitraum haben wir in Ranglistenspielen wiederholt mit und gegen Spieler gefightet, die deutlich höher eingestuft sind.

Naraka: Bladepoint geizt nicht mit Loot. In versteckten Schatzkammern finden wir aber besonders viele Upgrades. Naraka: Bladepoint geizt nicht mit Loot. In versteckten Schatzkammern finden wir aber besonders viele Upgrades.

Außerdem solltet ihr euch der technischen Probleme bewusst sein: Da es aktuell keinen Region Lock gibt, tummeln sich viele asiatische Spieler auch auf den europäischen Servern. Das führt dazu, dass die eigentlich tollen Duelle manchmal trotz gutem Pings vom Zufall bestimmt werden. Glasklare Treffer werden nicht mehr registriert und überlebenswichtige Aktionen wie Ausweichen und Parieren werden zum Glücksspiel. Immerhin hat 24 Entertainment mittlerweile bekanntgegeben, dass sie an diesem Problem arbeiten.

Wer also die Geduld mitbringt, um die Spielmechaniken zu verinnerlichen und auf die Bugfixes der Entwickler zu warten, bekommt mit Naraka: Bladepoint das bis dato spannendste Battle Royale des Jahres.

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