Netflix-Rekord für The Witcher, doch genießt die Zahlen mit Vorsicht

76 Millionen Zuschauer haben The Witcher innerhalb der ersten vier Wochen nach Release geschaut. Doch was bedeutet »schauen« in der Netflix-Terminologie überhaupt?

von Alexander Köpf,
23.01.2020 14:38 Uhr

Schauen ist nicht gleich Schauen - oder doch? Die Definition von Netflix wirft jedenfalls berechtigte Fragen auf. (Bildquelle: Netflix) Schauen ist nicht gleich Schauen - oder doch? Die Definition von Netflix wirft jedenfalls berechtigte Fragen auf. (Bildquelle: Netflix)

76 Millionen Haushalte haben The Witcher in den ersten vier Wochen nach Relase auf Netflix gesehen, neuer Zuschauer-Rekord! Das unterstreicht Netflix selbst und zitiert dabei aus den Zahlen für das vierte Quartal 2019, die der Streaming-Dienst unlängst vorgelegt hat. Doch bei genauer Betrachtung enstehen an deren Aussagekraft Zweifel.

Starter oder Watcher, das war mal die Frage

Ja, es waren tatsächlich 76 Millionen Haushalte respektive Netflix-Abonnenten, die The Witcher geschaut haben. Aber genau hier liegt der Knackpunkt. Netflix änderte Ende 2019 nämlich die Definition von »geschaut«.

Bis vor Kurzem galt jeder, der die ersten zwei Minuten eines Film oder einer Episode einer Serie sah noch als sogenannter »Starter«. Erst wenn mindestens 70 Prozent der gesamten Spielzeit absolviert wurden, avancierte man zum »Watcher«.

  • Starter: die ersten zwei Minuten einer Serien-Episode oder eines Films geschaut
  • Watcher: mindestens 70 Prozent geschaut
  • Completer: mindestens 90 Prozent geschaut

Mittlerweile ist das jedoch nicht mehr so. Seit Ende letzten Jahres wird jeder als Watcher gezählt, Unterscheidungen gibt es nicht mehr.

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Welche Gründe gibt Netflix dafür an?

In dem Quartalsbericht erklärt Netflix, dass es schlicht keinen Sinn ergebe, Filme und Serien gleichermaßen zu bemessen. Ein Film wie »Highwaymen«, der 132 Minuten dauert, könne demnach nicht mit einer 15-minütigen Episode der Serie »Special« verglichen werden. Eine Änderung der Definition und damit auch der Zählweise sei daher sinnvoll.

Weiter wird darauf hingewiesen, dass diese Messmethode unter anderem dem Ranking von BBCs Streaming-Dienst iPlayer sehr ähnlich sei, das schon die reinen Anfragen werte.

Laut Netflix ergibt die neue Zählweise rund 35 Prozent höhere Zuschauerzahlen als die bisherige Methode. Als Beispiel wird die Dokumentar-Reihe »Unser Planet« genannt, die nun von offiziell 45 Millionen Haushalten geschaut wurde - zuvor waren es 33 Millionen.

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